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04.06.2015

18:52 Uhr

Fifa im Chaos

Geschacher nach dem Blatter-Beben

Mit seinem Rücktritt hat Fifa-Chef Blatter ein Machtvakuum hinterlassen. Längst tobt die Debatte über mögliche Nachfolger. Und ein Land bietet an, die WM auszurichten, falls Katar das Turnier genommen werden sollte.

Nach dem Rücktritt von Joseph Blatter ist in der Fifa ein Machtkampf um seine Nachfolge ausgebrochen. ap

Blatter und die Folgen

Nach dem Rücktritt von Joseph Blatter ist in der Fifa ein Machtkampf um seine Nachfolge ausgebrochen.

Rio/Zürich/LondonManchmal muss man sich selbst ins Gespräch bringen, wenn es andere nicht tun. Nachdem Fifa-Präsident Joseph Blatter am Dienstag seinen Rücktritt verkündetet hatte, formulierte der ehemalige brasilianische Fußball-Star Zico auf seiner Facebook-Seite seine Bewerbung um dessen Nachfolge mit einfachen Worten: „Warum nicht? In meinem Leben ist es immer um Fußball gegangen.“ 

Noch habe er zwar keine Unterstützung, aber wenn es für jeden offen sei, „kann ich ein Kandidat werden. Es ist noch eine Idee. Wer weiß?“, schrieb Zico. Anfang der 1990er Jahre hatte Zico in Brasilien als Sportminister auch in der Politik Karriere gemacht. Trotzdem dürften seine Chance auf die Spitzenposition nur begrenzt sein.

Der Verband kämpft mit sich selbst – und mit immer neuen Enthüllungen um ehemalige und amtierende Spitzenvertreter. So behauptet der ehemalige Fifa-Funktionär Jack Warner, dass der Fußball-Weltverband seine Independent Liberal Party in Trinidad und Tobago im Wahlkampf 2010 finanziell unterstützt hat. Er habe entsprechende Schecks und anderes Beweismaterial an seine Anwälte übergeben, sagte der 72 Jahre alte frühere Fifa-Vizepräsident am Mittwochabend in einer Fernsehansprache, wie die Zeitung „Trinidad and Tobago Guardian“ am Donnerstag berichtete. Fifa-Chef Joseph Blatter und andere Funktionäre hätten davon Kenntnis gehabt.

Blatter hat am Donnerstag nach eigenen Angaben den ersten Schritt auf dem Weg zu einem umfassenden Reformpaket gemacht. Blatter traf seine rechte Hand Domenico Scala. Dieser soll die Neuwahlen an der Fifa-Spitze organisieren und – wie eine Art Treuhänder – den Reformprozess voranbringen. Er ist derzeit Chef der Compliance-Kommission, also der Abteilung, die auf sauberes Geschäftsgebaren der Fifa achten soll.

Blatter sagte nach dem Treffen, er habe mit Scala den Zeitrahmen und die Arbeitsschwerpunkte abgesteckt. „Ich will ein umfassendes Reformprogramm“, sagte Blatter laut einer Pressemitteilung. „Ich bin mir sehr bewusst, dass nur der Fifa-Kongress diese Reformen verabschieden kann.“

Über allem Schweben aber immer noch die Untersuchungen des US-Justizministerium, das gegen 14 ranghohe Fifa-Funktionäre wegen Korruption ermittelt. Einer der Verdächtigen, der US-Amerikaner Chuck Blazer, sagte bereits 2013 vor der US-Justiz aus. Er und andere Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees hätten vor der Vergabe der WM nach Südafrika 2010 und Frankreich 1998 Bestechungsgelder für ihre Stimmen angenommen. Entsprechende Gerichtsunterlagen waren am Mittwoch bekannt geworden.

Selbst die südafrikanische Polizei hat sich in die Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der Fußball-WM 2010 eingeschaltet und will die Anschuldigungen der amerikanischen Justizbehörden näher untersuchen. Es müsse noch geprüft werden, ob von der Spezialeinheit Hawks offizielle Ermittlungen eingeleitet werden, berichtete der Nachrichtensender eNCA am Donnerstag. Erst nachdem die Ergebnisse der vorläufigen Untersuchungen vorlägen, könne entschieden werden, „ob es komplette formale Ermittlungen“ geben werde, sagte Hawks-Sprecher Hangwani Mulaudzi.

Die Regierung in Pretoria hatte nach Bekanntwerden des Fifa-Skandals in den vergangenen Tagen immer wieder dementiert, dass Bestechungsgelder geflossen seien. Sportminister Fikile Mbalula hatte erst am Mittwoch eingeräumt, dass zwar 2008 die Summe von zehn Millionen Dollar an die Konföderation von Nord- und Mittelamerika CONCACAF bezahlt worden sei. Jedoch sei das Geld für ein genehmigtes Projekt verwendet worden und keine Bestechung der Fifa gewesen, sagte er.

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