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08.10.2015

20:35 Uhr

Fifa sperrt Blatter und Platini

„Das ist der absolute Super-Gau“

Fifa-Präsident Joseph Blatter und Uefa-Chef Michel Platini dürfen für 90 Tage kein Amt im Fußball ausüben. Während Blatter Urlaub machen will, kämpft Platini weiter um das Amt als Verbandspräsident – jedoch ohne den DFB.

DFB-Chef Wolfgang Niersbach erwartet vom derzeit suspendierten Uefa-Chef Michel Platini (l.), Beweise zu seiner Entlastung vorzulegen. ap

Keine DFB-Unterstützung

DFB-Chef Wolfgang Niersbach erwartet vom derzeit suspendierten Uefa-Chef Michel Platini (l.), Beweise zu seiner Entlastung vorzulegen.

ZürichBei seinem schmachvollen Abgang aus der Fifa-Zentrale versuchte Joseph Blatter vergeblich sein Gesicht auf der Rückbank einer schwarzen Luxus-Limousine zu verdecken. Der gefallene Weltverbandspräsident musste am Donnerstagabend nach 6331 Tagen im Amt sein Büro auf dem Zürichberg räumen, und auch Michel Platini hat es im größten Beben der Fußball-Geschichte erwischt. Die Ethikkommission des Weltverbands entmachtete mit einem Schlag die Spitze der beiden führenden Verbände und verbannte den Fifa-Chef und den Präsidenten der Europäischen Fußball-Union Uefa für 90 Tage.

Um kurz nach 19 Uhr ließ sich Blatter im Blitzlichtgewitter aus dem Home of Fifa fahren. Während der 79-Jährige gewohnt selbstgewiss von seiner Rückkehr in das geliebte Amt ausgeht, dürften sich die Ambitionen von Platini auf die Nachfolge des Schweizers erledigt haben. Nicht nur DFB-Präsident Wolfgang Niersbach rückt langsam von seinem Intimus ab. Bis zur Dringlichkeitssitzung der Uefa-Exekutive am kommenden Donnerstag „soll Michel Platini Dinge ins Feld führen, die ihn entlasten“, sagte Niersbach am Abend bei RTL.

Platini wird Einspruch gegen die Sanktion einlegen und gab sich kämpferisch: „Ich weise alle Anschuldigungen, die bloßer Anschein und erstaunlich vage sind, gegen mich zurück“, teilte er mit. Aufgrund des Einspruchs sprach ihm das Uefa-Exekutivkomitee das Vertrauen aus und nominierte überraschenderweise keinen Interimschef. Damit steht die Uefa aktuell ohne handelnden Präsidenten dar. Platini gehe aktuell nicht seinen offiziellen Pflichten nach und habe „diverse Reisen gestrichen“, erklärte die Uefa.

DFB-Chef Niersbach zeigte sich erschüttert über den Ausmaß des Korruptionsskandals. „Was heute passiert ist, ist der absolute Super-Gau, dass wir an der wichtigsten Stelle des Weltfußballs nun eine Führungslosigkeit haben“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes. „Da ist der absolute Tiefpunkt gekommen. Die Zukunft kann nur gemacht werden ohne Sepp Blatter.“

Fifa-Sperren

Fifa suspendiert Blatter und Platini

Fifa-Sperren: Fifa suspendiert Blatter und Platini

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Der Bann gegen Blatter und Platini kann noch um maximal 45 Tage ausgedehnt werden, während dieser Zeit sind beide Top-Funktionäre von allen Fußball-Aktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene ausgeschlossen. Das teilte die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission unter Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert mit.

Auf einen möglichen Einspruch will zumindest Blatter verzichten und Urlaub im Heimatkanton Wallis machen. „Nein, es hat gar keinen Sinn das zu strecken“, sagte sein Berater Klaus J. Stöhlker der Deutschen Presse-Agentur. „Er wurde jetzt fußballerisch gesagt an die Seitenlinie gestellt und er wird in 90 Tagen wieder da sein, denn er muss den großen Fifa-Kongress vorbereiten.“ Am 26. Februar soll sein Nachfolger gewählt werden.

Bis dahin rückt der ebenfalls skandalumwitterte und gesundheitlich angeschlagene Vize Issa Hayatou in das wichtigste Amt des Weltfußballs. Der Kameruner betonte direkt, er strebe den Posten nicht dauerhaft an. „Genug ist genug. Wir hoffen, dass nun jeder bei der Fifa verstanden hat, dass man nicht passiv bleiben darf“, sagte Thomas Bach, Chef des Internationalen Olympischen Komitees, in ungewohnter Schärfe und forderte einen „glaubwürdigen, externen Präsidentschaftskandidaten mit hoher Integrität“.

Platini kann er damit nicht mehr gemeint haben. Der Franzose wird vorläufig allerdings nicht wie von der Satzung vorgesehen vom Spanier Ángel María Villar als Uefa-Boss vertreten. Dem Uefa-Exko sei „bewusst, dass der Uefa-Präsident sofort alle notwendigen Schritte unternehmen wird, um gegen die Entscheidung der Fifa-Ethikkommission Einspruch einzulegen und sich zu rehabilitieren“, begründete das Gremium seine Entscheidung. Es brauche „eine sehr schnelle finale Entscheidung“, erklärte das Exko, dem auch Niersbach angehört. Am Donnerstag kommende Woche kommt die Uefa-Exekutive in Nyon zusammen.

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