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27.01.2015

17:52 Uhr

Fifa-Präsidentschaft

Ernsthafte Konkurrenz für Blatter

Schon vor Ablauf der Bewerbungsfrist für das Amt des Fifa-Präsidenten steht fest: kampflos wird Blatter die Wahl nicht gewinnen. Zwar zog jetzt ein Kandidat zurück, dafür kommt ein ernstzunehmender Anwärter ins Spiel.

Michael van Praag: Der niederländische Verbandschef erfährt Unterstützung. dpa

Michael van Praag: Der niederländische Verbandschef erfährt Unterstützung.

FrankfurtKaum hatte der Wahlkampf um den Chefposten bei der FIFA durch die Bewerbung des Niederländers Michael van Praag noch einmal Fahrt aufgenommen, avisierte Wolfgang Niersbach einen weiteren Herausforderer für Joseph Blatter. „Es ist nicht auszuschließen, dass es noch einen weiteren Kandidaten geben wird, dessen Name bis jetzt noch gar nicht gefallen ist“, erklärte der Boss des Deutschen Fußball-Bundes am Dienstag beim feierlichen Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Frankfurter Thurn und Taxis Palais.

Mit dem 67 Jahre alten van Praag liegt die Zahl der möglichen öffentlich-bekannten Blatter-Herausforderer bei der Wahl des Weltverbandspräsidenten auf dem FIFA-Kongress am 29. Mai in Zürich aktuell bei vier. „Ich kann über ihn nur Gutes erzählen. Er ist eine absolut integre Persönlichkeit mit einer hohen Glaubwürdigkeit“, sagte Niersbach und fügte hinzu: „Mit van Praag haben wir jemanden, der nur für vier Jahre antritt und seine Aufgabe darin sieht, das Image in der Öffentlichkeit wieder herzustellen. Er spielt mit offenen Karten.“

Fifa: Acht Präsidenten in 111 Jahren

1904 -1906: Robert Guérin, Frankreich

Der Franzose war eine der treibenden Kräfte bei der Gründung der FIFA im Jahre 1904. Als eines von sieben Gründungsmitgliedern unterzeichnete er den ersten Vertrag und die Satzung der FIFA. Vor seiner zweijährigen Amtszeit war Guérin Journalist und Geschäftsführer eines französischen Sportverbandes. Während seiner Amtszeit taten die ersten acht Nationen der FIFA bei.

1906-1918: Daniel Burley Woolfall, England

Während seiner 12-jährigen Amtszeit leistete der Engländer Woolfall große und wichtige Schritte für den Aufstieg des Fussballverbandes. Unter ihm wurden international einheitliche Spielregeln eingeführt und das erste nennenswerte Turnier während der Olympischen Spiele 1908 durchgeführt. Südafrika, USA, Chile und Argentinien wurden die ersten nichteuropäischen Mitglieder des Verbandes.

1921-1954: Jules Rimet, Frankreich

Der Franzose stand über 30 Jahre lang an der Spitze der FIFA und beendete seine Amtszeit im Alter von 80 Jahren als Ehrenpräsident. Während seiner Amtszeit rief die FIFA ein Turnier ins Leben, dass sich zu einem weltweiten Ereignis entwickelte. Auch die Einführung des Weltpokals 1930 geht auf seine Initiative zurück. Als er 1954 den Posten abgab zählte die FIFA bereits 85 Mitglieder.

1954-1955: Rodolphe William Seeldrayers, Belgien

Vor seiner Amtszeit stand Seeldrayer bereits über 25 Jahre lang als Vize-Präsident der FIFA an der Seite von Vorgänger Rimet. Während seiner Amtszeit feierte die FIFA ihr 50-jähriges Bestehen. Seeldrayer starb bereits 1955 und stand somit nur ein Jahr an des Spitze des Fussballverbandes.

1955-1961: Arthur Drewry, England

Der Engländer Arthur Drewry übernahm nach Seeldrayers Tod das Amts des FIFA-Präsidenten. Drewry war außerdem Ligavorsitzender in England und Präsident des englischen Fussballverbandes. Während seiner Amtszeit bemühte er sich, Rimets Pläne zur Wiedereingliederung der britischen Verbände nach dem Ende des zweiten Weltkrieges fortzuführen.

1961-1974: Stanley Rous, England

Schon vor seiner Amtszeit als FIFA-Präsident war Rous im internationalen Fussball aktiv als Schiedsrichter und Geschäftsführer des englischen Fussballverbandes. Während seiner Regentschaft entwickelte sich der FIFA-Weltpokal zu einem internationalen Großereignis. Am Ende seiner 13-jährigen Amtszeit wurde auch Rous zum Ehrenpräsidenten der FIFA ernannt.

1974-1998: João Havelange, Brasilien

Der Brasilianer stand insgesamt 24 Jahre lang an der Spitze der FIFA. Während seiner Amtszeit gab es starke Umbrüche innerhalb des Fussballverbandes, die Zahl der am Worldcup teilnehmenden Mannschaften wurde auf 21 erhöht und Teams aus Asien und Afrika stärker beteiligt. Havelange war der Wegbereiter vieler Entwicklungsprojekte, die den Fussball zu einer universellen Sportart machen sollten. Auch Havelange ist Ehrenpräsident der FIFA.

Seit 1998: Joseph Blatter

Joseph Blatter ist der achte Präsident der Fifa und steht seit 1998 an der Spitze des Fußballverbandes. Seine Wiederwahl im Jahr 2015 ist extrem umstritten.

Der Chef des Niederländischen Fußball-Verbandes (KNVB) verfüge auch über die für eine Kandidatur erforderlichen Unterstützungsschreiben von fünf Verbänden. „Ich kenne die Nationen, die ihm diesen notwendigen Brief gegeben haben“, betonte Niersbach. Der DFB selbst gehört nicht dazu und will sich erst nach Ablauf der Bewerbungsfrist an diesem Donnerstag um Mitternacht positionieren. „Erst danach wird man sagen können, wie stellt man sich richtig auf“, erklärte Niersbach.

„Es ist höchste Zeit, dass die Organisation sich normalisiert und wieder völlig im Zeichen des Fußballs steht. Ich habe eine Zeit lang gehofft, dass ein glaubwürdiger Gegenkandidat kommen würde, aber das ist schlicht nicht passiert“, hatte van Praag am Montagabend nach der Sitzung der UEFA-Exekutive in Genf seine Bewerbung begründet. Sein Programm will er an diesem Mittwoch in Amsterdam vorstellen.

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