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03.08.2012

15:55 Uhr

Finanzielle Gratwanderung

Gefahrenzone zweite Liga

VonFrederic Spohr

Heute startet die zweite Fußball-Bundesliga. Absteiger wie Hertha BSC und 1. FC Köln sind finanziell angeschlagen, dürfen aber nicht zu sehr sparen. Denn das nur drei Jahre lang profitieren sie von ihrer Vergangenheit.

Die Einnahmen aus den TV-Übertragungen sind ein wichtiger für den schnellen Wiederaufstieg: Drei Jahre lang profitieren Absteiger noch von ihrer Zeit aus der ersten Liga, doch von Jahr zu Jahr wird der Bonus kleiner. dpa

Die Einnahmen aus den TV-Übertragungen sind ein wichtiger für den schnellen Wiederaufstieg: Drei Jahre lang profitieren Absteiger noch von ihrer Zeit aus der ersten Liga, doch von Jahr zu Jahr wird der Bonus kleiner.

FrankfurtIngo Schiller, Finanzchef bei Hertha BSC Berlin, hat eine aufreibende Zeit hinter sich. Nach den Ausschreitungen beim Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf und dem darauf folgendem rechtlichen Scharmützel wusste der Vereinsmanager wochenlang nicht, ob er nun für die erste oder zweite Liga planen soll - ob er im kommenden Geschäftsjahr fast 50 Prozent weniger Umsatz macht, oder nicht. „Diese Ungewissheit war das Schlimmste“, sagt Schiller.

Schließlich entschied das Sportgericht gegen Berlin und der Verein musste absteigen. Das Budget der Hertha schrumpft in der kommenden Saison radikal: 50 Prozent weniger Sponsoren und Fernsehgelder, 30 Prozent weniger Zuschauereinnahmen. „So ein Abstieg ist finanziell eine unglaublich große Herausforderung für einen Verein“, sagt Schiller. Der Spieler-Etat der Hertha verkleinerte sich von 27 Millionen auf nur noch 13 Millionen Euro. Auch in der Geschäftsstelle sind künftig 14 Mitarbeiter weniger beschäftigt.

Solche harten Einschnitte sind keine Ausnahme: Der finanzielle Abstand zwischen den Ligen wächst. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Umsätze der ersten und zweiten Liga zwar beide verdoppelt, doch der absolute Abstand zwischen den  Profiligen ist dadurch deutlich gestiegen. Die neusten Zahlen aus dem Bundesligareport 2012 sind noch von der Saison 2010/ 2011: Danach machte die Bundesliga Umsätze in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die zweite Liga kommt gerade einmal auf 350 Millionen Euro. Die Vereine der zweiten Spielklasse sind außerdem weniger solide: Im Gegensatz zur ersten Liga waren mehr als die Hälfte der Klubs in den roten Zahlen.

Spielertransfers in der 2. Bundesliga, Teil 1

Hertha BSC Berlin

Zugänge: Peer Kluge (Schalke 04 / 250.000 Euro), Sami Allagui (Mainz 05 / 1,6 Millionen Euro), Marcel Ndjeng (FC Augsburg), Sandro Wagner (Werder Bremen), Ben Sahar (Espanyol Barcelona / alle ablösefrei), Elias Kachunga (Borussia Mönchengladbach / ausgeliehen), Shervin Radjabali-Fardi (Alemannia Aachen / war ausgeliehen), Marvin Knoll (Dynamo Dresden / war ausgeliehen), Daniel Beichler (SV Ried / war ausgeliehen), Harry Mukhtar, Philip Sprint (beide eigene Jugend)

Abgänge: Raffael (Dynamo Kiew / 10 Millionen Euro), Andreas Ottl (FC Augsburg), André Mijatovic (FC Ingolstadt), Tunay Torun (VfB Stuttgart / alle ablösefrei), Patrick Ebert (Real Valladolid), Maikel Aerts, Abu Bakarr Kargbo, Christian Lell (alle unbekannt)

1. FC Köln

Zugänge: Matthias Lehmann (Eintracht Frankfurt), Dominic Maroh (1. FC Nürnberg), Thomas Bröker (Fortuna Düsseldorf / alle ablösefrei), Tobias Strobl (1899 Hoffenheim / ausgeliehen), Daniel Royer (Hannover 96 / ausgeliehen), Adam Matuschyk (Fortuna Düsseldorf / war ausgeliehen), Kevin Wimmer (LASK Linz / 200.000 Euro), Thomas Kessler (Eintracht Frankfurt / war ausgeliehen), Bienvenue Basala-Mazana (SV Ried / war ausgeliehen), Reinhold Yabo (Alemannia Aachen / war ausgeliehen), Konstantinos Giannoulis (Atromitos Halkidona / Griechenland / war ausgeliehen), Jonas Hector, Lukas Kübler, Kacper Przybylko, Dino Bisanovic (alle eigene zweite Mannschaft), Fabian Schnellhardt, Marcel Schuhen (beide eigene Jugend)

Abgänge: Lukas Podolski (FC Arsenal / 12 Millionen Euro), Sascha Riether (FC Fulham / ausgeliehen), Taner Yalcin (Istanbul BBSK / 300.000 Euro), Mitchell Weiser (Bayern München / 500.000 Euro), Simon Terodde (Union Berlin / 200.000 Euro), Stephan Salger (Arminia Bielefeld / 150.000 Euro), Martin Lanig (Eintracht Frankfurt), Miro Varvodic (FK Qarabag / Aserbaidschan), Mark Uth (SC Heerenveen), José Pierre Vunguidica (SV Wehen Wiesbaden / alle ablösefrei), Ammar Jemal (Young Boys Bern / war ausgeliehen), Henrique Sereno (FC Porto / war ausgeliehen), Petit, Andrézinho (beide unbekannt), Pedro Geromel, Michael Rensing, Milivoje Novakovic, Alexandru Ionita, Christopher Schorch (alle z.T. freigestellt)

1. FC Kaiserslautern

Zugänge: Mohamadou Idrissou (Eintracht Frankfurt / 450.000 Euro), Enis Alushi (SC Paderborn), Mimoun Azaouagh (VfL Bochum), Enis Hajri (Henan Construction / China), Kwame Nsor (FC Metz), Albert Bunjaku (1. FC Nürnberg), David Hohs (Alemannia Aachen / alle ablösefrei), Ilian Micanski (FSV Frankfurt / war ausgeliehen), Chadli Amri (FSV Frankfurt / war ausgeliehen), Gil Vermouth (De Graafschap Doetinchem / war ausgeliehen), Denis Linsmayer, Andrew Wooten, Hendrick Zuck (eigene zweite Mannschaft), Marius Müller (eigene Jugend)

Abgänge: Nicolai Jörgensen (Bayer Leverkusen / war ausgeliehen), Oliver Kirch (Borussia Dortmund / 400.000 Euro), Christian Tiffert (Seattle Sounders), Marco Knaller (Wolfsberger AC / Österreich), Clemens Walch (SV Ried / alle ablösefrei), Dorge Kouemaha (FC Brügge / war ausgeliehen), Lucas (Bayer Leverkusen / war ausgeliehen), Thanos Petsos (Bayer Leverkusen / war ausgeliehen), Olcay Sahan (Besiktas Istanbul / 800.000 Euro), Richard Sukuta-Pasu (Sturm Graz / ausgeliehen), Jakub Swierczok (GKS Piast Gleiwitz / ausgeliehen), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt / 1,5 Millionen Euro), Sandro Wagner (Werder Bremen / war ausgeliehen)

FC St. Pauli

Zugänge: Daniel Ginczek (Borussia Dortmund / ausgeliehen), Akaki Gogia (VfL Wolfsburg / ausgeliehen), Lennart Thy (Werder Bremen), Robin Himmelmann (Schalke 04), Sören Gonther (SC Paderborn), Florian Mohr (SC Paderborn), Florian Kringe (Borussia Dortmund / alle ablösefrei), Carlos Zambrano (Schalke 04 / 600.000 Euro), Marcel Andrijanic (eigene zweite Mannschaft), Florian Kirschke (eigene zweite Mannschaft)

Abgänge: Fabio Morena (SV Sandhausen), Moritz Volz (1860 München), Davidson Drobo-Ampem (Esbjerg fB / Dänemark), Rouwen Hennings (Karlsruher SC), Carsten Rothenbach (VfL Bochum / alle ablösefrei), Lasse Sobiech (Borussia Dortmund / war ausgeliehen), Max Kruse (SC Freiburg / 600.000), Petar Sliskovic (FSV Mainz 05 / war ausgeliehen), Philipp Heerwagen (VfL Bochum / war ausgeliehen), Petar Filipovic, Ole Springer, Charles Takyi, Deniz Naki (alle unbekannt)

SC Paderborn 07

Zugänge: Manuel Gulde (1899 Hoffenheim), Tobias Kempe (Erzgebirge Aue), Patrick Ziegler (SpVgg Unterhaching), Mario Vrancic (Borussia Dortmund II), Tobias Feisthammel (Alemannia Aachen), David Poljanec (Blau-Weiß Linz), Massimo Ornatelli (Preußen Münster/alle ablösefrei), Manuel Zeitz (1. FC Nürnberg / ausgeliehen), Deniz Yilmaz (FSV Mainz 05 / ausgeliehen), Philipp Hofmann (Schalke 04 / ausgeliehen), Sebastian Lange (SC Wiedenbrück / war ausgeliehen), Christian Rasche (eigene zweite Mannschaft)

Abgänge: Nick Proschwitz (Hull City / 2,5 Millionen Euro), Matthew Taylor (Preußen Münster / 50.000 Euro), Mehmet Kara (Genclerbirligi Ankara / 300.000 Euro), Florian Mohr (FC St. Pauli), Sören Gonther (FC St. Pauli), Enis Alushi (1. FC Kaiserslautern), Sergej Schmik (SV Wilhelmshaven), Sören Brandy (MSV Duisburg / alle ablösefrei), Lukas Rupp (Borussia Mönchengladbach / war ausgeliehen), Jens Grahl (1899 Hoffenheim / war ausgeliehen), Rolf-Christel Guié-Mien, Yasin Kocatepe (beide unbekannt)

TSV 1860 München

Zugänge: Grzegorz Wojtkowiak (Lech Posen), Moritz Volz (FC St. Pauli), Marin Tomasov (NK Zadar / Kroatien), Ismael Blanco (Legia Warschau / alle ablösefrei), Moritz Stoppelkamp (Hannover 96 / 200.000 Euro), Grigoris Makos (AEK Athen / 300.000 Euro), Korbinian Vollmann (SpVgg Unterhaching / war ausgeliehen), Liridon Vocaj (eigene Jugend)

Abgänge: Stefan Aigner (Eintracht Frankfurt), Eke Uzoma (Pécsi MFC), Jonatan Kotzke (Jahn Regensburg), Sandro Kaiser (1. FC Heidenheim), Daniel Hofstetter (SpVgg Unterhaching), Stefan Buck (Bayern München II), Antonio Rukavina (Real Valladolid / alle ablösefrei), Kevin Volland (1899 Hoffenheim / war ausgeliehen), Benjamin Schwarz, Djordje Rakic (beide unbekannt), Collin Benjamin (Karriereende)

FC Union Berlin

Zugänge: Simon Terodde (1. FC Köln / 200.000 Euro), Björn Kopplin (VfL Bochum), Adam Nemec (FC Ingolstadt), Daniel Haas (1899 Hoffenheim / alle ablösefrei), Fabian Schönheim (FSV Mainz 05 / ausgeliehen), Roberto Puncec (Maccabi Tel Aviv / ausgeliehen), Björn Jopek (eigene Jugend)

Abgänge: Chinedu Ede (FSV Mainz 05 / 1,2 Millionen Euro), Philip Malinowski (Berliner AK), Boné Uaferro (FC Schalke 04 II), Ahmed Madouni (FC Nantes / alle ablösefrei), Santi Kolk, Jérome Polenz (beide unbekannt)

Eintracht Braunschweig

Zugänge: Jonas Erwig-Drüppel (FC Schalke 04 II), Björn Kluft (Preußen Münster), Kevin Kratz (Alemannia Aachen), Orhan Ademi (SC Rheindorf Altach / alle ablösefrei)

Abgänge: Benjamin Fuchs (Manisaspor / Türkei), Julius Reinhardt (Kickers Offenbach), Mathias Fetsch (Kickers Offenbach), Nico Zimmermann (VfR Aalen / alle ablösefrei), Markus Unger (eigene zweite Mannschaft)

Dynamo Dresden

Zugänge: Cüneyt Köz (Bayern München II), Markus Scholz (VfL Bochum II), Anthony Losilla (Stade Laval / Frankreich), Florian Fromlowitz (MSV Duisburg), Hasan Pepic (Karlsruher SC II), Idir Ouali (FC Le Mans / alle ablösefrei), Bjarne Thoelke (VfL Wolfsburg / ausgeliehen), Tobias Müller (eigene Jugend)

Abgänge: Wolfgang Hesl (Greuther Fürth), Martin Stoll (Karlsruher SC), Marcel Heller (Alemannia Aachen), Maik Kegel (Chemnitzer FC), Sascha Pfeffer (Chemnitzer FC / alle ablösefrei), Zlatko Dedic (VfL Bochum / war ausgeliehen), Marvin Knoll (Hertha BSC / war ausgeliehen), Clemens Walch (1. FC Kaiserslautern / war ausgeliehen), Gerrit Müller, Dennis Eilhoff, Alexander Schnetzler (alle unbekannt)

Für die meisten Absteiger gibt es deswegen nur ein Ziel: den direkten Wiederaufstieg schaffen. Denn je länger man unten ist, desto schwieriger wird es, aus dem Sumpf der Zweitklassigkeit wieder herauszukommen. „Nach drei Jahren in der zweiten Liga wird es extrem schwierig wieder nach oben zu kommen“, sagt Henning Vöpel, Sportökonom am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut. Nach dieser Zeit verabschieden sich treue Sponsoren, die Zuschauer haben immer weniger Lust ins Stadion zu kommen.

Vor allem aber sinken die Anteile an den Fernsehgeldern, die sich auch nach Ligazugehörigkeit bemessen. Dabei sind gerade Zweitliga-Klubs durchschnittlich stärker auf die TV-Einnahmen angewiesen als die Vereine der ersten Spielklasse. Doch etwa 80 Prozent des Geldes gehen an die Erstliga-Klubs, die restlichen 20 Prozent müssen sich die Vereine der zweiten Liga teilen. Drei Jahre lang profitieren Absteiger noch von ihrer Zeit aus der ersten Liga, doch von Jahr zu Jahr wird der Bonus kleiner. Die Vorsaison wird noch dreifach gewertet, die Saison vor drei Jahren nur nur einfach. Dann ist der Puffer aufgebraucht.

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