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01.06.2015

13:22 Uhr

Fifa-Ermittlungen

Englands Verbandschef fordert WM-Boykott Deutschlands

FA-Verbandschef Dyke fordert Deutschland zu WM-Boykott auf: Aus Protest gegen Blatter müssten die zehn größten Fußballverbände von einer WM zurücktreten. Indes weist Südafrika alle Vorwürfe wegen der WM 2010 zurück.

Englands Verbandschef fordert einen WM-Boykott Deutschlands. Reuters

Greg Dyke

Englands Verbandschef fordert einen WM-Boykott Deutschlands.

LondonEnglands Fußball-Verbandspräsident Greg Dyke hat Deutschland und andere wichtige Fußball-Nationen aus Protest gegen den wiedergewählten Fifa-Präsident Joseph Blatter zu einem WM-Boykott aufgerufen. Dieser müsse von mindestens „zehn großen Ländern“ unterstützt werden, um Auswirkungen zu haben, sagte Dyke dem BBC Radio.

„Ansonsten ist es zwecklos.“ Die Fifa würde „nur ernsthafte Maßnahmen unternehmen, wenn es genug Opposition gibt. Das wären sicherlich wir, das wären sicherlich die Niederländer, das wären sicherlich die Deutschen, die einen Wechsel forderten und weiter einen Wechsel fordern.“

Diese Woche wollen die Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union Uefa vor dem Champions-League-Finale in Berlin über eine gemeinsame Strategie beraten. Uefa-Präsident Michel Platini hatte schon vor dem Fifa-Kongress in Zürich am vergangenen Wochenende für den Fall einer fünften Amtszeit Blatters den Rückzug europäischer Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht ausgeschlossen.

Fifa: Skandale unter Blatter

Präsidentschaftswahl 1998

Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

ISL-Skandal (1)

Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

ISL-Skandal (2)

Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

WM-Vergabe (2)

Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

Präsidentschaftswahl 2011 (1)

Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

Präsidentschaftswahl 2011 (2)

Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

WM-Tickets (1)

Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

WM-Tickets (2)

Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

WM-Tickets (3)

2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

Sperre

2015: Am 21. Dezember spricht die rechtsprechende Kammer ihr finales Urteil: Blatter und Platini werden für jeweils acht Jahre gesperrt. Zum Verhängnis wurden ihnen die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter (79) angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten (von 1998 bis 2002) erhalten hatte.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hatte sich allerdings danach klar gegen ein deutsches Fernbleiben bei der Weltmeisterschaft ausgesprochen. „Boykott ist eine schlechte Waffe. Wir haben uns so oft gegen Boykott ausgesprochen und das sollte auch die Grundhaltung sein“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

Indes wies der südafrikanische Sportminister Fikile Mbalula Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der Fußball-WM 2010 erneut vehement zurück. Bei den Anschuldigungen handele es sich um „Lügen“ und „Propaganda“, die darauf abzielten, den guten Ruf Südafrikas zu zerstören, hieß es in einer Mitteilung Mbalulas. Es seien keine Steuergelder verwendet worden, um von der FIFA den Zuschlag für die WM zu erhalten. Südafrika sei wütend über die Anklage der amerikanischen Justizbehörden, die versuchten, die Regierung in Pretoria als korrupt darzustellen, zitierte die Online-Nachrichtenseite „Eyewitness News“ den Minister am Montag.

Nach Wiederwahl Blatters

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Der frühere Chef des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft, Danny Jordaan, hatte zuvor eine Sonderzahlung von zehn Millionen Dollar eingeräumt. Das Geld sei jedoch entgegen einer Anklageschrift der US-Justizbehörden keine Bestechung der FIFA gewesen.

Jordaan zufolge wurde das Geld 2008 an die Konföderation von Nord- und Mittelamerika CONCACAF bezahlt, um den Sport dort zu fördern. CONCACAF-Präsident war damals FIFA-Vizepräsident Jack Warner, der zuletzt aufgrund der Bestechungsvorwürfe zeitweise festgenommen worden war. Jordaan argumentierte weiter, dass Südafrika bereits 2004 den Zuschlag für die WM bekommen habe, weshalb eine Bestechung vier Jahre später überhaupt keinen Sinn gemacht hätte. 

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Fred Meisenkaiser

01.06.2015, 15:09 Uhr

Korruption ist in Form von Lobbyismus Gang und Gebe. In Brüssel läuft nichts ohne Lobbyuismus, in Deutschland machte die Partei der Besserverdienenden Gesetze (Mövenpickgesetz) gegen Parteispenden. Wer Geld hat, kann sich alles kaufen. Mit TTIP werden alle Gesetze durch die Konzerne käuflich sein.
Warum stört das nun ausgerechnet beim Fußball? Der Sachverhalt ist seit Jahren bekannt? Und an den Toten in Katar wird sich wohl keiner ernsthaft stören - die USA schon gar nicht.

Also kommt man zu dem Schluß, dass es nur darum geht, Rußland die WM wegzunehmen: Lächerlich!!!

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