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10.06.2015

16:41 Uhr

Fifa ohne Blatter

Der Zehn-Punkte-Plan des Wolfgang Niersbach

VonStefan Kreitewolf

DFB-Chef Niersbach hat einen offenen Brief an die 26.000 deutschen Klubs geschickt. Als Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees fordert er umfassende Reformen – und stellt einen Zehn-Punkte-Plan auf. Die Fifa reagiert prompt.

„All das, was unser wunderbares Spiel ausmacht, steht auf dem Spiel.“ dpa

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach

„All das, was unser wunderbares Spiel ausmacht, steht auf dem Spiel.“

DüsseldorfDeutschland will die Reform: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will den Skandal beim Weltverband Fifa an vorderster Front bekämpfen und sich an die Spitze einer Reformbewegung setzen. DFB-Präsident Niersbach wendet sich in einem offenen Brief an die rund 26.000 im Deutschen Fußball-Bund organisierten Vereine und verurteilt darin die Arbeitsweise der Fifa scharf.

In dem Schreiben kritisiert Niersbach „Verhaftungen, Korruptionsvorwürfe, Ermittlungen“ im Fußballweltverband und malt ein düsteres Bild: „Der internationale Fußball steckt in seiner schwersten Krise“. Die Werte des Fußballes stünden auf dem Spiel.

Bei aller Betroffenheit müsse der Blick nun aber nach vorne gehen: „Wir wollen Reformen, wir wollen Veränderung. Und wir werden sie einfordern.“ Und zwar mir einem Zehn-Punkte-Plan: Damit will Niersbach während seiner Amtszeit im Exekutivkomitee der Fifa Reformen anstoßen.

Niersbachs Zehn-Punkte-Plan

1. Wechsel an der FIFA-Spitze

„Bei allem Respekt vor seiner Lebensleistung erweist Sepp Blatter sich und dem gesamten Fußball keinen Gefallen damit, seinen von ihm selbst angekündigten Rücktritt hinauszuzögern.“ Das stellt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach fest. Die weiteren Punkte

2. Aufklärung der Korruptionsvorwürfe

„Korruption darf im Fußball keinen Platz haben. Kriminelle Machenschaften müssen konsequent aufgedeckt und geahndet werden. Eine Aufarbeitung der Vergangenheit ist die Voraussetzung für neues Vertrauen in die Organisation.“

3. Etablierung eines Integritätschecks

„In den wichtigsten Gremien des Weltfußballs dürfen nur absolut verlässliche Persönlichkeiten sitzen. Ich plädiere für die Etablierung eines weiter reichenden Integritätschecks.“

4. Wahl der Exekutivmitglieder

„Jeder Entscheidungsträger in den Gremien der FIFA trägt eine Gesamtverantwortung für die Organisation. In diesem Kontext sollte das Entsendungsprozedere von Vertretern aus den Konföderationen hinterfragt werden.“

5. Begrenzung der Amtszeiten

„Ich spreche mich dafür aus, die IOC-Regel mit maximal zwölf Jahren für den Präsidenten der FIFA zu übernehmen. Dadurch wird eine personelle Erneuerung in den wichtigsten Positionen gewährleistet.“

6. Transparenz bei WM-Vergaben

„Für künftige Vergaben muss ein transparentes Verfahren entwickelt werden, dass sich eng an der technischen Bewertung orientiert und dadurch nachvollziehbar wird.“

7. Menschenrechte

„Freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit, der Schutz von Minderheiten, Toleranz, Respekt – all das sind Werte, die während einer Weltmeisterschaft für alle Teilnehmer gelten müssen und für die sich der Fußball stark machen muss. Die Gewährleistung von Arbeitnehmerrechten und Sicherheitsstandards durch das Bewerberland muss deshalb schon im Prozess der Ausschreibung berücksichtigt werden und für die kommende Vergabe der WM 2026 gelten.“

8.Kontrolle der Geldflüsse

„Es muss unser gemeinsames Ziel sein, dass sich Einzelne nicht auf Kosten des Fußballs skrupellos persönlich bereichern. Um das zu verhindern, sind noch stärkere Kontrollen der Geldflüsse notwendig.“

9. Anpassung des Abstimmungssystems

„Im Rahmen einer umfassenden Reform der FIFA sollte geprüft werden, ob das aktuelle System “Ein Land, eine Stimme” im Dialog aller 209 Mitgliedsverbände der FIFA angepasst und weiterentwickelt werden kann.“

10. Erarbeitung einer Reform-Agenda

„Ich spreche mich klar dafür aus, dass dieses Reformpaket nicht mehr vom bisherigen FIFA-Präsidenten auf den Weg gebracht werden sollte.“

„Ich bin nicht so naiv zu glauben, der DFB könnte jetzt alles reformieren.“ Dennoch sei er bereit, die Herausforderung anzunehmen, in diesen Zeiten „für den Verband, für jedes einzelne Mitglied, für unseren Fußball Verantwortung zu übernehmen“.

Der Chef des größten Einzelsportverbands der Welt fordert in seinem Zehn-Punkte-Plan insbesondere einen Wechsel an der Fifa-Spitze: „Bei allem Respekt vor seiner Lebensleistung erweist sich Sepp Blatter und dem gesamten Fußball keinen Gefallen damit, seinen von ihm selbst angekündigten Rücktritt hinauszuzögern.“ Das Reformpaket sollte nach Meinung Niersbachs nicht mehr vom amtierenden Fifa-Präsidenten auf den Weg gebracht werden sollte.“

Kommentare (4)

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Herr Norbert Bluecher

10.06.2015, 17:22 Uhr

Ist ja ganz nett, was der Herr Niersbach da fordert, aber glaubt er wirklich, daß die kleinen Verbände durch eine Änderung des Stimmrechts auf angestammte Erbhöfe verzichten werden. Wo will er denn die Stimmen her bekommen.

Außerdem sollte Herr Niersbach erst mal zu Hause Fair Play üben. Außerhalb des grünen Rasens spielt der Herr Niersbach im Moment nämlich Blutgrätsche und hat mit Fair Play nix am Hut.

Alle Frankfurter müssen am 21. Juni wählen gehen, damit die DFB Akademie in Niederrad verhindert wird!!!

Herr Alex Lehmann

10.06.2015, 17:37 Uhr

1. Stimmrechtsänderung wahrscheinlich so, dass sich Europa wieder jede 2te WM zuschustern kann. Glaub das hat Platini, DFB & Co. maßgeblich geärgert, dass Blatter die WM weltweit rotieren lässt.
Falls das aber nach Bevölkerung geht, also fair ist, dann kann man sagen, zieht euch warm an, dann hat Indien, China & Co. nämlich das sagen. Also wie will ers verändern????
Ahhh jetzt kommts mir, wahrscheinlich genauso ungerecht wie Weltbank und IWF geführt werden, nach Geldeinlagen.
2. Fußball hat nur begrenzt Werte und zwar Spielregeln, alles andere ist politische Einflussnahme, wahrscheinlich wollen Sie alle unbeliebten Staaten aussperren, wie Nordkorea und Iran etc., dass politische Sanktionen schnell auch in der FIFA angewendet werden können.

Und eins noch, wie rechtsradikal sind wir denn? Südafrika hat ne WM bekommen, da muss doch geschmiert worden sein! Was geht den egtl im Westen ab...

Herr Horst Meiller

10.06.2015, 20:54 Uhr

http://www.pi-news.net/2015/06/kampf-gegen-rechts-dfb-tilgt-wort-national/#comments
Eine "National"-mannschaft gibt es nicht mehr, und eigentlich müßte sich der -->>DEUTSCHE Fußballbund gleich mit auflösen und die Leute sich selbst konsequent abschaffen!

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