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24.11.2016

15:06 Uhr

Fernsehgeldverteilung in der Bundesliga

Vier Säulen für ein Halleluja

Monatelang stritten die Vereine der 1. und 2. Bundesliga über die künftige Verteilung der Fernsehgelder. Am Donnerstag gab die DFL endlich bekannt, wer wie viel von den neuen Rekordeinnahmen erhält.

Die DFL verteilt das Geld zukünftig nache inem Vier-Säulen-Prinzip an die Klubs. dpa

Fernsehgelder für die Bundesliga

Die DFL verteilt das Geld zukünftig nache inem Vier-Säulen-Prinzip an die Klubs.

FrankfurtDie Deutsche Fußball Liga schüttet die Rekord-Medienerlöse in den Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 auf Grundlage eines Vier-Säulen-Modells an die 36 Profivereine aus. Dies hat das DFL-Präsidium einstimmig beschlossen. „Trotz teilweise höchst unterschiedlicher Interessen konnte ein Weg gefunden werden, der Leistungsprinzip und Solidarität weiter miteinander verbindet“, sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball am Donnerstag bei der Vorstellung des neuen Verteilerschlüssels in Frankfurt. „Der Solidaritätsgedanke stand keine Sekunde zur Debatte. Er wird weiterhin ein Markenzeichen der Bundesliga sein.“

Keine Berücksichtigung fanden die Vorschläge des „Teams Marktwert“, das eine Berücksichtigung von Kriterien wie Anzahl der Fans und Einschaltquoten gefordert hatte. „Wir haben uns intensiv mit diesem Modell beschäftigt. Das waren wir den Clubs gegenüber schuldig, die sich so intensiv damit beschäftigt haben“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Man wolle aber nicht den Begriff Tradition strapazieren, „sondern belohnen, wer tatsächlich in den vergangenen 20 Jahren mitgeholfen hat, die Bundesliga großzumachen.“

Die TV-Einnahmen der Bundesliga
Die Verteilung der Gelder in der 1. Bundesliga
Die Verteilung der Gelder in der 2. Bundesliga
Die Quoten der Vereine bei Sky

Die Verteilung der TV-Milliarden erfolgt künftig auf der Basis von vier Säulen, die in die Kategorien „Bestand“ (70 Prozent), „Sportliche Nachhaltigkeit“ (5 Prozent), „Nachwuchs“ (2 Prozent) und „Wettbewerb“ (23 Prozent) unterteilt sind. „Es gab in den vergangenen Monaten viele verschiedene Positionen, aber diese Positionen waren nicht miteinander vereinbar. Unsere Arbeitsgruppe hat sich von diesen Diskussionen gelöst und bei Null begonnen“, berichtete Seifert.

Von den internationalen Erlösen werden 25 Prozent gleichmäßig auf alle 18 Bundesligisten verteilt und weitere 50 Prozent anhand einer Fünf-Jahres-Wertung mit Blick auf das Abschneiden der Vereine in Europa ausgeschüttet. Die Verteilung der restlichen 25 Prozent basiert auf den Starts in der Champions League und Europa League in den vergangenen zehn Jahren. Jede Teilnahme bringt einen Punkt.

Damit die 2. Bundesliga nicht leer ausgeht, fließen in der kommenden Saison fünf Millionen Euro aus diesem Topf ins Unterhaus. Dieser Betrag erhöht sich in den folgenden Spielzeiten um jeweils eine Million Euro. „Dank Rekorderträgen aus der im Sommer erfolgten Ausschreibung der nationalen Medienrechte können alle Clubs mit erheblichen zusätzlichen Einnahmen kalkulieren“, sagte Rauball.

Der Streit um die Verteilung der TV-Gelder

Das Geld

4,64 Milliarden Euro! So viel erhalten die Vereine der 1. und 2. Fußball-Bundesliga in den kommenden vier Jahren durch den Verkauf ihrer nationalen Medienrechte. In der laufenden Saison werden noch rund 850 Millionen Euro an die 36 Klubs verteilt. Ab der Spielzeit 2017/18 wird es dann zum ersten Mal mehr als eine Milliarde Euro im Schnitt pro Saison sein (1,16). Über die Verteilung ist monatelang gestritten worden.

Das bisherige Modell

80 Prozent der TV-Gelder fließen an die 18 Bundesliga-Vereine, 20 Prozent an die 18 Zweitliga-Klubs. Innerhalb beider Ligen erhält dann jeder Verein einen festen und für alle gleichen Sockelbetrag. Der Rest wird nach rein sportlichen Kriterien ausgezahlt.

Wertung

Es gibt eine Fünfjahreswertung, in die die Abschlussplatzierungen aller Erst- und Zweitliga-Klubs in den vorangegangenen fünf Saisons einfließt. Die aktuellste Platzierung wird mit dem Faktor fünf gewichtet, die Spielzeiten davor mit den Faktoren vier, drei, zwei und eins.

Das fordern die Topklubs

Vor allem Branchenriese Bayern München fordert eine deutlich erfolgsabhängigere Verteilung der TV-Einnahmen und damit noch mehr Geld für sich. Die Bayern haben dabei mehr den internationalen als den nationalen Wettbewerb im Blick. Sie befürchten, in der Champions League auf Dauer den Anschluss an Real Madrid, den FC Barcelona oder die englischen Klubs zu verlieren.

Vorbild England

In der Premier League erlösen die Vereine seit dieser Saison rund sieben Milliarden Euro durch den Verkauf ihrer TV-Rechte. „Wir führen jede Diskussion über Solidarität mit, solange sie nicht unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet“, sagt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Das fordern die Traditionsklubs

Bislang werden die TV-Gelder nach sportlichen Kriterien verteilt. Die sogenannten Traditionsklubs fordern, dass bei der Ausschüttung auch Faktoren wie die Anzahl der Fans oder die Einschaltquoten im Fernsehen berücksichtigt werden.

Marktwert berücksichtigen

Eintracht Frankfurt, der 1. FC Köln, Werder Bremen, der Hamburger SV, Hertha BSC und der mittlerweile abgestiegene VfB Stuttgart haben sich deshalb im März zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. „Wir halten es für zwingend nötig, dass neben den bestehenden Säulen auch der aktuelle Marktwert des jeweiligen Vereins bei der Verteilung berücksichtigt wird“, sagt Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann.

Das befürchten die Zweitliga-Klubs

Die Vereine der 2. Bundesliga werden in Zukunft keine 20 Prozent der Fernsehgelder mehr erhalten, sondern anteilig weniger daran beteiligt. Das meldete das Fachblatt „Kicker“ in der vergangenen Woche.

Dementi

Die DFL dementierte den Bericht zwar umgehend, doch genau davor fürchten sich die Klubs des Unterhauses: Dass die Diskrepanz zwischen 1. und 2. Liga künftig noch größer wird. Er warne davor, „dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit durch Einsparungen bei der Zweiten Liga gefördert werden kann“, sagt ihr Wortführer Andreas Rettig, Geschäftsführer des FC St. Pauli.

Die DFL hatte im Juni den bislang werthaltigsten Fernsehvertrag der Bundesliga-Geschichte abgeschlossen. Danach erhalten die deutschen Proficlubs ab der Saison 2017/18 für die Laufzeit von vier Jahren insgesamt 4,64 Milliarden Euro für den Verkauf ihrer nationalen Medienrechte. Pro Saison kann dadurch erstmals mehr als eine Milliarde Euro (1,16) an TV-Geldern an die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga verteilt werden.

Bislang flossen diese Erlöse zu 80 Prozent an die Erstliga- und zu 20 Prozent an die Zweitliga-Clubs. Jeder Verein erhielt einen festen Sockelbetrag sowie einen streng erfolgsabhängigen Anteil. Dieses System wurde nun modifiziert. „Die Tabelle soll nicht zementiert, sondern der Wettbewerb intensiviert werden“, sagte Seifert. Wie die Reaktion der Vereine ausfallen wird, bleibt abzuwarten.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

24.11.2016, 16:44 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
Danke

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