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16.04.2012

20:55 Uhr

Finanz-Urteil

Fußball-Nationalspieler betreiben ein Gewerbe

VonHeike Anger

Ist ein Profifußballer der deutschen Nationalmannschaft ein Gewerbetreibender oder nicht? Der Bundesfinanzhof entschied nun zugunsten der Finanzämter. Das könnte künftig viele Berufssportler betreffen.

Werbeaufnahmen mit dem Fußball-Nationalspieler Philipp Lahm: In bestimmten Situationen gelten Fußballer als Gewerbetreibende. dpa

Werbeaufnahmen mit dem Fußball-Nationalspieler Philipp Lahm: In bestimmten Situationen gelten Fußballer als Gewerbetreibende.

BerlinTragen die Kicker der Fußball-Nationalmannschaft bei Spielen oder Lehrgängen die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) gestellte Sportkleidung mit Werbeaufdrucken oder nehmen sie an Werbeterminen mit der Nationalmannschaft teil, werden sie zu Gewerbetreibenden. Das entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem gestern veröffentlichten Urteil (Az: X R 14/10). Die aus ihrer Vermarktung erzielten Einnahmen müssen die Spieler entsprechend versteuern.

Im konkreten Fall hatte ein Profifußballer geklagt, der bei einem Bundesligaverein unter Vertrag stand. Als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft nahm er im Zuge der WM 2002 an Promotion-Maßnahmen des DFB teil. Den dafür erhaltenen Verrechnungscheck deklarierte er als Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit. Seine Begründung: Durch seinen Arbeitsvertrag sei er verpflichtet, für die Nationalmannschaft bereitzustehen. Seine Tätigkeit für den DFB übe er daher nicht selbstständig aus.

Die Finanzverwaltung erkannte indes eine gewerblich-unternehmerische Tätigkeit des Spielers und verlangte Gewerbesteuer. Dies bestätigte der BFH nun. Die Unternehmerinitiative des Nationalspielers sah er darin, dass dieser bei den Werbeleistungen nicht in eine betriebliche Organisation seines Vereins oder des DFB eingegliedert war und in seiner Entscheidung, ob er werben wolle, noch hinreichend frei war.

„Das Urteil wird erhebliche Auswirkungen haben, zunächst weil es eine große Zahl von Berufssportlern betrifft“, sagte Konstantin Mettenheimer von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Darüber hinaus verschiebe es die Grenze zwischen Arbeitseinkünften und gewerblichen Einkünften zulasten der Sportler. „Jetzt wird man ausloten müssen, wie weit Werbeeinnahmen aus der Zugehörigkeit zu mehreren Mannschaften in einem Arbeitsvertrag zusammengefasst werden können oder ob zwei Anstellungsverträge notwendig sind“, meint der Steuerexperte.

Kommentare (1)

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17.04.2012, 11:03 Uhr

Dann werden sich auch die letzten Spitzensportler formal in Steueroasen niederlassen.
Eigentlich sollten sie dann aber auch nicht mehr in unserer Nationalmannschaft spielen oder unter unserer Flagge starten dürfen.

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