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24.05.2014

17:55 Uhr

Finale der Champions League

Es geht um die Krone von Madrid und Europa

VonAnne Grüttner

Das diesjährige Finale der Champions League ist ein spanisches Stadtduell: Atlético gegen Real Madrid. Für den „Underdog“ geht es um das Double, für Real um den zehnten Königsklassentitel der Klubgeschichte.

Die Fassade des regionalen Regierungsgebäudes in Madrid zeigt den Stolz der Stadt über den Finaleinzug ihrer beiden Teams. Reuters

Die Fassade des regionalen Regierungsgebäudes in Madrid zeigt den Stolz der Stadt über den Finaleinzug ihrer beiden Teams.

MadridIn Madrid herrscht Ausnahmestimmung. Nie war es so einfach, mit wildfremden Menschen ins Gespräch zu kommen wie in diesen Tagen. Man entscheide sich einfach für einen der beiden Fußballklubs der Hauptstadt, informiere sich ein wenig über die Eigenarten der Klubs, und laufe dann mit dem jeweiligen Trikot des Klubs herum.

Schon am Wochenende vor dem Endspiel zwischen Real Madrid und Atlético de Madrid in Lissabon schillerten die Stadt und ihre Bewohner in Rot-Weiß und Weiß. Wobei Rot-Weiß zunächst deutlich dominierte, da Atlético am vergangenen Samstag auch die spanische Liga für sich entschied – erstmals seit 1996.

Bei den „Atléticos“ ist die Euphorie und die Spannung vor dem Endspiel der Champions League besonders groß. Denn die Fans der „Rojiblancos“, der Rotweißen also, haben Jahrzehnte des Leids und der Frustration hinter sich.

„Jetzt, wo es in Madrid wieder zum guten Ton gehört, Atlético-Fan zu sein, ist es gut, sich daran zu erinnern dass es eine ganze verlorene Generation gibt, die mit dem Doppelsieg (die Saison 1995/1996, als Atlético sowohl die spanische Liga als auch die Copa del Rey gewann) geboren wurde und dann in den schwärzesten Jahren des Klubs groß wurde“, erinnert der Journalist und Atlético-Fan Aitor Santos.

Europapokal-Endspiele als nationale Duelle

1972: England

Wolverhampton Wanderers - Tottenham Hotspur 1:2, 1:1 (Uefa-Pokal)

1980: Deutschland

Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt 3:2, 0:1 (Uefa-Pokal)

1990: Italien

Juventus Turin - AC Florenz 3:1, 0:0 (Uefa-Pokal)

1991: Italien

Inter Mailand - AS Rom 2:0, 0:1 (Uefa-Pokal)

1998: Italien

Inter Mailand - Lazio Rom 3:0 (Uefa-Pokal)

2000: Spanien

Real Madrid - FC Valencia 3:0 (Champions League)

2003: Italien

AC Mailand - Juventus Turin 0:0, 3:2 i.E.

2007: Spanien

FC Sevilla - Espanyol Barcelona 2:2 n.V., 3:1 i.E. (Uefa-Pokal)

2008: England

Manchester United - FC Chelsea 1:1 n.V., 6:5 i.E. (Champions League)

2012: Spanien

Atlético Madrid - Athletic Bilbao 3:0 (Europa League)

2013: Deutschland

Borussia Dortmund - Bayern München 1:2 (Champions League)

„Mit viel Mühe musste man die Ergebnisse von Atlético aus dem Teletext fischen, und wusste dabei, dass man am Montag wieder all den Schulkameraden gegenübertreten musste, die sich stattdessen dafür entschieden hatten, die Leistungen von Figo, Zidane (damals Real-Madrid-Spieler) und den ihren zu genießen.“

Damals wie heute waren es Welten, welche die beiden Klubs der Hauptstadt und ihre Fans trennten. Schon die Wurzeln der Klubs, wie auch ihrer Anhänger, sind gegensätzlich. Das Stadion „Vicente Calderón“ von Atlético steht im Süden Madrids, wo traditionell die Zuwanderer und Arbeiter lebten. Das Estadio Santiago Bernabeu von Real Madrid hingegen befindet sich im reichen Norden der Hauptstadt.

Die „Königlichen“ von Real Madrid sind der reichste Klub Europas. In der letzten Saison nahm Real Madrid 519 Millionen Euro ein, mehr als viermal so viel wie Atlético. Real Madrid hat 588 Millionen Euro in Spieler investiert, fast sechsmal so viel wie die Konkurrenten auf der anderen Seite des Flusses Manzanares.

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