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01.06.2011

11:37 Uhr

Fifa-Chef

Blatter klammert sich ans Amt

Unter dem Druck zahlreicher Korruptionsskandale macht der Fifa-Chef einen Vorschlag zur Güte. Damit will Blatter seine Kritiker besänftigen.

Will den ramponierten Ruf der Fifa und seinen eigenen reparieren: Fifa-Alleinherrscher Sepp Blatter. Quelle: dpa

Will den ramponierten Ruf der Fifa und seinen eigenen reparieren: Fifa-Alleinherrscher Sepp Blatter.

Zürich/ BerlinSo laut und forsch wie die kleine Gruppe, die am Mittwoch vor der dem Hallenstadion in Zürich im strömenden Regen demonstrierte, waren die prominenten Stimmen nicht. "Play fair Fifa" oder "Rote Karte für die Fifa", sogar "Sepp verpiss dich, keiner vermisst dich" war auf den Plakaten zu lesen, die sich gegen den skandalumwitterten mächtigen Weltfußballverband richteten. Der Verband steckt wegen Korruptionsvorwürfen gegen Spitzenfunktionäre in der schwersten Krise seiner 107-jährigen Geschichte. Joseph Blatter will sich von den 208 Mitgliedsverbänden für eine vierte Amtszeit wählen lassen.

Doch ganz kommt er an dem Protest nicht vorbei und macht einen eigenen Vorschlag: „Ich möchte, dass in Zukunft die Organisation der WM vom Kongress der Fifa beschlossen wird“, sagte der 75 Jahre alte Schweizer. Bislang wurden die Weltmeisterschaften vom 24-köpfigen Exekutivkomitee vergeben, was immer wieder zu Korruptionsvorwürfen geführt hat. Künftig wäre nach Blatters Vorschlag das Entscheidungsgremium deutlich breiter - und damit schwerer zu manipulieren. „Es geht jetzt darum, radikale Schritte zu unternehmen und nicht nur kleine kosmetische Verbesserungen“, sagte Blatter.

Die Wahl Blatters kann nun auch voraussichtlich wie geplant stattfinden. Der Antrag des Englischen Verbandes (FA), die Abstimmung wegen der Korruptionsvorwürfe gegen hochrangige Fifa-Funktionäre zu verschieben, wurde von den Delegierten auf dem Kongress in Zürich abgelehnt. Der FA-Antrag erhielt 17 Ja-Stimmen, 172 Delegierte votierten dagegen. Damit steht Amtsinhaber Joseph Blatter vor der Wiederwahl.

Für sie legt DFB-Präsident Theo Zwanziger dem umstrittenen Amtsinhaber und einzigen Kandidaten vorsichtshalber eine geheimen Abstimmung nahe. Blatter wäre angesichts der Korruptionsvorwürfe klug beraten, "wenn das Ganze in einer geheimen Abstimmung geschieht", sagte Zwanziger am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. "Was in den letzten Wochen passiert ist, ist ein Skandal, den wir uns so nicht vorstellen konnten", meinte der DFB-Chef.

"Wir brauchen andere Strukturen, bessere Strukturen", forderte Zwanziger. "Was jetzt zu tun ist, ist eine Auflösung des Skandals." Man müsse "klar gegen ein solches Krebsgeschwür der Korruption angehen". Die Sünder und Täter müsse man bestrafen, forderte Zwanziger.

Chronologie Bestechungsaffäre Fifa Stand 30.5.2011

18. November 2010

Sechs Funktionäre werden von der FIFA mit Strafen belangt. Die Ethikkommission schließt Adamu für drei Jahre von allen Aktivitäten im Fußball aus, Temarii für ein Jahr. Beide dürfen bei den WM-Vergaben nicht abstimmen. Vier ebenfalls ins Visier geratene ehemalige Offizielle werden ebenfalls gesperrt. „Alle Zweifel sind ausgeräumt“, sagt FIFA-Chef Joseph Blatter.

20. Oktober 2010

Die Exekutivmitglieder Reynald Temarii (Tahiti) und Amos Adamu (Nigeria) werden von der FIFA wegen Korruptionsverdachts vorläufig suspendiert. Sie sollen bereit gewesen sein, ihre Stimmen bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 zu verkaufen.

29. November 2010

Neue Bestechungsvorwürfe gegen drei weitere Exekutivmitglieder: Ricardo Texeira (Brasilien), Nicolás Leoz (Paraguay) und Issa Hayatou (Kamerun). Die Verfehlungen des Trios sollen schon einige Jahre zurückliegen. „Der Schaden für den Ruf der FIFA ist sehr groß“, sagte Claudio Sulser, Chef der Ethikkommission.

2. Dezember 2010

Die FIFA vergibt die nächsten Weltmeisterschaften nach Russland (2018) und Katar (2022). Beide Länder sind erstmals Veranstalter einer Endrunde.

6. Dezember 2010

Die Wahl Katars gerät immer mehr ins Zwielicht, wiederum tauchen Bestechungsvorwürfe auf. FIFA-Vizepräsident Julio Grondona soll laut einem Bericht als Chef des argentinischen Fußball-Verbandes AFA etwa 59 Millionen Euro aus Katar erhalten haben. Vizepräsidenten-Kollege Julio Grondona verweigert einen Kommentar dazu: „Ich sage nichts dazu. Ich bin fast 80 Jahre alt. Ich will mich deshalb nicht mehr mit so etwas befassen.“

8. Dezember 2010

Blatter meint: „Wir müssen unser Image verbessern.“

4. Februar 2011

Der Einspruch von Adamu und Temarii gegen die Sperren wird von der FIFA-Berufungskommission abgelehnt.

10. Mai 2011

Der frühere englische Verbandschef David Triesman beschuldigt das FIFA-Quartett Teixeira, Leoz, Vize Jack Warner (Trinidad und Tobago) und Worawi Mukudi (Thailand) unlautere Forderungen vor den WM-Vergaben gestellt zu haben. Der Weltverband will den Vorwürfen nachgehen.

25. Mai 2011

Nun muss sich auch Präsidentschaftskandidat Mohamed bin Hammam vor der einberufenen Ethikkommission verantworten. Es soll um Bestechungsvereinbarungen bei einem Treffen der Karibischen Fußball-Union vom 10. und 11. Mai gehen. Ins Visier gerät auch FIFA-Vizepräsident Jack Warner (Trinidad & Tobago). Belastungszeuge ist Exekutivkomitee-Mitglied Chuck Blazer (USA).

27. Mai 2011

Die Ethikkommission nimmt Ermittlungen gegen FIFA-Präsident Blatter auf. Bin Hammam wirft dem Schweizer Amtsinhaber vor, von angeblichen Zahlungen an FIFA-Mitglieder aus der Karibik gewusst, aber zunächst nichts dagegen unternommen zu haben.

28. Mai 2011

Bin Hammam zieht seine Kandidatur für das Präsidentenamt überraschend zurück.

29. Mai 2011

Bin Hammam und Warner werden wegen Korruptionsverdachts für zunächst 30 Tage suspendiert. Sie sollen beim Treffen der Karibischen Fußball-Union versucht haben, für die Wahl des Katarers bin Hammam Stimmen zu kaufen.

30. Mai 2011

Warner erhebt neue Anschuldigungen gegen Blatter. Der habe dem Kontinentalverband Nord- und Mittelamerika/Karibik (CONCACAF) ein „Geschenk“ von einer Million Dollar zukommen lassen, um das Geld „nach eigenem Ermessen“ zu verwenden.

Zwanziger fordert zudem eine Überprüfung der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar. "Ich muss nach dem, was ich höre und lese, davon ausgehen, dass es einen beachtlichen Grad an Verdächtigungen gibt, den man nicht einfach wegschieben kann", sagte Zwanziger: "Ich muss davon ausgehen, dass man unter diesem Gesichtspunkt die Vergabe der WM noch einmal überprüfen muss. Wie das zu geschehen hat, dazu will ich mich erst äußern, wenn ich mehr über den Sachverhalt weiß. Ich komme von außerhalb und war nicht Mitglied der Exekutive." Dennoch wolle er als Kopf des DFB für Blatter stimmen. Bloß aufgrund von Verdachtsmomenten könne er nicht sagen, Blatter sei nicht mehr wählbar.

Vor der Präsidentenwahl hat Amtsinhaber Joseph Blatter die Delegierten der 208 Mitgliedsverbände um Unterstützung bei der Reform des krisengeschüttelten Fußball-Weltverbandes gebeten. "Wir alle fahren auf diesem Schiff namens Fifa in bewegten Wassern, um nicht zu sagen turbulenten Gewässern, aber wir sind auf gutem Kurs. Und ich als Kapitän dieses Schiffs trage die Verantwortung. Das kann ich aber nur tun, wenn Sie mir dabei helfen", sagte der 75-Jährige in seiner Begrüßungsrede im Hallenstadion zu den Delegierten der 208 Mitgliedsverbände, die allesamt anwesend waren.

Mit Blick auf die Korruptionsvorwürfe und die schwerste Krise in der 107-jährigen Fifa-Geschichte sagte Blatter: "Wir werden unsere Kontroll- und Managementinstrumente verbessern. Entweder neue schaffen oder solche, die es bereits gibt, stärken." Mit Spannung erwartet wurde Blatters Grundsatzrede am späten Vormittag.

Kommentare (4)

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MikeM

01.06.2011, 14:08 Uhr

Erst die Vergabe für 2022 vorziehen, um nochmal so richtig Bestechungsgelder abzusahnen und nun die Vergabemodalitäten ändern wollen. Klar, trifft ihn dann ja nicht mehr ...

luigi

01.06.2011, 14:24 Uhr

Herr Blatter ist ein Ehrenmann, der mit seiner Art und Weise die familiären Geschäfte zu führen, der Familie zu großen Wohlstand verholfen hat.
Selbst seinen größten Kritikern und Gegnern hat er in der Vergangenheit durch seine Unterstützung hohe Ämter in der UEFA und anderswo verschafft. Ferner wurde durch die vorausschauende Vergabe von Fernsehrechten z.B. in Ozeanien für sichere Einnahmen der Region gesorgt.

Heiner

01.06.2011, 16:13 Uhr


Diese korrupte "Mafifa" gehört abgeschafft.

Und Blatters Agitationen sollten dringend einer rechtlichen Prüfung unterzogen werden.

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