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01.11.2014

17:01 Uhr

FC Bayern statt viel Geld

Wie sich Uli Hoeneß Pep Guardiola angelte

VonThomas Schmitt

Ein hochdekorierter Trainer, ein Spitzenmanager und der vermeintlich beste Klub der Welt: Die Lovestory zwischen Guardiola und den Bayern begann im Stillen. Federführend war der Manager, der heute hinter Gittern sitzt.

Da sind zwei aber richtig angekommen in München: Pep Guardiola, Trainer von Bayern München, und seine Frau Cristina Guardiola auf ihrem ersten Oktoberfest. dpa

Da sind zwei aber richtig angekommen in München: Pep Guardiola, Trainer von Bayern München, und seine Frau Cristina Guardiola auf ihrem ersten Oktoberfest.

DüsseldorfJosep Guardiola ist einer der besten Fußballtrainer der Welt, vielleicht sogar der Beste. Mit dem Barcelona hat er so gut wie alles gewonnen. Und das in Rekordzeit. So einer kann überall hingehen und steinreich werden. Doch so ist Pep, wie ihn alle nennen, nicht gestrickt. Er entschied sich für den FC Bayern München – und gegen das ganz große Geld in England. Und das kam so.

Die Liebesgeschichte zwischen den Bayern und ihrem Trainer begann bereits vor Jahren, genau am 26. Juli 2011, wie Guardiola-Biograph Dietrich Schulze-Marmeling weiß. Da war Guardiola noch Trainer von Barca, aber bereits ein wenig amtsmüde. Gar zu stressig war es, die beste Fußballmannschaft der Welt wöchentlich auf Topniveau zu halten und sich außerdem noch gegen den bissigen Rivalen Real Madrid zu wehren.

In München weilte er damals, weil die Bayern ein kleines Turnier als Vorbereitung für die neue Saison veranstalteten. Guardiola nutzte den Aufenthalt, um sich morgens die Anlagen der Bayern anzusehen. Abends saß er dann – wie zufällig – zwischen zwei Spielen im VIP-Raum der Bayern. Auch die beiden Bayern-Macher Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß waren da.

Die Bayern-Trainer seit der Jahrtausendwende

Ottmar Hitzfeld

Juli 1998 - Juni 2004, Februar 2007 - Juni 2008: Der Schweizer holte mit Borussia Dortmund zwei Meisterschaften, gewann Champions League und Weltpokal – und wechselte dann zu Bayern München, wo er noch erfolgreicher wurde: Neben Champions League und Weltpokal gewannen die Bayern unter Hitzfeld viermal die deutsche Meisterschaft und zweimal den DFB-Pokal.

Felix Magath

Juli 2004 - Januar 2007: Als erster deutscher Verein gelang dem FC Bayern unter Felix Magath die Wiederholung des Doubles aus Meisterschaft und DFB-Pokal. Nach einem enttäuschenden halben Jahr darauf und dem Abgang von Michael Ballack wurde er entlassen und noch einmal durch Ottmar Hitzfeld ersetz.

Jürgen Klinsmann

Juli 2008 - April 2009: Die Verpflichtung des ehemaligen Bundestrainers war wohl das größte Missverständnis in der jüngeren Vereinsgeschichte. Spätestens nach einer Demütigung durch den FC Barcelona musste Klinsmann den Hut nehmen.

Louis van Gaal

Juli 2009 - April 2011: Der Niederländer wurde für seinen autoritären Führungsstil kritisiert und für seinen Enthusiasmus als „Feierbiest“ geliebt: Er gewann zweimal die Meisterschaft und den DFB-Pokal und gelangte mit seinem Team ins Endspiel der Königsklasse. Doch richtig warm wurden die Funktionäre mit ihm nie. Dortmund gewann 2011 die Meisterschaft und van Gaal musste gehen.

Andries Jonker

April 2011 - Juni 2011: Der Niederländer war nach van Gaals Weggang als Interimstrainer tätig.

Jupp Heynckes

April 2009 - Juni 2009, Juli 2011 - Juni 2013: Das Gladbacher Urgestein übernahm für kurze Zeit nach dem Rauswurf von Jürgen Klinsmann und kehrte 2011 noch einmal zurück um den größten Erfolg der Vereinsgeschichte, das Triple, zu holen.

Pep Guardiola

Seit Juli 2013: Die Verpflichtung des ersten spanischen Trainers in der Bundesliga war eine riesige Sensation. Mit dem FC Barcelona gewann er in vier Jahren 14 Titel. Mit dem FC Bayern hat er bis heute kein einziges Bundesligaspiel verloren.

Klar, dass sie dem prominenten Gast die Hand schüttelten. „Darauf scheint Guardiola nur gewartet zu haben“, schreibt der Schulze-Marmeling in seinem Buch „Guardiola – Der Fußball-Philosoph“. Guardiola bat die beiden um ein Gespräch. Beim Espresso sagte er dann: „Eure Philosophie ist interessant. Ich kann mir vorstellen, irgendwann hier zu trainieren.“

Rummenigge und Hoeneß verschlug es fast den Atem. Da lobte der Trainer der besten Fußballmannschaft der Welt ausgerechnet die Bayern. Jenen Verein also, dessen „Philosophie“ jahrzehntelang darin bestanden hatte, anderen Bundesligavereinen die besten Spieler zu klauen, um daraus ein Spitzenteam zu formen. Nicht sonderlich klug war das, aber effizient.

Diese Geschäftsidee hat national wunderbar funktioniert, nur leider nicht international. Vor allem die Spanier waren den Bayern weit enteilt. Erst nach der WM 2006 hat sich dies langsam geändert. Eine kurze Zeit mit Jürgen Klinsmann, danach mit dem Fußball-General Louis van Gaal. Der verpasste den Bayern die Philosophie: Du musst den Ball besitzen. Was ganz im Sinne von Pep ist.

Kommentare (1)

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Herr Willi Grimm

03.11.2014, 12:36 Uhr

'Cruyff fand es übrigens imponierend, dass Pep sich für die Deutschen entschieden habe, obwohl er „irgendwo anders mehr hätte verdienen können“. Dies zeige deutlich, „dass er auf sein Fußballherz gehört hat. Das finde ich gut“. In der Tat ungewöhnlich in einem Geschäft, in dem die Beteiligten in der Regel ihre Einkommensmöglichkeiten ganz cool maximieren.'
Diese Aussage ist einfach toll und sicher richtig - irgendwie sieht man dem Pep immer an, daß er Freude am Job vor Kohle stellt.

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