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07.03.2016

16:01 Uhr

Finanzblase im Fußball

„Ruinöser Wettbewerb mit irrationalen Übertreibungen“

VonThomas Schmitt

Im Fußball schießen Gehälter und Ablösesummen in irrwitzige Höhen. Vernunft spielt keine Rolle mehr. Kritiker sehen Spekulationswellen und fragen: Wann platzt die Blase? Ein Sportökonom warnt vor neuer Ungerechtigkeit.

Die Fifa hat vor einigen Jahren Regeln für Fairplay eingeführt. Nun werden sie wieder aufgeweicht - wegen der Premier League, die im Geld schwimmt. AFP; Files; Francois Guillot

Geld im Fußball

Die Fifa hat vor einigen Jahren Regeln für Fairplay eingeführt. Nun werden sie wieder aufgeweicht - wegen der Premier League, die im Geld schwimmt.

Professor Eike Emrich lehrt Sportökonomie und Sportsoziologie an der Universität des Saarlandes. 2015 hat er den Aufsatz „Falsches Spiel im Sport“ veröffentlicht, in dem es um Wettbewerbsverzerrungen geht.

Herr Professor Emrich, eine Handvoll Klubs, oft mit reichen Sponsoren, dominiert den Fußball in Europa. Bleibt der Rest auf der Strecke?
Die Fifa hat mit der Saison 2011/2012 das Financial Fairplay eingeführt. Das soll, einfach gesagt, Einnahmen und Ausgaben der Klubs in Einklang bringen und den Einfluss von Großinvestoren zurückdrängen. Das Problem ist jedoch, dass der englische Fußball über derart hohe Mittel aus der Vergabe von Fernsehrechten verfügt, dass die Klubs im restlichen Europa wieder Investoren brauchen, um konkurrenzfähiger zu werden. 

Was kann man dagegen tun?
Wahrscheinlich werden die Regeln des Financial Fairplay gelockert. Zum Glück schießt das meiste Geld nicht immer am meisten Tore, Fußball ist eben im Ergebnis auch zufallsabhängig. 

Fairplay bei den Klubfinanzen wird es also nie geben?
In vollem Umfang wohl eher nicht. Die Regeln für Financial Fairplay werden aktuell wieder aufgeweicht, wohl um Konkurrenzfähigkeit mit der Premier League herzustellen. Das sieht man an Paris SG, wo jetzt doch wohl katarisches Geld zugelassen wird. Eine Strafe der Uefa hat es jedenfalls nicht gegeben.

Rekorde im Fußball: Die höchsten Transfers aller Zeiten

Platz 1

Gareth Bale zu Real Madrid für rund 100 Millionen Euro

Platz 2

Cristiano Ronaldo zu Real Madrid für 94 Millionen Euro

Quelle: Transfermarkt.de

Platz 3

Neymar zum FC Barcelona für 88,20 Millionen Euro

Platz 4

Luis Suárez zum FC Barcelona für 81 Millionen Euro

Platz 5

James Rodríguez zu Real Madrid für 80 Millionen Euro

Platz 6

Ángel Di María zu Manchester United für 75 Millionen Euro

Platz 7

Kevin De Bruyne zu Manchester City für 74 Millionen Euro

Platz 8

Zinédine Zidane zu Real Madrid für 73,50 Millionen Euro

Platz 9

Zlatan Ibrahimovic zum FC Barcelona für 69,50 Millionen Euro

Platz 10

Kaká zu Real Madrid für 65 Millionen Euro

Schafft dies nicht neue Ungerechtigkeiten?
Vermutlich ja. Paris SG zahlt keine Strafe und geht mit einem relativ großen Defizit in die nächste Saison, das mit großzügigem Geld großer Kapitalanleger ausgeglichen werden soll. Kein Wunder, dass Spielergehälter und vor allem Transfersummen schon wieder in die Höhe schießen, Spielervermittler sich die Hände reiben und sich das Buhlen um Kapitalanleger verstärkt. 

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Der FC Barcelona ist der erfolgreichste Fußballklub der Welt – aber auch eine straff geführte Firma. Sport ist hier nur wichtiger als Geld. Aber damit das System funktioniert, braucht es langsam den nächsten Messi.

Wenn mehr Geld im Umlauf ist, könnte die Bundesliga doch davon profitieren.
Sicher, aber dafür brauchen die Bundesligaklubs Investoren und/oder in Zukunft vermehrte Einnahmen aus der Vergabe von Fernsehrechten. Allerdings begrenzen in der Bundesliga engere Finanzvorschriften den Einfluss von großen Fremdkapitalanlegern, was wiederum deren Anreiz zu investieren wieder reduziert. 

Wie sollten die Klubs der Bundesliga auf die Finanzspirale reagieren?
Sie können hoffen, dass die Finanzblase aus der Vermarktung der Fernsehrechte in England 2019 platzt und parallel müssen sie auf steigende Einnahmen in diesem Bereich in Deutschland hinwirken, um die wettbewerbsverzerrende Differenz zu verkleinern. Unabhängig davon sollten sie weiter auf eigene Nachwuchsarbeit setzen.

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