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26.11.2016

01:25 Uhr

FC Bayern München

Uli Hoeneß als Präsident wiedergewählt

Er hat um eine zweite Chance gebeten, und er hat sie bekommen: Uli Hoeneß ist wieder Präsident des Rekordmeisters. Und auch für Philipp Lahm ist ein Karrieresprung in Sicht.

Schon beim gemeinsamen Einmarsch mit der Vereinsführung schritt der 64-Jährige erhobenen Hauptes vorneweg. dpa

Uli Hoeneß

Schon beim gemeinsamen Einmarsch mit der Vereinsführung schritt der 64-Jährige erhobenen Hauptes vorneweg.

MünchenSchon beim gemeinsamen Einmarsch mit der Vereinsführung schritt der gefeierte Uli Hoeneß erhobenen Hauptes vorneweg. Begleitet von großem Beifall und ein paar „Uli, Uli“-Rufen nahm der 64-Jährige am Freitagabend im Fokus von zahlreichen Kameras lange vor seiner neuen Krönung zum Präsidenten bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München in der ersten Reihe des vollbesetzten Audi Domes Platz. Hoeneß wirkte erwartungsfroh.

Auch der scheidende Präsident Karl Hopfner wurde von der Vereinsschar mit lang anhaltendem Beifall gefeiert, als er die Versammlung in München wegen des großen Andrangs mit rund 25 Minuten Verspätung eröffnete. „Das berührt mich wirklich“, sagte Hopfner. Er und Hoeneß suchten vor der Versammlung das eigens wegen des großen Interesses vor der Halle aufgebaute Zelt auf, in das etliche Mitglieder ausweichen mussten. In der Halle war einfach nicht mehr Platz.

Kurz vor 23 Uhr war es dann soweit. Hoeneß, der in seiner Bewerbungsrede für das Präsidentenamt beim FC Bayern München die Mitglieder um „eine zweite Chance“ gebeten hatte, wurde zurück ins Amt gewählt. „Ich verspreche Ihnen, dass ich alles tun werde, um Ihre Erwartungen zu erfüllen“, sagte er.

Er habe zwei Familien, eine sei der FC Bayern. Die Liebe und Zuneigung, die er auf der Außerordentlichen Mitgliederversammlung 2014 vor seiner Haftstrafe verspürt habe, habe ihm im Gefängnis Halt gegeben. Manchmal habe er in seiner Zelle auf seinem Bett gesessen „und geheult wie ein Schlosshund“. Dann habe er in den 5500 Briefen teilweise völlig fremder Menschen gelesen, die ihm geschrieben hätten. Er habe für seinen Fehler gebüßt. Mehr als 97 Prozent der über 7000 anwesenden Mitglieder sahen dass offenbar auch so. Sie stimmten mit ja, 108 votierten mit nein. Dazu gab es 58 Enthaltungen.

„Ich gönne Dir von Herzen die verdiente Rückkehr in Dein Amt als Präsident“, erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit Blick auf Hoeneß, der sich wiederholt mit Sorge wegen eines medizinischen Notfalls wenige Meter hinter ihm umdrehte. „Ich bin neugierig auf die neuerliche Zusammenarbeit mit Dir. Wir kennen uns nun ja schon 42 Jahre“, sagte Rummenigge. Vor dem Blick in die Zukunft rühmte er besonders die vergangenen Jahre mit Titeln wie am Fließband: „Jahre wie diese haben wir selbst noch nicht erlebt.“ Die Versammlung wurde für wenige Minuten unterbrochen, damit Rettungskräfte ein Mitglied mit einem Schwächeanfall in ein Krankenhaus bringen konnten.

Bei allem Jubel: Pünktlich zur Jahreshauptversammlung aber schwächelt der deutsche Fußball-Rekordmeister unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti, verlor zweimal in Serie und ist nicht mehr Tabellenführer. „Lieber Carlo, wir gewinnen hier zusammen, wir verlieren hier zusammen. Aber eines ist das Wichtigste, du hast unser vollstes Vertrauen“, sagte Rummenigge und blickte auch schon auf die im neuen Jahr anstehenden K.o.-Runden in der Champions League. „Ich glaube, wir haben einen Spezialisten auf der Bank sitzen, der für diese Fälle bestens geeignet ist.“ Ancelotti gewann als einziger Trainer dreimal diese Königsklasse. Der 57-Jährige bekam großen Willkommensapplaus.

Karl-Heinz Rummenigge machte sich derweil mit klaren Worten für eine Zukunft von Philipp Lahm als Sportdirektor des FC Bayern München stark, ohne ihn direkt namentlich zu nennen. „Wir werden in sicherlich nicht allzu langer Zukunft wieder einen Sportdirektor haben. Und der muss ticken, wie der FC Bayern tickt“, sagte der Vorstandschef in der Nacht zum Samstag auf der Mitgliederversammlung des FC Bayern. „Wir haben da einen im Hinterkopf, den werden wir holen, aber der muss im Moment noch Fußball spielen.“

Schon Stunden vor der spektakulären Rückkehr von Vereinspatron Hoeneß verkündete der deutsche Fußball-Rekordmeister Rekorde bei Umsatz und Gewinn. Der vom Verein ausgegliederte Gesamtkonzern steigerte im Geschäftsjahr 2015/16 seinen Umsatz um über 100 Millionen Euro auf eine Bestmarke von 626,8 Millionen Euro. Das sind rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr (523,7 Millionen). Der Gewinn liegt bei 33 Millionen Euro und rund zehn Millionen Euro über der bisherigen Rekordmarke beim Überschuss nach Steuern von 23,8 Millionen aus der Saison 2014/15.

Zum 24. Mal in Serie wirtschaftet der deutsche Fußballkrösus nach eigenen Angaben profitabel. Die Zahl der Mitglieder beim weltweit größten Sportverein stieg von 270.329 auf 284.041 an. In der Saison 2015/16 gewannen die Münchner die Meisterschaft, den DFB-Pokal und erreichten das Champions-League-Halbfinale unter Pep Guardiola. Die Trophäen waren wie auch der in der aktuellen Spielzeit gewonnene Supercup auf der Bühne ausgestellt.

„Unsere steigende Finanzkraft hat vorrangig das Ziel, regelmäßig die notwendigen Investitionen in den Lizenzspielerkader zu tätigen, um weiterhin in der europäischen Top-Elite konkurrenzfähig zu sein. Dabei sind wir unserer Maxime – maximaler sportlicher Erfolg bei wirtschaftlicher Solidität – stets treu geblieben“, sagte Finanzchef Jan-Christian Dreesen. Man sei „wirtschaftlich weiterhin auf höchstem Champions-League-Niveau“.

Bayern München: Die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre. Quellen: Statista, Verein, Transfermarkt.de, Fussball-Geld
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Trikotsponsoring
Mitglieder des FC Bayern
Jahresgehalt von Spielern
Teuerste Spielerzugänge
Teuerste Spielerabgänge
Teuerste Spielerabgänge
Teuerste Spielerabgänge
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Doch wichtiger als die Zahlen war an diesem Abend die Rückkehr des Vereinskönigs. „Es ist ein wichtiger Moment für den Club – und Uli Hoeneß ein bedeutender Mann für den Verein“, sagte Trainer Carlo Ancelotti, der am Vorabend des Topspiels gegen Bayer Leverkusen der Veranstaltung beiwohnte.

Hoeneß war im März 2014 am Tag nach seiner Verurteilung zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern zurückgetreten. Hopfner, der danach eingesprungen war, trat am Freitagabend nicht mehr zur Wahl an.

Von

dpa

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