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25.02.2016

09:48 Uhr

Fifa-Museum Zürich

Blatters buntes Ball-Paradies

VonHolger Alich

Im neuen Fifa-Museum in Zürich zeigt sich der Fußball nur von seiner Schokoladenseite. Wer sich aber über die jüngsten Skandale des Weltfußballs informieren will, ist in Sepp Blatters Hochglanz-Tempel falsch.

140 Millionen Franken hat sich der Fußball-Weltverband den Umbau des Gebäudekomplexes kosten lassen. AP

Fifa Fußball-Museum in Zürich

140 Millionen Franken hat sich der Fußball-Weltverband den Umbau des Gebäudekomplexes kosten lassen.

ZürichDer Einlauf erfolgt standesgemäß: Die beiden Doppelweltmeister Cafu, Ex-Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft, und die deutsche Fußballerin Renate Lingor schreiten über den Kunstrasen im Eingangsbereich und tauchen dann unter Blitzlichtgewitter ins Treppenhaus ein. Aus den Boxen dudelt die Fifa-Hymne. In ihren Händen tragen die beiden Sportler die wichtigsten Exponate des neuen Fifa-Welt-Fußball-Museums: die Original-WM-Pokale der Männer und Frauen.

Die Trophäen finden Platz im Untergeschoss des neuen Museums, das auf 3000 Quadratmetern 1000 Exponate zeigt. „Das ist unsere Mona Lisa“, freut sich Stefan Jost; der schlanke Manager im blauen Anzug ist der Geschäftsführer des Museums, das pünktlich zum Krisenkongress der Fifa eröffnet.

Fifa: Skandale unter Blatter

Präsidentschaftswahl 1998

Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

ISL-Skandal (1)

Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

ISL-Skandal (2)

Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

WM-Vergabe (2)

Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

Präsidentschaftswahl 2011 (1)

Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

Präsidentschaftswahl 2011 (2)

Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

WM-Tickets (1)

Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

WM-Tickets (2)

Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

WM-Tickets (3)

2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

Sperre

2015: Am 21. Dezember spricht die rechtsprechende Kammer ihr finales Urteil: Blatter und Platini werden für jeweils acht Jahre gesperrt. Zum Verhängnis wurden ihnen die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter (79) angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten (von 1998 bis 2002) erhalten hatte.

Von Krise und Korruption ist in den drei Etagen aber nichts zu sehen. Stattdessen liegen in den Vitrinen Kleinode wie das Leibchen, das Franz Beckenbauer beim WM-Finale 1966 in Wembley trug. Oder der Originalball des Endspiels von 1990, das Deutschland gegen Argentinien gewann. In einer Kabine können sich die Besucher als Sportreporter versuchen und Fußballbilder vertonen. Und wer vor dem 360-Grad-Kino wartet, nimmt auf Originalsitzen aus den Stadien der Welt Platz, etwa dem gelben Klappsitz aus dem brasilianischen Maracanã.

Wer sich aber über die jüngsten Skandale des Weltfußballs informieren will, ist im Hochglanz-Museum falsch. „Wir werden das ganz gewiss aufnehmen, aber noch ist es zu früh, denn die Turbulenzen sind quasi Geschichte im Entstehen“, erklärt Museums-Chef Jost. 140 Millionen Franken hat sich die Fifa den Umbau des Gebäudekomplexes kosten lassen, das neben dem Museum Seminarräume, 140 Büros und 34 Luxuswohnungen umfasst. 30 Millionen Franken flossen allein in das Museum.

Die beiden Doppelweltmeister Cafu und Renate Lingor präsentierten ihre Trophäen. dpa

Feierliche Einweihung

Die beiden Doppelweltmeister Cafu und Renate Lingor präsentierten ihre Trophäen.

Den Anstoß für den Fußballtempel gab Sepp Blatter persönlich im Jahr 2012. „Blatter hat sich in die konkrete Gestaltung aber kaum eingemischt“, versichert Jost, „seine Vorgabe war lediglich, dass es eine emotionale und interaktive Begegnungsstätte für Fußballfans aus aller Welt werden soll.“ Der gesperrte Fifa-Präsident hat das fertige Museum noch gar nicht gesehen, das letzte Mal war er im vergangenen September auf der Baustelle.
Blatter mag sich mit dem Bau ein Denkmal gesetzt haben – der gesperrte Noch-Präsident selbst taucht aber nur freundlich lächelnd in der Zeitleiste im Erdgeschoss auf, in der alle Fifa-Bosse verewigt sind.

Seine Nachfolger werden dank des Museums dennoch stets an Blatter erinnert werden. Denn auch mit den angepeilten 250.000 Besuchern im Jahr wird der Fußballtempel nicht kostendeckend sein. Mit welchem Defizit Museums-Chef Jost kalkuliert, verrät er nicht.

Im Untergeschoss strahlt Doppelweltmeisterin Renate Lingor mit dem WM-Pokal um die Wette. Sie sei „sehr stolz“, den Pokal ins Museum tragen zu dürfen, sagt sie in die Kameras. Ein Journalist fragt, ob sie kein Problem damit habe, sich so für die Fifa einspannen zu lassen. „Ich repräsentiere hier meinen Sport, nicht die Fifa“, gibt sie zurück.

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