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25.09.2014

18:07 Uhr

FIFA-Präsident

Joseph Blatter unter Druck

Für FIFA-Präsident Joseph Blatter wird es ungemütlicher. Auch der Vorsitzende der Ethikkommission spricht sich für mehr Transparenz aus, im Fokus steht die umstrittenen Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022.

Joseph Blatter gerät gerade für seine Politik der Intransparenz immer stärker in die Kritik. dpa

Joseph Blatter gerät gerade für seine Politik der Intransparenz immer stärker in die Kritik.

BerlinDer Druck auf FIFA-Präsident Joseph Blatter wächst. Chefermittler Michael Garcia und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wollen die Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes zu den Korruptionsvorwürfen bei den WM-Vergaben 2018 und 2022. Der Münchner Richter Joachim Eckert, Vorsitzender der FIFA-Ethikkommission, spricht sich für die Veröffentlichung einer möglichen Anklageschrift aus. „Ich halte es für vertretbar, wenn die Öffentlichkeit über einen Anklagesatz informiert würde. So geschieht es auch in der staatlichen Strafjustiz. Hier werden die Beschuldigten und die ihnen zur Last gelegten Verstößen aufgeführt“, sagte Eckert der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstag).

Vor knapp drei Wochen hatte Garcia das 350-seitige Dokument der Untersuchungskammer der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes (FIFA) an die rechtsprechende Kammer übergeben. Ob es tatsächlich zu einer Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse kommt, ist aber weiterhin fraglich. Dafür ist eine Änderung des Paragrafen 36 der FIFA-Ethikregeln nötig. „Nur das Exekutivkomitee der FIFA könnte das mit einem Mehrheitsbeschluss jetzt ändern“, erklärte Eckert.

Auch Niersbach machte sich für die Veröffentlichung des Reports stark. „Aus Sicht des DFB wünschen wir uns nichts mehr als eine zügige Aufklärung und Abwicklung, damit endlich die ganzen Spekulationen und Mutmaßungen beendet werden“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der „FAZ“ (Donnerstag) und betonte: „Ich gehe fest davon aus, dass diese Entscheidungen über die Ethikkommission anschließend öffentlich gemacht werden.“ Zudem fordern mehrere Mitglieder der FIFA-Exekutive wie Ali Bin Al Hussein (Jordanien), Jim Boyce (Nordirland) oder Jeffrey Webb (Cayman Inseln) eine Publizierung der Akten.

Joseph Blatter

Blatter als Fußballer

Blatter war selbst von 1948 bis 1971 aktiver Fußballer und schaffte es bis in die oberste Schweizer Amateurliga.

Karriere vor der Fifa

Joseph Blatter studierte an der Rechtsfakultät der Universität Lausanne und schloss sein Studium mit dem Lizentiat der Handels- und Volkswirtschaftswissenschaften ab. Er begann er seine Karriere als Journalist und PR-Fachmann im sportlichen und privatwirtschaftlichen Sektor. Kontakte zur internationalen Sportszene knüpfte Blatter als Direktor für PR und Sport der Longines S.A., die an der Organisation der Olympischen Spiele 1972 und 1976 beteiligt war.

Mitgliedschaft im Exekutivkomitee

Schon seit 1981 gehört Blatter zum Exekutivkomitee des Fussball-Weltverbandes und war somit an insgesamt fünf Weltmeisterschaften beteiligt. Einen Namen machte sich Blatter zusammen mit dem damaligen Präsidenten Havelanges bei den Verhandlungen für Fernseh- und Marketingverträge zur kommerziellen Verwertung der Fussball-Weltmeisterschaften bis 2006.

Präsidentschaft

1998 wurde Blatter zum achten Präsidenten der Fifa gewählt. Seit 1999 ist er auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOK). Im Laufe seiner Amtszeit setzte Blatter viele Projekte um, die sein Vorgänger João Havelanges initiiert hatte. Dazu gehören die Wettbewerbs- und Ausbildungsprogramme der Fifa, die Weltmeisterschaften in den Alterskategorien U-20 und U-17 sowie im Frauen- und Hallenfußball. Blatter wurde 2002 für eine zweite Amtsperiode gewählt und 2007 erneut für eine weitere Amtszeit bestätigt.

Soziales Engagement

Joseph Blatter engagiert sich seit langem für verschiedene humanitäre Projekte und untermauert dadurch seine Überzeugung, dass Fußball eine gesellschaftliche Verantwortung trägt. Er begann 1994 eine Partnerschaft mit den SOS Kinderdörfern, die die Fifa finanziell und materiell unterstützt. Seit 1998 führt Blatter auch immer wieder Kampagnen mit UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, durch.

Seine Fußballphilosophie

„Fußball für alle, alle für den Fußball“ - Neben der gesellschaftlichen Verantwortung liegt Blatter das Fairplay am Herzen. Fußball ist für ihn eine Möglichkeit für eine bessere Völkerverständigung. Er setzt zudem darauf, sämtliche Akteure des Fußballs über ein modernes Kommunikationsnetz zu verknüpfen und mit Politik und Wirtschaft in Kontakt zu treten. In erster Linie aber bedeutet der Fußball für Blatter natürlich Leidenschaft und Emotionen.

Blatter und die FIFA mussten sich in den vergangenen Wochen und Monaten für ihre vermeintliche Verzögerungstaktik verstärkt Kritik anhören. Die Aufarbeitung der umstrittenen WM-Vergaben 2018 und 2022 wird immer mehr zur Geduldsprobe. Für dieses Jahr rechnet die FIFA-Ethikkommission nicht mehr mit einem Urteil. „Es wird Entscheidungen geben, vielleicht im Frühjahr“, sagte Eckert in der vergangenen Woche.

Nach Angaben des deutschen Richters solle ein Urteil nur Einzelpersonen wie Mitglieder der FIFA-Exekutive betreffen, nicht aber eine eventuelle WM-Neuvergabe oder Annullierung der Wahl. „Das ist nicht unsere Aufgabe“, sagte Eckert. Das sei eine Entscheidung der FIFA-Exekutive oder des Kongresses, stellte er klar. Man werde auch keine Empfehlungen geben. Zuvor hatte der Jurist erklärt, die Ethikkommission werde bis „Ende Oktober, Anfang November“ den Bericht von Garcia bewerten.

Von

dpa

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