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19.02.2015

16:58 Uhr

Fifa-Präsidentschaftswahlkampf

Figo will mit 48 WM-Teilnehmern und Milliardensegen punkten

Der frühere Weltfußballer Luis Figo hat seinen Wahlkampf gegen den  Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter auch offiziell eröffnet. Am Donnerstag stellte der 42-jährige Portugiese in London sein Programm bis zu der Entscheidung am 29. Mai in Zürich vor - und ging dabei ungewöhnliche Wege.

Figo will Fifa-Präsident werden

„Ich kann bewerten, was gut für den Fußball ist“

Figo will Fifa-Präsident werden: „Ich kann bewerten, was gut für den Fußball ist“

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LondonSeine Chancen, Joseph Blatter als Präsident des Weltverbandes Fifa abzulösen, sind nur gering. Doch mit einem verlockenden Angebot an kleinere Nationen hat der frühere Weltfußballer Luis Figo den Kampf um den Fifa-Chefposten aufgenommen: Bei der Präsentation seiner Kampagne „Manifest für den Fußball“ am Donnerstag im Londoner Wembley-Stadion nannte Figo die Reform der Weltmeisterschaft und die Neuverteilung von Fifa-Geldern als vordringlichste Aufgaben, falls er im Mai auf dem Fifa-Kongress in Zürich zum Nachfolger von Amtsinhaber Blatter gewählt werde. Zudem will der frühere Weltstar von Real Madrid und dem FC Barcelona knapp die Hälfte des Fifa-Vermögens (rund 2,19 Milliarden Euro) direkt an die Mitgliedsverbände ausschütten, damit diese damit den Fußball an der Basis fördern können.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass zu viel auf dem Spiel steht, um einfach tatenlos zuzusehen. Dafür bin ich nicht der Mann. Ich bin bereit, um die Fifa und jeden ihrer Mitgliedsverbände mit wirklichen Veränderungen in eine positive Zukunft zu führen“, erklärte der Portugiese. Der 42 Jahre alte Weltfußballer von 2001 ist einer von drei Konkurrenten gegen Blatter. Neben dem Portugiesen treten am 29. Mai der niederländische Verbandschef Michael Van Praag und der jordanische Prinzen Ali bin al-Hussein gegen den 78 Jahre alten Blatter an, der eine fünfte Amtszeit anstrebt.

Figo schlug eine Erweiterung des WM-Starterfeldes von bisher 32 auf 40 oder sogar 48 Mannschaften vor. Dabei könnten zeitgleich zwei Turniere mit jeweils 24 Mannschaften auf zwei Kontinenten gespielt werden. Die anschließende K.o.-Phase sollte in einem Land ausgetragen werden. „Beide Optionen sind möglich mit drei oder vier Tagen zusätzlich im Turnier. Wenn die Erweiterung kommt, sollten die zusätzlichen Teams aus nicht-europäischen Ländern kommen“, sagte der frühere Angreifer von Real Madrid und Inter Mailand. Dieses Wahlversprechen zielt wohl in erster Linie auf jene Verbände aus Afrika, Asien, Ozeanien und Südamerika ab, die sich bisher klar für eine Wiederwahl Blatters ausgesprochen hatten.

Figo regte zudem an, rund eine Milliarde Dollar aus der Geldreserve der Fifa über vier Jahre zur Förderung von Kinder- und Jugendprojekten an die 209 Mitgliedsverbände zu verteilen. „Ich hatte das große Glück, dass ich von klein auf spielen und trainieren konnte. Aber diese Möglichkeit besteht für die meisten Kinder auf der Welt nicht. Diese entscheidende Frage anzugehen, würde ein Schwerpunkt meiner Präsidentschaft sein“, betonte der Portugiese. Er schlug vor, Schulfußballprojekte in jedem Mitgliedsland der Fifa ins Leben zu rufen.

Joseph Blatter

Blatter als Fußballer

Blatter war selbst von 1948 bis 1971 aktiver Fußballer und schaffte es bis in die oberste Schweizer Amateurliga.

Karriere vor der Fifa

Joseph Blatter studierte an der Rechtsfakultät der Universität Lausanne und schloss sein Studium mit dem Lizentiat der Handels- und Volkswirtschaftswissenschaften ab. Er begann er seine Karriere als Journalist und PR-Fachmann im sportlichen und privatwirtschaftlichen Sektor. Kontakte zur internationalen Sportszene knüpfte Blatter als Direktor für PR und Sport der Longines S.A., die an der Organisation der Olympischen Spiele 1972 und 1976 beteiligt war.

Mitgliedschaft im Exekutivkomitee

Schon seit 1981 gehört Blatter zum Exekutivkomitee des Fussball-Weltverbandes und war somit an insgesamt fünf Weltmeisterschaften beteiligt. Einen Namen machte sich Blatter zusammen mit dem damaligen Präsidenten Havelanges bei den Verhandlungen für Fernseh- und Marketingverträge zur kommerziellen Verwertung der Fussball-Weltmeisterschaften bis 2006.

Präsidentschaft

1998 wurde Blatter zum achten Präsidenten der Fifa gewählt. Seit 1999 ist er auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOK). Im Laufe seiner Amtszeit setzte Blatter viele Projekte um, die sein Vorgänger João Havelanges initiiert hatte. Dazu gehören die Wettbewerbs- und Ausbildungsprogramme der Fifa, die Weltmeisterschaften in den Alterskategorien U-20 und U-17 sowie im Frauen- und Hallenfußball. Blatter wurde 2002 für eine zweite Amtsperiode gewählt und 2007 erneut für eine weitere Amtszeit bestätigt.

Soziales Engagement

Joseph Blatter engagiert sich seit langem für verschiedene humanitäre Projekte und untermauert dadurch seine Überzeugung, dass Fußball eine gesellschaftliche Verantwortung trägt. Er begann 1994 eine Partnerschaft mit den SOS Kinderdörfern, die die Fifa finanziell und materiell unterstützt. Seit 1998 führt Blatter auch immer wieder Kampagnen mit UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, durch.

Seine Fußballphilosophie

„Fußball für alle, alle für den Fußball“ - Neben der gesellschaftlichen Verantwortung liegt Blatter das Fairplay am Herzen. Fußball ist für ihn eine Möglichkeit für eine bessere Völkerverständigung. Er setzt zudem darauf, sämtliche Akteure des Fußballs über ein modernes Kommunikationsnetz zu verknüpfen und mit Politik und Wirtschaft in Kontakt zu treten. In erster Linie aber bedeutet der Fußball für Blatter natürlich Leidenschaft und Emotionen.

Vor allem aber möchte Figo, der erst im Januar seine Kandidatur um das höchste Amt im Weltfußball bekanntgab, das beschädigte Ansehen des Weltverbandes wiederherstellen. „Das Image des Verbandes, wie es sich im Moment darstellt, ist nicht angemessen. Ich vertraue darauf, dass die meisten nationalen Verbände eine Veränderung wollen, eine demokratische Veränderung“, sagte er. Die Kosten für seine Kampagne bestreite er aus den Einkünften seiner Karriere.

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