Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.02.2015

15:23 Uhr

Fortuna Düsseldorf

„Sportlichen Erfolg wollen wir nicht erkaufen“

VonMarcel Reich

In einem früheren Leben arbeitete Dirk Kall für die Telekom, nun führt er Fußballklub Fortuna Düsseldorf. Was die Unterschiede zwischen der Leitung eines Unternehmens und eines Fußballklubs sind, erzählt er im Interview.

Erst Magenta, dann Rot-Weiß: Kall kam von der Telekom zur Fortuna.

Dirk Kall von Fortuna Düsseldorf

Erst Magenta, dann Rot-Weiß: Kall kam von der Telekom zur Fortuna.

Fortuna Düsseldorf hat in den letzten zehn Jahren einen rasanten Aufstieg hingelegt. Von der vierten ging es bis in die erste Liga, aktuell spielt der Klub wieder um den Aufstieg in die deutsche Eliteliga. Im Interview erklärt Vorstands-Chef Dirk Kall (47) den Unterschied zwischen der Führung eines Unternehmens und eines Fußball-Klubs.

Herr Kall, wann ist Fortuna Düsseldorf reif für die erste Liga?
Hoffentlich bald. Als ich vor zehn Jahren dazukam, waren wir hier quasi nur eine Handvoll Menschen, viele davon, wie ich, ehrenamtlich. Zu Beginn war es wirklich schwierig, Sponsoren zu finden - wir hatten ja kaum etwas zu bieten. Auch als wir in die erste Liga aufgestiegen sind, waren wir als Verein ganz sicher noch nicht erstligareif aufgestellt, was durch die wirklich rasante sportliche Entwicklung aber ganz normal ist.
Wie machen Sie die Fortuna fit für die Bundesliga?
Die Kosten und Umsätze in den Ligen sind so dermaßen unterschiedlich: Wenn man absteigt, sind mit einem Schlag fast 50 Prozent der Umsätze weg – und das womöglich nur, weil ein Spieler den Pfosten getroffen hat und nicht das Tor. Unser Ziel ist es, uns langfristig in der ersten Liga zu etablieren. Dafür müssen wir jetzt investieren. Nicht nur in den Sport, sondern vor allem auch in den Nachwuchs.
Ist der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga wirklich so riesig?
Die Schere geht sehr weit auseinander. Zwischen den Fernseheinnahmen der ersten und zweiten Liga klaffen zum Beispiel Welten. In diesem Jahr bekommen wir 9,1ca. 9 Millionen Euro in der zweiten Liga, in unserem Erstligajahr waren es ca. 16 Millionen. Man kann es sich also gar nicht leisten, erst komplett die Strukturen hinzustellen, um aufzusteigen. Dafür fehlen dann einfach mal knapp zehn Millionen Euro.

Die Rekord-Absteiger der Bundesliga

1. FC Nürnberg

Bei bislang sieben Abstiegen in den Jahren 1969, 1979, 1984, 1994, 1999, 2003 und 2008 bringt der erneute Abstieg in dieser Saison den „Klubberern“ den zweifelhaften Titel des „Bundesliga-Rekordabsteigers“ ein.

Arminia Bielefeld

Die Leidensgeschichte der Arminia aus Bielefeld hat auch sieben Kapitel und begann 1972 auf der „Alm“, sie setzte sich 1979, 1985, 1998, 2000, 2003 und 2009, dem bislang letzten Bielefelder Bundesliga-Abstieg, in der „Schüco-Arena“ fort.

Hertha BSC Berlin

Die Hertha aus Berlin überraschte in dieser Saison mit guten Leistungen, stieg aber bereits sechs Mal aus der höchsten deutschen Fußballliga ab. Die Achterbahnfahrt begann 1965 und setzte sich über die Jahre 1980, 1983, 1991 und 2010 fort. Unvergessen bleibt der Abstieg 2012 nach dem Skandal im Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf.

VfL Bochum

Der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet spielt derzeit in der zweiten Bundesliga, weitestgehend ohne Chancen auf einen baldigen Aufstieg. Insgesamt sechs Mal stieg der VfL Bochum bereits aus der ersten Bundesliga ab. Allerdings beginnt die Serie erst in den Neunzigerjahren (1993, 1995 und 1999) und setzt sich über die Jahre 2001, 2005 und 2010 fort.

MSV Duisburg

Der Meidericher Sportverein stieg bislang sechs Mal aus der ersten deutschen Fußballliga ab (1982, 1992, 1995, 2000, 2006 und 2008). Nach einem gescheiterten Insolvenzverfahren rutschte der MSV Duisburg in der laufenden Saison in die dritte Liga ab.

Karlsruher SC

Mit einer furiosen Hinrunde in der zweiten Bundesliga weckte der KSC in Karlsruhe Aufstiegshoffnungen, konnte diese aber zum Ende der Saison nicht erfüllen. Abstiege gab es in der Geschichte des KSC häufig. Insgesamt sechs Mal (1968, 1977, 1983, stieg der Karlsruher Verein aus der ersten Bundesliga ab (1968, 1977, 1983, 1985, 1998 und 2009).

Fortuna Düsseldorf

Mit Abstiegen aus der ersten Bundesliga ist die Fortuna aus Düsseldorf vertraut. Insgesamt fünf Mal musste der Verein die Bundesliga verlassen, zuletzt im vergangenen Jahr. Die vier weiteren Abstiege liegen bereits einige Jahre zurück (1967, 1987, 1992 und 1997).

1. FC Köln

Düsseldorfs Konkurrent, der 1. FC Köln, stieg ebenfalls fünf Mal aus der höchsten deutschen Fußballliga ab. 1998, 20902. 2004, 2006 und 2012 musste der Kölner Verein die Bundesliga wegen Punktemangels verlassen. Als Meister der zweiten Bundesliga wird der 1. FC Köln in der nächsten Saison wieder im Oberhaus spielen.

FC St. Pauli

Der Hamburger Kiezklub FC St. Pauli aus Hamburg stieg bislang fünf Mal aus der Bundesliga ab (1978, 1991, 1997, 2002 und 2011). In der Saison 2014/2015 wird es höchstwahrscheinlich zum ersten Mal ein Hamburger Stadtderby in der zweiten deutschen Bundesliga geben.

KFC Uerdingen

Der KFC Uerdingen spielte Jahrzehnte in der deutschen Bundesliga, bis er 1996 nach einem dramatischen Abstiegskampf in die zweite Bundesliga wechseln musste und seitdem bis in die vierte Liga durchgereicht wurde. Fünf Mal stieg der Krefelder Stadtteilverein bislang aus der ersten Liga ab (1976, 1981, 1991, 1993 und 1996).

Sie waren bei der Telekom. Was ist in einem Fußballklub anders?
Im Fußball wird zwar gesagt, Geld schießt Tore, und auf die lange Sicht gesehen ist das wohl auch so. Dennoch kannst du den Erfolg im Fußball nicht immer planen. Ein besonders krasses Beispiel dafür war die Zweitligarelegation zwischen Darmstadt und Bielefeld zuletzt. Mal war Bielefeld in der zweiten Liga, ein Angriff später sah es wieder nach Darmstadt aus. Wenn ich da als Verantwortlicher auf der Tribüne gesessen hätte, wäre das kaum auszuhalten gewesen.
Warum?
Die Unterschiede zwischen zweiter und dritter Liga sind noch einmal viel gravierender. In Liga zwei gibt’s etwa neun Millionen Euro an Fernsehgeldern, in der dritten sind es noch ca. 800.000! Das ist ein riesiger wirtschaftlicher Unterschied. Da entscheiden manchmal Millimeter über Millionen: Geht der Ball an die Latte oder ins Tor? Das kann man also nur in Grenzen planen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×