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09.01.2016

08:10 Uhr

FC Bayern und Katar

Geld schlägt Menschenrechte

VonThomas Schmitt

Der kleine Wüstenstaat Katar hat die große Fußballwelt fest im Griff. Selbst stolze Klubs wie der FC Bayern München verneigen sich vor den reichen Scheichs – und das immer wieder. So unpassend das auch ist. Ein Kommentar.

Bayern-Spieler Thiago posiert in Katar mit Fans. dpa

Trainingslager

Bayern-Spieler Thiago posiert in Katar mit Fans.

DüsseldorfNatürlich wissen die Bosse des FC Bayern, was sie tun, wenn sie ihr Winter-Trainingslager ausgerechnet im Wüstenstaat Katar aufschlagen. Schon in den Vorjahren hagelte es Kritik deswegen, weil Menschenrechte in diesem Teil der Welt wenig bis gar nicht beachtet werden. Es wäre leicht gewesen, die neue Kritikwelle zu vermeiden – durch den Ausflug in einen anderen Teil der Welt.

Warum sind die Bayern trotzdem nach Katar gefahren? Die offiziellen Erklärungen dafür klingen merkwürdig hohl und wie abgesprochen. Es ist im Winter warm und angenehm dort, lautet das Hauptargument. Und die Augen wollen die Bayern-Stars auch nicht verschließen, wenn sie durch Katar laufen, sagt zumindest ihr Kapitän Philipp Lahm.

Sein Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge tut dabei so, als gehe es bei diesem Trainingslager nur um die sportliche Vorbereitung für die Rückrunde in der Bundesliga. Das ist eine durchsichtige Taktik: Wer so lange im Fußballgeschäft ist wie Bayern-Boss Rummenigge, der weiß, dass jegliche Aktion seines Vereins eine Signalwirkung entfaltet.

FC Bayern München: Die Sponsoren des Rekordmeisters

Classic Partner

Adelholzener, Bayern 3, Coca Cola, Flyeralarm, Hublot, Georgio Armani, Schaeffler, Henkel, MAN, Philips, Samsung, Trentino Hotel, Schöller, Siemens, Thomas Sabo und Starwood Hotels.

Premium Partner

Yingli Solar, DHL, SAP, Paulaner, Lufthansa und Hypo Vereinsbank

Sportwetten

Tipico Sportwetten (Vertrag bis 2019), geschätztes Volumen pro Jahr: 5,5 Millionen Euro

Telefone

Gigaset ist seit Anfang Juli 2015 bis Mitte 2018 exklusiver Partner für das Segment Smartphones, Tablets und Wearables.

Stadion

Die Allianz zahlt für die Namensrechte jedes Jahr sechs Millionen Euro an den Verein. Zudem gehören dem Versicherungskonzern 8,33 Prozent des FC Bayern.

Ausrüster

Adidas hat den Vertrag bis 2030 verlängert. Bisher zahlte der Konzern 20 Millionen Euro an die Münchener. Künftig sollen es 60 Millionen Euro sein. Die Gesamtsumme des neuen Vertrags belaufe sich auf 900 Millionen Euro, berichtet „Sport Bild“. Zudem gehören dem Ausrüster 8,33 Prozent des FCB.

Trikots

Die Telekom lässt sich das Groß-Sponsoring auf den Bayern-Trikots („T)“ 30 Millionen Euro kosten.

Hauptsponsor

Audi lässt sich das Engagement jährlich 25 Millionen Euro kosten und hält 8,33 Prozent Vereinsanteile.

Es ist dabei völlig egal, ob die Bayern nun etwas tun oder nicht tun, bemerkt wird es in jedem Fall. Das ist auch bei dem umstrittenen Trainingslager in Katar so. Der FC Bayern ist schließlich der mitgliederstärkste Fußballverein – mit einer gewaltigen Fanbasis auf der ganzen Welt. Der Klub ist ein Vorbild für Millionen Menschen.

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Tatort Katar: Wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden, kicken derzeit die Stars der Bundesliga. Menschenrechtler, Fans und Politiker finden das übel. Doch die Bayern ignorieren die Kritik und schweigen.

Wenn dieser Verein trotz scharfer und offensichtlicher Kritik an den Zuständen in Katar in dieses Land fährt, dann ist dies als Verbeugung vor den dortigen Machthabern zu werten. Und vor deren Geld, das inzwischen in unzähligen Fußballaktivitäten steckt. Das ist die schlüssigste Erklärung für das Beharrungsvermögen der Bayern-Führung.

Katar hat es in den letzten Jahren geschafft, die wichtigen Figuren der Sportwelt gnädig für eigene Interessen zu stimmen. Wie die Scheichs das im Einzelfall hinbekommen haben, ist nicht bekannt. Doch die Ergebnisse ihrer Bemühungen sprechen für sich. Immer mehr wichtige und große Sportveranstaltungen werden in Katar abgehalten. Die wichtigste davon wird die WM 2022 sein.

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