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04.09.2014

14:42 Uhr

Financial Fair Play

Ex-Real-Profi León darf nicht spielen

Weil sein Verein FC Getafe gegen die Financial Fair Play Regeln verstoßen hat, erhält der Spanier Pedro León keine Spielerlaubnis. Der Top-Verdiener sprengt das Gehaltslimit, dass die Regel dem Verein setzt.

Darf nicht spielen: Pedro León (r.). Das Gehalt des Spaniers sprengt beim FC Getafe die Obergrenze, die das neu eingeführte Financial Fair Play setzt. dpa

Darf nicht spielen: Pedro León (r.). Das Gehalt des Spaniers sprengt beim FC Getafe die Obergrenze, die das neu eingeführte Financial Fair Play setzt.

MadridDer spanische Fußballprofi Pedro León, der von mehreren Bundesligavereinen umworben war, hat bei seinem Club FC Getafe ein Spielverbot erhalten. Der frühere Spieler von Real Madrid wurde das erste prominente Opfer der Regeln zum finanziellen Fair Play, die die spanische Profi-Liga (LFP) in Absprache mit der Sportbehörde CSD für diese Saison eingeführt hatte.

Danach dürfen die Vereine höchstens 70 Prozent ihrer Einnahmen für Spielergehälter ausgeben. Der Erstligist FC Getafe hätte mit Pedro León, dem bestbezahlten Spieler im Kader, sein Limit von 17 Millionen Euro überschritten. Die LFP verweigerte dem 27-jährigen Mittelfeldspieler daher eine Lizenz.

Für Pedro León, der Real Madrid 2011 nach einem Streit mit dem damaligen Trainer José Mourinho verlassen hatte, interessierten sich zahlreiche Clubs außerhalb Spaniens. Nach Informationen der Zeitung „El País“ gehörten dazu auch Hannover 96, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen.

Fragen und Antworten zum Financial Fair Play

Was ist passiert?

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat neun Vereine wegen Verstößen gegen das Financial Fair Play (FFP) bestraft, darunter auch die „Scheichklubs“ Paris St. Germain und Manchester City. Die beiden prominentesten Vereine, immerhin Meister in England und Frankreich, wurden mit einer Geldstrafe in Höhe von 60 Millionen Euro (davon 40 Millionen Euro auf Bewährung), einer Beschränkung des für die UEFA-Klubwettbewerbe gemeldeten Spielerkaders (21 statt 25 Profis) sowie Vorgaben für die Transfer- und Gehaltsausgaben belegt. Die UEFA fordert die strikte Einhaltung eines Finanzplans.

Was wird den Vereinen zur Last gelegt?

Grundsätzlich haben sie über ihren Verhältnissen gelebt, was die UEFA mit dem FFP einschränken will. Den Klubs soll geholfen werden, sich selbst zu helfen. In den Fällen Manchester und Paris standen vor allem die Zahlungen der potenten Geldgeber aus Abu Dhabi (City) und Katar (PSG) im Fokus, die Defizite immer wieder aus der eigenen Tasche ausgeglichen oder völlig überzogene Transferdeals eingefädelt haben. Mit dem FFP will die UEFA den sogenannten Break-even-Point in den Klubfinanzen erzwingen, also, dass nur so viel ausgegeben wird, wie der Verein auch tatsächlich verdient.

Ist die Entscheidung endgültig?

Ja, zumindest wenn es nach den bestraften Vereinen und er UEFA geht. Die unterzeichneten Sanktionen sind sogenannten Vergleichsangebote, denen beide Parteien – wenn auch anscheinend zähneknirschend – zugestimmt haben. Allerdings könnten andere Vereine in den jeweiligen Ligen bei der UEFA eine Beschwerde über zu lasche Strafen einlegen – die im Kampf um die internationalen Plätze vermeintlich immer noch zu Ungerechtigkeiten führen.

Wie hart trifft die Strafe die Vereine?

Es hält sich in Grenzen. Sowohl Paris als auch Manchester ließen unmittelbar nach der UEFA-Entscheidung zumindest offiziell verlauten, dass sie dennoch voll im Plan liegen und sowieso vor hatten, den Vorgaben zu folgen. Geld spielt ohnehin keine Rolle, die 60 bzw. 20 Millionen Euro sind nicht der Rede wert. Schwerer wiegen die Beschränkung des Spielerkaders für die Champions League sowie die Restriktionen für Transfer- und Gehaltsausgaben. Beide Klubs haben jedoch bereits einen äußerst schlagkräftigen Kader und zählen auch ohne Neuzugänge zu den absoluten Topfavoriten im europäischen Fußball. Die bestraften Vereine tragen allerdings ab sofort das Brandzeichen der Schuldenmacher und Finanzsünder.

Welche Steigerung gibt es noch?

Speziell in den Fällen Paris und Manchester kann bei weiteren Verstößen gegen das FFP die Strafe nur lauten: Ausschluss aus der Champions League.

Müssen auch Bundesligisten die UEFA fürchten?

Nein. Hierzulande werden Verstöße gegen das Financial Fair Play allein schon durch die Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball Liga (DFL) verhindert. Dass ein Klub so sehr über die Stränge schlägt, dass in Nyon die Alarmglocken schrillen, ist fast unmöglich. Auch deshalb dürfte das Durchgreifen der UEFA in der Bundesliga äußerst positiv aufgenommen werden.

Hilft das Financial Fair Play tatsächlich gegen die finanzielle Ungleichheit im europäischen Fußball?

Jein. Zwar machen die jüngsten Bestrafungen durchaus den festen Willen der UEFA deutlich, das FFP auch durchzusetzen – das finanzielle Ungleichgewicht hat aber viele Gründe. Beispielsweise fließt in England und Spanien mehr Geld für TV-Verträge. Dass Vereine aus den anderen großen Ligen offensichtlich mehr investieren (können) als deutsche Vertreter, war auch vor dem Einzug der Scheichs und US-Investoren in den Fußball der Fall.

Ein Wechsel sei jedoch gescheitert, weil die Offerten entweder dem FC Getafe oder dem Spieler nicht gefallen hätten, berichtete das Blatt am Donnerstag.

Die spanische Spielergewerkschaft AFE kündigte eine Klage gegen die Profi-Liga an. Sie kritisierte, dass mehrere Vereine die neue Finanzregel als Druckmittel benutzten, um die Fußballer dazu zu bewegen, Gehaltssenkungen zu akzeptieren.

Von

dpa

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