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30.05.2015

10:29 Uhr

Fifa-Präsident Sepp Blatter

„Ich vergebe, aber ich vergesse nicht“

Nach seiner Wiederwahl teilt Fifa-Präsident Blatter gegen seinen Kritiker, Uefa-Chef Platini, aus. Die Verhaftungen kurz vor der Wahl seien „kein Zufall“ gewesen, sagt Blatter – und droht mit Konsequenzen.

Nach seiner Wiederwahl griff der frisch gewählte Fifa-Präsident seinen Kritiker Michel Platini an. ap

Fifa-Präsident Josef Blatter

Nach seiner Wiederwahl griff der frisch gewählte Fifa-Präsident seinen Kritiker Michel Platini an.

Washington/ZürichMit wilden Verschwörungstheorien und scharfen Worten hat Joseph Blatter kurz nach seiner Wiederwahl die US-Justizbehörden und die Europäische Fußball-Union um Michel Platini attackiert. Es gebe „einen Hass, der nicht nur von einer Person bei der Uefa kommt, aber von der Uefa als Organisation, die nicht verstanden hat, dass ich 1998 Präsident geworden bin“, sagte der 79 Jahre alte Schweizer in einem TV-Interview des Schweizer Sender RTS. Vor 17 Jahren hatte sich Blatter gegen den Uefa-Widersacher Lennart Johansson durchgesetzt.

Damit spitzt sich vor der Sitzung des Exekutivkomitees am Samstag im noblen Fifa-Sitz der Konflikt mit dem Blatter-kritischen Europa zu. Uefa-Chef Platini hatte seinen früheren Freund vor dem fünften Wahlsieg am Freitag beim Fifa-Kongress in Zürich gegen den einzigen Gegenkandidaten Prinz Ali bin al-Hussein zum Rücktritt aufgefordert. „Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht“, sagte Blatter dazu.

Die festgenommenen Fifa-Funktionäre

Jeffrey Webb (Cayman Inseln)

Fifa-Vizepräsident Jeffrey Webb (51) gehört laut Medienberichten zu den sechs in Zürich festgenommenen Fußball-Funktionären. Webb ist ein ganz enger Vertrauter des Schweizer Fifa-Chefs Blatter. Webb führt auch den Concacaf-Verband.

Eugenio Figueredo (Uruguay)

Auch das Exekutivmitglied Eugenio Figueredo (83) befindet sich in Auslieferungshaft.

José Maria Marin (Brasilien)

Auch der brasilianische Verbandschef José Maria Marin (83) wurde festgesetzt. Er organisierte die Weltmeisterschaft 2014 maßgeblich mit.

Eduardo Li (Costa Rica)

Der Chef des costa-ricanischen Verbands Eduardo Li wird ebenfalls Korruption, organisierte Kriminalität, Überweisungsbetrug und Geldwäsche vorgeworfen.

Jack Warner (Trinidad und Tobago)

Jack Warner (72) aus der Karibik hat sich gestellt und wurde gegen eine Kaution frei gelassen. Der ehemalige Fifa-Vize-Präsident musste sich bereits 2011 einer Untersuchung wegen Wahlfälschung gekauften Stimmens stellen.

Rafael Esquivel (Venezuela)

Rafael Esquivel (68) ist Mitgliedes des Disziplinarischen Komitees der Fifa. Trotzdem muss er sich nun gegen Korruptionsvorwürfe wehren.

Nicolas Leoz (Paraguay)

Nicolás Leoz (86) wurde auf dem Fifa-Kongress von 2011 bis 2015 im Amt bestätigt, trat aber am 23. April 2013 von seinem Amt zurück. Von 1998 bis zu seinem Rücktritt war er auch Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. 2002 wurde er mit dem Fifa-Verdienstorden ausgezeichnet.

José Margulies (Brasilien)

Jose Margulies (75) ist auch unter dem Namen Jose Lazaro bekannt.

Julio Rocha (Nicaragua)

Julio Rocha ist 64 Jahre alt, stammt aus Nicaragua und ist ebenfalls angeklagt.

Diese Forderung von Platini und die Festnahmen von sieben Fußball-Funktionären in Zürich zwei Tage vor der Wahl auf Antrag von US-Behörden seien „kein Zufall“. Blatter: „Es gibt Zeichen, die nicht täuschen: Die Amerikaner waren Kandidaten für die WM 2022 und sie haben verloren.“ Zudem sieht er einen Zusammenhang zwischen dem Jordanier al-Hussein und den USA. „Man darf nicht vergessen, dass sie der Hauptsponsor des haschemitischen Königsreichs sind, also von meinem Gegner. Diese Sache riecht nicht gut“, sagte Blatter.

Voller Freude über seine wiedererstarkte Macht hatte er direkt nach seiner Kür schon die nächste Konfrontation mit den gerade geschlagenen Gegnern aus Europa vorbereitet. Noch bevor Blatter am Freitagabend in Zürich die vierte Wiederwahl als Fifa-Präsident mit seiner Familie feierte, nutzte er die Gelegenheit auf der Kongress-Bühne für Nadelstiche in Richtung Uefa.

Die angekündigte Ausdehnung des Exekutivkomitees für wohlgesonnene Konföderationen soll den europäischen Einfluss in der Weltregierung des Fußballs beschneiden. Und für die Exko-Sitzung mit Verhandlungen über die Plätze für die umstrittenen Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar annoncierte Blatter: „Wir haben ein Meeting, sie werden mir zuhören, sie werden einige Informationen und Botschaften erhalten - einige von ihnen werden überrascht sein.“

Schon seine Ankündigung einer Kommission für Profifußball war ein Angriff auf die Uefa, die dies mit der ertragreichen Champions League als ihr Hoheitsgebiet ansieht. Auch die Momente nach der Wahl zeigten das frostige Verhältnis: Demonstrativ blieb Platini als einziger auf dem Podium sitzen. Als Blatter auf seiner Gratulationstour an seinem früheren Freund vorbeikam, entstand ein kleiner peinlicher Moment - dann entschieden sich beide für einen jugendlichen Handschlag auf Brusthöhe.

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