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21.02.2016

21:11 Uhr

Felix Zwayer nach Schmidt-Eklat

„Habe weisungsgemäß gehandelt“

Leverkusens Trainer Schmidt hat beim 0:1 seines Teams gegen den BVB für einen Eklat gesorgt. Schiedsrichter Zwayer unterbrach das Spiel für neun Minuten. Nun erläutert er, warum er keine andere Möglichkeit sah.

Der 1:0-Sieg der Dortmunder gegen die Werkself wird von der Spielunterbrechung überschattet. Reuters

Felix Zwayer

Der 1:0-Sieg der Dortmunder gegen die Werkself wird von der Spielunterbrechung überschattet.

LeverkusenDas Interview mit Schiedsrichter Felix Zwayer wurde nach dem Spiel Bayer Leverkusen gegen Borussia Dortmund (0:1) in der Mixed-Zone aufgezeichnet.

Sie wollten Bayer-Trainer Roger Schmidt nach dem Führungstreffer für Dortmund auf die Tribüne verweisen. Warum haben Sie das Spiel unterbrochen?
Herr Schmidt hat sich derart unsportlich verhalten, dass wir mit Verweis auf die Tribüne reagieren mussten. Er hat sich der Anweisung widersetzt. Da habe ich weisungsgemäß gehandelt. Kurze Zeit später habe ich Herrn Kießling (Kapitän Bayer Leverkusen) angewiesen, ihm die Botschaft nochmals zu überbringen. Auch dem wurde nicht Folge geleistet. Dann ist die Anweisung eben so, dass man ein Spiel unterbricht oder sogar abbricht. Wir sind in die Kabine gegangen und haben die Situation in Ruhe geklärt.

Spielunterbrechung in Leverkusen: Völlers Wutausbruch

Rudi Völler

Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler ist bekannt für seine emotionalen Auftritte. Im Sky-Interview lieferte er dafür ein weiteres Beispiel. Thema: Die Spielunterbrechung im Spiel Bayer Leverkusen gegen Borussia Dortmund am 21. Februar 2016.

Quelle: sid

Attacke

Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt hatte sich geweigert, auf die Tribüne zu gehen. Dazu war er vom Schiedsrichter aufgefordert worden. Völler rechtfertigt dieses Verhalten und geht zum Gegenangriff über.

Zur Spielunterbrechung

"Der Schiedsrichter meinte, es ein bisschen spannender machen zu müssen. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob unser Trainer auf die Tribüne muss oder nicht. Aber das liegt in der Entscheidung des Schiedsrichters. Aber man kann es ihm auch einfach vernünftig erklären!"

Zu den Regeln

"So ein Spiel zu unterbrechen und dadurch so eine Hektik reinzubringen, das war völlig unnötig! Ich verlange von Herrn Zwayer, dass er unserem Trainer das erklärt, egal, ob das in der Regel steht oder nicht. Wenn es anders im Regelwerk steht, dann haben wir wieder etwas dazugelernt. Dann hier so eine Nummer daraus zu machen! Die Spieler müssen reingehen, als wäre hier etwas Furchtbares passiert, das ist total übertrieben."

Zu einem Handspiel

"Wissen sie, wer neue Impulse hätte geben können? Der Schiedsrichter und die Linienrichter draußen, wenn er nämlich Handelfmeter gepfiffen hätte! Dann hätte er einen super Impuls geben können! Es war nämlich ein tausendprozentiger Elfmeter. Der Impuls wäre ganz wichtig gewesen. Das ist doch keine natürliche Handbewegung."

Zu Roger Schmidt

"Das ist doch bei anderen Trainern auch, das braucht man nicht überbewerten. Das macht jeder Trainer ein bisschen, die sind alle unter Hochspannung. Dann fühlt man sich auch ein bisschen ungerecht behandelt. Man kann unseren Trainer auch mal hochschicken, davon geht die Welt ja nicht unter. Das kann passieren, das passiert anderen auch."

Aufgebracht

"Was haben sie eigentlich mit dem Roger Schmidt? Es ist doch viel wichtiger, dass er keinen Elfmeter gepfiffen hat, oder finden sie nicht? Was meinen Sie? Wer hat uns denn mehr geschadet, der Roger Schmidt oder der Schiedsrichter? Nicht, wenn das Mikro aus ist, sagen, du hast ja Recht."

Vorschläge an den Schiedsrichter

"Vielleicht hat er den Fehler gemacht, nicht hochzugehen. Aber das muss man jetzt doch nicht so aufpumpen, die Nummer. Man muss die Mannschaften doch nicht reinschicken. Geh doch hin und sag, Herr Schmidt, Sie müssen auf die Tribüne, weil Sie zu laut waren beim vierten Offiziellen. Warum hat er das nicht gemacht?"

Sarkasmus

„Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Felix Zwayer jetzt gesperrt wird. Ich kann es mir nicht vorstellen“, stellte Völler sarkastisch fest.

Revanche

In seiner ungebremsten Erregung warf Völler dem Schiedsrichter auch noch vor, er habe Bayer nach der Spielfortsetzung gezielt benachteiligt. "Er hat sich ja revanchiert. Deshalb hat er den Elfmeter nicht gepfiffen!", rief er in Anspielung auf ein Handspiel des Dortmunders Sokratis in der 71. Minute voller Sarkasmus ins Sky-Mikrofon von Sebastian Hellmann.

Aber hätten Sie nicht die 30 Meter Richtung Roger Schmidt laufen können, um ihm das Ganze zu erklären und die Sache damit zu beruhigen?
Ich wäre konditionell ganz sicher dazu in der Lage gewesen. Es war aber so, dass der Trainer Schmidt relativ aufgebracht war aufgrund des Gegentores. Und dass ich es auch für angebracht gehalten habe, die Distanz in dieser Situation zu wahren.

War Ihnen denn schon in dieser Situation bewusst, für welch große Aufregung das sorgen wird?
Was heißt bewusst? Das ist die Anweisung, da sind wir einfach gefordert. Letztendlich war das Bewusstsein darauf ausgerichtet, dass das Spiel danach fortgesetzt wird - aber mit der durchgesetzten Entscheidung.

Eklat um Bayer-Trainer Schmidt: BVB gewinnt nach Spielunterbrechung

Eklat um Bayer-Trainer Schmidt

BVB gewinnt nach Spielunterbrechung

Dieses Spiel geht in die Bundesliga-Geschichte ein. Nach Bayer-Protesten gegen den Dortmunder Führungstreffer unterbricht Schiedsrichter Zwayer die Partie. Am Ende gewinnt der BVB – die Folgen des Eklats sind offen.

Herr Schmidt hat sich darüber aufgeregt, dass der Freistoß, mit dem der entscheidende Treffer der Dortmunder eingeleitet wurde, fünf oder sechs Meter von der Stelle entfernt ausgeführt wurde, an der das Foul geschah ...
Das Foulspiel ist auch nach Ansicht der Fernsehbilder absolut unstrittig. Ein Dortmunder Spieler hat schnell reagiert. Damit hat er den Konter, der durch ein Foulspiel unterbunden wurde, schnell fortgesetzt. Ich finde, dass eine Ausführung mit einer Karenz von drei, vier, fünf Metern absolut in Ordnung ist. Das liegt im Ermessen des Schiedsrichters.

Bayer gegen BVB: Reaktionen zu Roger Schmidt

Stefan Kießling (Bayer Leverkusen)

"Es war eine scheiß Situation und unnötig. Auch vom Schiedsrichter. Er hätte ja auch hingehen und es ihm sagen können. Im Endeffekt war es einfach blöd. Wir hatten schwere Beine, aber wir haben nichts zugelassen. Dann kriegst du so ein scheiß Tor und verlierst deswegen. Dass man sich da aufregt, das ist doch normal."

Christoph Kramer (Bayer Leverkusen)

"Der Freistoß war ein paar Meter weiter hinten, daher kann ich den Ärger verstehen. Ich finde, dass der Schiedsrichter es dem Trainer hätte persönlich sagen können. Es war wohl ein Kräftemessen und damit auch unnötig brisant. Ich habe einen klaren Handelfmeter gesehen. In der Szene kann man von einer Benachteiligung reden."

Thomas Tuchel (Trainer Borussia Dortmund)

Zur strittigen Freistoßentscheidung: "Natürlich ist es ein Foul. Der Abstand liegt wahrscheinlich im Ermessensspielraum. Ich denke, dass es so okay ist. Es gab aber auch schon Entscheidungen, in denen es zurückgepfiffen wurde. Wenn der Schiedsrichter die Elfmeterszene so sieht, dann kann und dann wird er es wohl so pfeifen."

Mats Hummels (Borussia Dortmund)

Zum Handspiel im Dortmunder Strafraum: "Wenn die Hand so weggestreckt ist, dann können wir uns nicht beschweren, wenn er ihn gibt. Wenn ich das so sehe und der Schiedsrichter Elfmeter gepfiffen hätte, dann hätte ich auf keinen Fall gesagt, das ist eine Fehlentscheidung."

Schiedsrichter-Experte Peter Gagelmann (1)

"Grundsätzlich ist es so, dass der Spielführer immer der Ansprechpartner für den Schiedsrichter ist. Der Trainer wird dann genauso behandelt wie ein Spieler, d.h. wenn er das Spielfeld nicht verlassen will, dann droht man mit dem Spielabbruch. Das hat der Felix Zwayer gemacht und das ist der normale Weg."

Gagelmann (2)

"Es ist schade, dass der Fußball nicht mehr im Vordergrund steht, sondern man über solche Dinge diskutieren muss, wenn ein Trainer sich so verhält. Ich finde es respektlos dem gesamten Fußball gegenüber."

Gagelmann (3)

"Wir haben am Sonntag tausende von Fußballspielen in der Kreisklasse, wo es häufig Spielabbrüche gibt. Wenn Trainer in der Bundesliga schon den Anweisungen der Schiedsrichter nicht folgen, dann finde ich das sehr traurig und schade. Das ist nicht gut für den gesamten Fußball. Felix Zwayer wird jetzt eine Meldung im Spielbericht machen und alles Weitere geht dann über den Kontrollausschuss."

Gagelmann ist Schiedsrichter und Experte beim TV-Sender Sky

Schiedsrichter Felix Zwayer

"Ich habe versucht, mehrmals Einfluss zu nehmen, dass der Leverkusener Trainer Roger Schmidt den Innenraum verlässt. Da dem nicht Folge geleistet wurde, blieb mir keine andere Wahl, als das Spiel zu unterbrechen", sagte der Unparteiische aus Berlin.

Zwayer zur Konterchance

Schmidt hatte sich darüber echauffiert, dass der BVB Sekunden vor dem Dortmunder Siegtor einen Freistoß zu weit vorne ausgeführt habe. "Es liegt im Ermessen des Schiedsrichters, drei, vier, fünf Meter weiter entfernt ausführen zu lassen, weil eine Konterchance unterbunden wurde", sagte Zwayer dazu.

SID-Kommentar

"Was der 48-Jährige nach dem Abpfiff als Sturheit seinerseits bezeichnete, war in Wahrheit eine Mischung aus Arroganz und Dummheit. Die Ignoranz gegenüber dem Spielleiter, der den Bayer-Coach durch den vierten Offiziellen zuvor schon eindringlich ermahnt hatte, ist kaum noch zu überbieten."

Schiedsrichtermanager Krug

DFL-Schiedsrichtermanager Hellmut Krug hält nach dem Eklat beim Bundesliga-Spiel in Leverkusen eine Verbannung von Bayer-Trainer Roger Schmidt für mehrere Spiele für möglich. „Das wird ein Fall für den Kontrollausschuss. Eine längere Sperre für Roger Schmidt ist durchaus denkbar“, sagte der Spitzenfunktionär der Deutschen Fußball Liga der „Bild“-Zeitung (Montag).

Es gab noch einen Vorwurf der Leverkusener. Und zwar, dass sie ein vermeintliches Handspiel des Dortmunders Sokratis im Strafraum nicht geahndet haben. Wie haben Sie diese Szene gesehen?
Im Spiel leider gar nicht. Wir haben es inzwischen natürlich analysiert und die Fernsehbilder gesehen. Dazu muss ich sagen, dass wir bedauerlicherweise falsch entschieden haben. Wenn wir die Perspektive der Fernsehbilder gehabt hätten, hätten wir auf Elfmeter entschieden.

Es gibt auch den Vorwurf der Leverkusener, dass es zwischen den beiden Szenen einen Zusammenhang gibt. Dass absichtlich nicht gepfiffen wurde, wegen der Geschichte vorher.
Kein Kommentar.

Interview von Völler mit Sky

Von

dpa

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