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20.05.2012

11:06 Uhr

Final-Kater

Ein Klub im Schockzustand

Auch am Tag nach der bitteren Pleite im „Finale dahoam“ herrscht in München vor allem Fassungslosigkeit. Erinnerungen an das Finale 1999 wurden wach, während die Spieler den vergebenen Chancen hinterher trauerten.

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Chelsea zerstört Münchener Titel-Träume

Video: FC Bayern verliert Champions-League-Finale

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MünchenDidier Drogba und der FC Chelsea tanzten als Champions-League-Sieger in die Münchner Nacht hinein - beim FC Bayern war die Schockstarre auch im fein geschmückten Festsaal greifbar. „Ich habe das 1999 erlebt, als wir in Barcelona so dramatisch 1:2 verloren haben. Das war damals auch unglaublich brutal, aber ich habe fast den Eindruck, heute Abend ist das irgendwie noch bitterer, noch brutaler und eigentlich auch überflüssiger. Und das tut unglaublich weh“, richtete Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sehr bedachte Worte von der Bühne an Ehrengäste und Mitarbeiter des Vereins.

1999 - das war die 1:2-Niederlage in Barcelona gegen Manchester United. Die Münchner bereiteten sich damals kurz vor dem Ende schon auf die Siegerehrung vor, ehe sie zwei späte Tore aus allen Träumen rissen. Und auch diesmal waren Torschütze Thomas Müller & Co. dem begehrten Pokal so nah. „Wir hatten drei Matchbälle“, betonte Rummenigge. Die 1:0-Führung durch Müller (83.), der durch Arjen Robben verschossene Elfmeter (95.) und die Führung im Elfmeterschießen. „Trotzdem haben wir es nicht geschafft.“

Bayerns Weg ins Finale

FC Zürich (Play-off)

Bayern - FC Zürich 2:0 (Tore: Schweinsteiger, Robben)

FC Zürich - Bayern 0:1 (Tor: Gomez)

FC Villarreal (Vorrunde

FC Villarreal - Bayern 0:2 (Tore: Kroos, Rafinha)

Bayern - FC Villarreal 3:1 (Tore: 2x Ribery, Gomez)

Manchester City (Vorrunde)

Bayern - Manchester City 2:0 (Tore: 2x Gomez)

Manchester City - Bayern 2:0

SSC Neapel (Vorrunde)

SSC Neapel - Bayern 1:1 (Tor: Kroos)

Bayern - SSC Neapel 3:2 (Tore: 3x Gomez)

FC Basel (Achtelfinale)

FC Basel - Bayern 1:0

Bayern - FC Basel 7:0 (Tore: 4x Gomez, 2x Robben, Müller)

Olympique Marseille (Viertelfinale)

Olympique Marseille - Bayern 0:2 (Tore: Gomez, Robben)

Bayern - Olympique Marseille 2:0 (Tore: 2x Olic)

Real Madrid (Halbfinale)

Bayern - Real Madrid 2:1 (Tore: Ribery, Gomez)

Real Madrid - Bayern 2:1, 1:3 i.E. (Tor: Robben)

Das Carpaccio vom geräucherten Lachs, das Rinderfilet oder die Flusskrebse hätten allen Bayern-Gästen besser geschmeckt, wenn das Team nicht auch den dritten Titel der Saison verspielt hätte. Nach Vize-Meisterschaft und Pokal-Demütigung folgte nun trotz starker Vorstellung nur der Trostpreis in der Königsklasse. „Das ist schwierig in Worte zu fassen“, meinte Präsident Uli Hoeneß und fand den Ausgang des erträumten Finales dahoam einfach „grausam, grausam“. Rummenigge stellte bei der Fahrt von der Arena in den Festsaal bei den Fans „unglaubliche Trauer“ fest. Die war auch den Bayern-Profis an ihren Tischen anzusehen.

Chelseas Weg ins Finale

Bayer Leverkusen (Vorrunde)

Chelsea - Bayer Leverkusen 2:0 (Tore: Luiz. Mata)

Bayer Leverkusen - Chelsea 2:1 (Tor: Drogba)

FC Valencia (Vorrunde)

FC Valencia - Chelsea 1:1 (Tor: Lampard)

Chelsea - FC Valencia 3:0 (Tore: 2x Drogba, Ramires)

RC Genk (Vorrunde)

Chelsea - FC Genk 5:0 (Tore: 2x Torres, Meireles, Ivanovic, Kalou)

RC Genk - Chelsea 1:1 (Tor: Ramires)

SSC Neapel (Achtelfinale)

SSC Neapel - Chelsea 3:1 (Tor: Mata)

Chelsea - SSC Neapel 4:1 n.V. (Tore: Drogba, Terry, Lampard, Ivanovic)

Benfica Lissabon (Viertelfinale)

Benfica Lissabon - Chelsea 0:1 (Tor: Kalou)

Chelsea - Benfica Lissabon 2:1 (Tore: Lampard, Meireles)

FC Barcelona (Halbfinale)

Chelsea - FC Barcelona 1:0 (Tor: Drogba)

FC Barcelona - Chelsea 2:2 (Tore: Ramires, Torres)

„Jeder, der auf Bayern-Seite ist, kann annähernd mitfühlen, was in uns vorgeht“, erklärte WM-Torschützenkönig Müller, der als vermeintlicher Matchwinner in der 83. Minute ausgewechselt worden war. „Das gab's im Fußball leider schon viel zu oft, dass solche Spiele passieren. Wir hätten das Spiel mehrmals entscheiden können, aber dass das so endet, das ist natürlich...“

Trotz klarer Feldvorteile und hochkarätiger Chancen gab es am Ende nur ein tränenreiches 3:4 im Elfmeterschießen, der zweite Erfolg in der europäischen Königsklasse nach 2001 wurde verpasst. „Das ist ein absoluter Alptraum. Entsprechend ist die Stimmung in der Kabine“, berichtete Sportdirektor Christian Nerlinger. „Das ist wie ein schlechter Film. Wir waren die klar bessere Mannschaft.“

München und das Champions-League-Finale

Wirtschaftseffekte

Stefan Hauf, Pressesprecher der bayerischen Landeshauptstadt, verweist auf eine Studie des Kreditkartenunternehmens Mastercard zum Champions-League-Endspiel 2010 in Madrid. Demnach könne sich die gastgebende Stadt über eine „Konjunkturspritze in Höhe von 50 Millionen Euro“ freuen, sagt er. Die Bedeutung für die gesamteuropäische Wirtschaft bezifferte Mastercard damals auf rund 352 Millionen Euro. Mastercard ist ein Sponsor der Champions League und hat daher großes Interesse, die Veranstaltung in gutem Licht erscheinen zu lassen.

Boom für Hotels und Gastronomie

Tatsächlich werden Schätzungen zufolge rund 40.000 Fußballfans in der Metropole übernachten. „Der wirtschaftliche Vorteil für München fällt zu 60 bis 70 Prozent im Hotelgewerbe an, der Rest fast ausschließlich im Gastgewerbe“, sagt Maennig. Die Höhe der in Aussicht gestellten Einnahmen für die Stadt bezweifelt er jedoch, weil Verdrängungseffekte nicht hinreichend berücksichtigt seien. Sicher ist, dass die Hoteliers und Restaurants in München Geld verdienen werden – wie viel, das lässt sich kaum beziffern. All das sind jedoch vor allem Einmal-Einnahmen. Langfristig bleibt vor allem der Imagegewinn, durch den künftig mehr Touristen in die Stadt kommen sollen.

Kosten

Die Stadt München beziffert die Ausgaben für die Ausrichtung des Champions-League-Finals auf 1,4 Millionen Euro. Hohe Kosten verursachte das Endspiel der Frauen am Donnerstagabend. Dieses fand im Münchener Olympiastadion statt, das extra für die Veranstaltung hergerichtet werden musste. Im schlimmsten Fall kommt es am Samstagabend zu Ausschreitungen zwischen den Fans von Bayern München und Chelsea – auch das könnte für die Stadt ins Geld gehen und den erhofften Imagegewinn zunichte machen.

Aber genau das macht die Niederlage ja auch so bitter. „Wir hätten einfach zupacken müssen“, sagte Torhüter Manuel Neuer, der nicht nur gegen Juan Mata im Elfmeterschießen hielt, sondern auch selbst verwandelte. Allerdings versagten später bei Ivica Olic und bei Bastian Schweinsteiger die Nerven.

Dagegen durfte Chelsea nach der bitteren Final-Niederlage von 2008 den ersehnten Erfolg feiern. „Heute ist ein großer Tag für unseren Club, unsere Fans und uns Spieler“, sagte Drogba. Mit seinem Ausgleich (88.) hielt er die Londoner im Rennen, im Elfmeterschießen verwandelte er den entscheidenden Ball. Dazu hatte Chelsea einen herausragenden Rückhalt in Torhüter Petr Cech. „Er ist der beste Torwart der Welt“, lobte Drogba das Geburtstagskind. Am Sonntag, also wenige Minuten nach seinen entscheidenden Paraden, wurde Cech 30 Jahre alt.

FC Bayern bitter enttäuscht

Video: FC Bayern bitter enttäuscht

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Von

dpa

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