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26.05.2015

09:57 Uhr

FIFA-Kongress

Blatter, WM-Plätze, Palästina und Zwanziger

Quelle:dpa

Kurz nach ihrem 111. Geburtstag veranstaltet die FIFA den 65. Kongress. Das wichtigste Thema ist die Neuwahl des Präsidenten. Der Deutsche Theo Zwanziger geht. Was sonst noch ansteht beim wichtigsten Fußballverband.

Joseph Blatter steht vor seiner Wiederwahl. Foto: Abir Sultan dpa

FIFA-Boss

Joseph Blatter steht vor seiner Wiederwahl. Foto: Abir Sultan

ZürichIm Zürcher Hallenstadion steht bei der Versammlung der 209 Mitglieder des Fußball-Weltverbandes am Freitag die Präsidentenwahl mit Joseph Blatter als großem Favoriten auf eine fünfte Amtszeit im Mittelpunkt. Schon in den Tagen zuvor werden bei diversen Sitzungen wichtige Entscheidungen getroffen.

Der Fahrplan der FIFA-Kongresswoche

CHEFSACHE: Prinz Ali bin al-Hussein hat als Herausforderer von Joseph Blatter praktisch keine Chance. Fraglich scheint derzeit nur, ob Blatter schon im ersten Wahlgang mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit in seine fünfte Amtszeit geschickt wird. Die aus Europa angeführte Anti-Blatter-Koalition wird am Thron des Schweizers kaum wackeln können.

ANFANG: Wolfgang Niersbach übernimmt den Posten von Theo Zwanziger in der FIFA-Exekutive. Der DFB-Chef ist damit der mächtigste Fußball-Funktionär Deutschlands und als Freund von UEFA-Boss Michel Platini Teil der erwarteten Anti-Blatter-Fraktion in dem Gremium. Erste Bewährungsprobe wird der Kampf um die WM-Startplätze 2018.

Fifa: Die Organisation des Fußballweltverbandes

Fifa-Kongress

Er ist die Vollversammlung des Fußball-Weltverbandes. Der Kongress wird von den 209 nationalen Mitgliedsverbänden gebildet und ist das höchste legislative Gremium der Fifa. Jeder Verband hat dabei eine Stimme. Der Kongress tritt mindestens einmal im Jahr zusammen. Er trifft Entscheidungen über die Fifa-Statuten und über die Aufnahme oder den Ausschluss von Mitgliedern.

Aufgaben des Kongresses

Zu den wichtigen Aufgaben des Kongresses gehört auch die Wahl des Fifa-Präsidenten. Künftig soll die Vollversammlung darüber entscheiden, wer die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet - wie, ist aber noch offen. Mit dieser Reform aus dem Jahr 2011 reagierte der Verband auf die schweren Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe der Titelkämpfe 2018 nach Russland und 2022 nach Katar.

Exekutivkomitee

Das Exekutivkomitee ist das ausführende Organ der Fifa, vereinigt aber sehr viel Macht auf sich. Kopf ist der auf vier Jahre gewählte Präsident, seit 1998 Joseph Blatter. Darüber hinaus gehören dem Komitee 24 Mitglieder an, darunter acht Vizepräsidenten. Sie werden nicht vom Kongress gewählt, sondern durch die Fußball-Konföderationen (Kontinentalzusammenschlüsse) und Verbände ernannt.

Aufgaben

Das Exekutivkomitee ernennt die Vorsitzenden und die Mitglieder der Ständigen Kommissionen, zum Beispiel für Finanzen und für Medizin. Es besetzt aber auch Rechtsorgane wie zum Beispiel die Ethikkommission, die sich um Betrugsvorwürfe kümmert. Bis 2011 bestimmte das Exekutivkomitee den Ort und die Daten der Fußball-Weltmeisterschaften.

Verdacht

Am Prinzip wurde erst gerüttelt, als zehn Mitglieder des Exekutivkomitees unter Korruptionsverdacht standen. Einige wurden suspendiert, andere lebenslang gesperrt - wie im Juli 2011 Fifa-Präsidentschaftskandidat Mohamed bin Hammam aus Katar. Die Ethikkommission sah es als erwiesen an, dass er Stimmen für seine Wahl zum Fifa-Chef kaufen wollte - bin Hammam bestritt das. Fifa-Vize Jack Warner trat bereits im Juni 2011 von allen Ämtern zurück, die eingeleiteten Verfahren wurden damit einfach beendet.

Präsident

Seit 1998 steht der Schweizer Joseph Blatter an der Spitze der Fifa. Bei den beiden letzten Wahlen hatte er keinen Gegenkandidaten. Trotz der Korruptionskrise wurde Blatter Anfang Juni 2011 mit großer Mehrheit wiedergewählt - 186 der 203 abstimmenden Delegierten votierten für ihn. Allein schon eine Verschiebung dieser Wahl zur Klärung aller Vorwürfe wäre schwierig geworden. Denn dafür ist eine Dreiviertel-Mehrheit der 209 Mitgliedsverbände nötig.

Aufgaben

Der Präsident führt nicht nur die Kongressverhandlungen. Über das Exekutivkomitee, das er einberuft und leitet, hat er ebenfalls große Machtfülle. Bei Patt-Situationen in Abstimmungen gibt seine Stimme den Ausschlag. Auf Vorschlag des Präsidenten ernennt und entlässt das Exekutivkomitee auch den Generalsekretär, der die Verwaltung der Fifa leitet. Um den Präsidenten zu zwingen, eine außerordentliche Sitzung einzuberufen, müssen sich mindestens 13 der 24 Mitglieder auf einen Antrag dafür einigen.

WM 2018: Joseph Blatter ist ein Fuchs. Da die Verteilung der WM-Startplätze auch ein von ihm beliebtes Wahlkampfmittel ist, verlegte er die Entscheidung über die Quoten 2018 auf eine Exko-Sondersitzung am Samstag - den Tag nach der Präsidentenwahl. Europa kämpft um seinen Status quo von 14 Plätzen für Russland.

WM 2022: Die Entscheidung für eine Winter-WM in Katar steht. Jetzt wird in den Gremien um die genaue Terminierung und die Konsequenzen für den internationalen Kalender gefeilscht. FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke gag dem Exekutivkomitee bereits ein Update über den Stand der Verhandlungen mit Clubs und Ligen.

WM 2026: Eine WM-Rotation zwischen den Konföderationen gibt es nicht mehr. Doch für 2026 sollen gewisse Ausschlusskriterien etabliert werden. Länder aus Europa und Asien dürfen sich wohl nicht bewerben, da die beiden Turniere zuvor in Russland und Katar stattfinden. Eine Verkündung der Entscheidung durch das Exko steht noch aus.

PALÄSTINA: Der Nahost-Konflikt hat die FIFA erreicht. Weil Spieler in ihrer Bewegungsfreiheit behindert würden, verlangt der Verband Palästina einen Ausschluss Israels aus dem Weltverband. Aussicht auf Erfolg bei der Kongressabstimmung hat der Antrag nicht. Aber für Joseph Blatter ist er ein Ärgernis kurz vor der erhofften Wiederwahl.

ABSCHIED: Die Funktionärskarriere von Theo Zwanziger endet mit dem Kongress. Nach vier Jahren in der Fußball-Weltregierung scheidet der frühere DFB-Präsident auch aus diesem Amt. Mit seinen Projekten, der FIFA-Demokratiereform und der Beobachtung der Lage von Menschen- und Arbeitsrechten im WM-Land Katar hatte er nur mäßigen Erfolg.

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