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26.07.2013

12:21 Uhr

Felix Magath

Der „Quälix“ der Liga wird 60

Felix Magath ist einer der erfolgreichsten Spieler und Trainer in der Geschichte der Bundesliga, war als Coach und Manager aber stets umstritten. Jetzt überlegt er, ob „es sich lohnt“, noch einmal neu anzufangen.

Felix Magath - damals noch Wolfburg-Coach - feierte am 17.05.2008 die Qualifikation für den UEFA-Pokal mit den Fans. Seinen Geburtstag feiert er nicht. dpa

Felix Magath - damals noch Wolfburg-Coach - feierte am 17.05.2008 die Qualifikation für den UEFA-Pokal mit den Fans. Seinen Geburtstag feiert er nicht.

MünchenFelix Magath hat in diesen Tagen ungewohnt viel Zeit. Keine Saison-Vorbereitung mit Treppenläufen, kein Trainingslager mit Medizinbällen, keine Testspiele - doch seinen 60. Geburtstag will der Fußball-Lehrer an diesem Freitag trotzdem nicht feiern. „Ich habe in meinem ganzen Leben nicht richtig Geburtstag gefeiert“, sagte Magath der Nachrichtenagentur dpa: „Ich habe keinen Anlass, das zu ändern.“

Frohsinn ist nicht Magaths Sache. Er ist eher ein Asket, der sich mit dem berühmten Tee begnügt. „Früher fehlte das Geld“, erzählte der am 26. Juli 1953 geborene Aschaffenburger. „Und als Spieler und Trainer war ich am Geburtstag immer in der Vorbereitung auf die Saison.“ In diesem Jahr ist er zu Hause bei seiner Familie in München und versichert: „Mir geht es gut.“

Zur Person: Felix Magath

Persönliche Daten
  • geboren am: 26. Juli 1953
  • Geburtsort: Aschaffenburg
  • Größe: 1,74 m
Stationen als Spieler
  • 1972-1974: Viktoria Aschaffenburg
  • 1974-1976: 1. FC Saarbrücken (76 Spiele/29 Tore)
  • 1976-1986 Hamburger SV (306 Spiele/46 Tore)
Spieleinsätze und Tore
  • Bundesliga: 303 Spiele, 46 Tore
  • Länderspiele: 43 Spiele, 3 Tore
Erfolge als Spieler
  • Europameister mit Deutschland 1980
  • Vize-Weltmeister mit Deutschland 1982, 1986
  • Europapokalsieger der Landesmeister 1983 mit dem Hamburger SV
  • Europapokalsieger der Pokalsieger 1977 mit dem Hamburger SV
  • Deutscher Meister 1979, 1982 und 1983 mit dem Hamburger SV
Stationen als Trainer
  • 1992/1993: FC Bremerhaven
  • 1995 - Mai 1997: Hamburger SV
  • September 1997 - Mai 1998: 1. FC Nürnberg
  • Oktober 1998 - Mai 1999: Werder Bremen
  • Dezember 1999 - Januar 2001: Eintracht Frankfurt
  • Februar 2001 - Juni 2004: VfB Stuttgart
  • Juli 2004 - Januar 2007 Bayern München
  • Juni 2007 - Mai 2009: VfL Wolfsburg
  • Mai 2009 - März 2011: Schalke 04
  • März 2011 - 25. Oktober 2012: VfL Wolfsburg
Erfolge als Trainer
  • Deutscher Meister: 2005, 2006 (jeweils FC Bayern München), 2009 (VfL Wolfsburg)
  • DFB-Pokalsieger: 2005, 2006 (jeweils FC Bayern München)
  • Deutschlands Trainer des Jahres: 2003, 2005, 2009

Presseerklärung des VfL Wolfsburg im Wortlaut

„Der Aufsichtsrat des VfL Wolfsburg und Felix Magath sind heute übereingekommen, die Zusammenarbeit zu beenden. Felix Magath hat in einem ersten Schritt dem Aufsichtsrat gegenüber erklärt, dass ihm der Verein sehr am Herzen liegt. Er bot daher an, ihn von seinen Pflichten zu entbinden, da er nicht möchte, dass der Verein in Mitleidenschaft gezogen wird.

Der Aufsichtsrat bedauert, dass es zu dieser Situation gekommen ist, obwohl beide Seiten in den letzten Wochen alles versucht haben, den sportlichen Erfolg herzustellen. Da dies nicht gelungen ist, hat man sich einvernehmlich zu diesem Schritt entschlossen. Lorenz-Günther Köstner übernimmt als Interimstrainer mit sofortiger Wirkung die Leitung der Mannschaft.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Francisco Garcia-Sanz: 'Wir möchten Felix Magath ausdrücklich unseren Dank aussprechen. Er hat während seiner beiden Amtszeiten beim VfL Wolfsburg enormes Engagement gezeigt und Großes für unseren Verein, die Stadt Wolfsburg und den Sport in der gesamten Region geleistet. Der Fokus liegt jetzt auf den kommenden Partien, in denen es gilt, schnellstmöglich wieder Anschluss an das Mittelfeld der Bundesliga zu finden.'“

Manchem Fußballprofi geht es auch gut - weil Magath daheim ist. Vor allem in den Wochen vor Saisonbeginn erarbeitete sich der ehemalige Nationalspieler, der bei acht aktuellen Bundesligisten Übungsleiter war, seinen Ruf als „Quälix“. Seine Trainingsmethoden gelten als besonders hart und manchem auch als antiquiert, vor allem die Arbeit mit Medizinbällen ist gewissermaßen das Markenzeichen dafür.

Die Kritik nahm Magath nie sonderlich ernst. Im Zweifelsfall verweist er auf die gute Bezahlung der Profis und auf seine Erfolge als Trainer, darunter das zweimalige Double mit dem FC Bayern München. Der größte Erfolg war aber sicher 2009 die überraschende Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg.

Magath polarisiert, und Magath ist umstritten. Zuletzt besonders wegen seiner Einkaufspolitik in Wolfsburg und auf Schalke, wo er in Personalunion auch als Manager tätig war. Eine kaum zu überschauende Zahl von Spielern transferierte er, bewegte zig Millionen Euro. Mit den Altlasten muss sich vor allem Klaus Allofs als Nachfolger beim VfL noch immer herumschlagen.

Anderseits entdeckte Magath für die Wolfsburger auch fußballerische Perlen wie den später teuer verkauften Edin Dzeko. Oder er lockte den von Schalke-Fans noch immer verehrten Raul nach Gelsenkirchen und beförderte den seinerzeitigen Junior Julian Draxler in die Profimannschaft.

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