Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.04.2014

09:29 Uhr

Frauenfußball-Macherinnen im Interview

„Kein Verein darf sich beschweren, es gehe zu schnell“

VonVictor Fritzen, Marc Renner

DFB-Direktorin Steffi Jones und Nationalmannschafts-Managerin Doris Fitschen sprechen über den Sponsoring-Coup mit der Allianz, die Professionalisierung des Frauenfußballs, die Zukunft des Pokalfinales in Köln und die Homophobie im Fußball.

Macherinnen des Frauenfußballs: DFB-Direktorin Steffi Jones (links) und Doris Fitschen, Managerin der Frauen-Nationalmannschaft und Abteilungsleiterin Marketing Frauenfußball, vor der DFB-Zentrale in Frankfurt. Frank Beer für Handelsblatt

Macherinnen des Frauenfußballs: DFB-Direktorin Steffi Jones (links) und Doris Fitschen, Managerin der Frauen-Nationalmannschaft und Abteilungsleiterin Marketing Frauenfußball, vor der DFB-Zentrale in Frankfurt.

FrankfurtLocker und gelöst erscheinen Steffi Jones (41), Direktorin für Frauen- und Mädchenfußball, und Doris Fitschen (45), Managerin der Frauen-Nationalmannschaft und Abteilungsleiterin Marketing Frauenfußball, zum Interview in der DFB-Zentrale in Frankfurt. Kein Wunder, haben die beiden in Schlüsselpositionen des deutschen Frauenfußballs verantwortlichen Ex-Nationalspielerinnen doch gerade erst einen Namenssponsor für die Frauen-Bundesliga gefunden und damit für eine Novum im deutschen Fußball gesorgt. Dass die Frauen-WM in Deutschland nun schon 1000 Tage her ist, war den beiden Hauptverantwortlichen für die Turnierorganisation bis zur Verabredung mit dem Handelsblatt gar nicht präsent. Die Zeit rast – und obwohl die beiden Managerinnen in den vergangenen Jahren ihren Sport deutlich weitergebracht haben, liegt noch viel Arbeit vor Ihnen.

Herzlichen Glückwunsch, Frau Fitschen: Sie sind nicht nur Managerin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft, sondern beim DFB auch für die Vermarktung des Frauenfußballs verantwortlich. Und haben jetzt den Versicherungskonzern Allianz als Namenssponsor für die Frauen-Bundesliga gewonnen – das ist ein echter Coup…
Fitschen: Ja, die Liga heißt ab der nächsten Saison für mindestens fünf Jahre „Allianz Frauen-Bundesliga“. Die Allianz war nicht nur nationaler Förderer der WM, sondern ist im WM-Jahr auch als Hauptsponsor der DFB-Frauen und als DFB-Partner eingestiegen. Weil beide Seiten mit dem Engagement sehr zufrieden sind, bauen wir das Sponsoring mit unserem Partner Allianz nun noch weiter aus. Maßgeblichen Anteil an dem Vertragsabschluss haben unser DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und die DFB-Marketingdirektion mit Denni Strich an der Spitze.

Wie hoch ist die Summe, die die Allianz investiert und wie wird sie verteilt?
Fitschen: Über die Summe haben wir Stillschweigen vereinbart. Der größte Teil geht an die Vereine, da diese viele Rechte zur Verfügung stellen und wir die Klubs durch die Vereinbarung ja auch stärken wollen.

Namenssponsoring für eine Liga ist ein Novum im deutschen Fußball…
Fitschen: … und ein Zeichen für die positive Entwicklung des Frauenfußballs und der Bundesliga. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein weltweit agierendes Unternehmen in dieser Liga engagiert und das Sponsoring ausweitet. Aber die bisherige Zusammenarbeit zeigt: Die Allianz und der Frauenfußball – das passt einfach. Und das bestätigt uns in dem, was wir in den vergangenen Jahren hier gemacht haben.

Namenssponsoring in ausgewählten Sport-Ligen

Tennis Point Bundesliga

Der Onlinehändler für Tennis-Equipment ist seit 2009 Partner des Deutschen Tennisbundes und unter anderem Namenssponsor der 1. Tennis-Bundesliga.

Beko Basketball-Bundesliga

Die Basketball-Bundesliga (BBL) wurde Ende Oktober 1996 als GmbH gegründet und startete mit 14 Mannschaften – damals unter der Bezeichnung Veltins Basketball Bundesliga. Von 2000 bis 2003 war das Textilunternehmen s.Oliver Hauptsponsor und Namensgeber der Liga. Seit 2009 firmiert sie unter dem Namen Beko Basketball Bundesliga.

DKB Handball-Bundesliga

Im August 2007 präsentierte der Deutsche Handball-Bund mit dem Automobilhersteller Toyota erstmals ein Namenssponsor für seine höchste Spielklasse. Seit der Saison 2012/2013 tritt die Deutsche Kreditbank als Namensgeber auf.

Barclays Premier League

Die höchste englische Fußball-Liga ist so etwas wie der Vorreiter auf diesem Gebiet. Bereits seit 1993 hat die Premier League einen Namenssponsor. Acht Jahre lang engagierte sich seither die Biermarke Carling, ehe Barclaycard für vier Jahre einstieg, eine Zweigniederlassung von Barclays. Die britische Bank ist seit nunmehr fast zehn Jahren Namensgeber der Premier League.

Liga BBVA

Auch bekannt als Primera División. Die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria tritt bereits seit 2008 als Namensgeber der ersten spanischen Fußballliga auf. In den Medien hat sich allerdings diese Bezeichnung bis heute nicht durchgesetzt.

tipp3-Bundesliga powered by T-Mobile

1997 spielten die besten Fußballer Österreichs erstmals in der max.mobil-Bundesliga. Nach der Übernahme des Konzerns durch die deutsche Telekom 2003 wurden die Folge-Spielzeiten unter dem Namen T-Mobile Bundesliga ausgetragen. 2008 stieg das Wettunternehmen tipp3 mit T-Mobile Austria in einen neuen Kooperationsvertrag ein.

Raiffeisen Super League

Die höchste Spielklasse im Schweizer Fußball wurde erstmals 2003 nach Axpo benannt. Der Energiedienstleister wurde 2012 durch die Raiffeisenbank abgelöst. In den (öffentlich-rechtlichen) Schweizer Medien wird die Genossenschaft allerdings nie genannt.

Spor Toto Süper Lig

2010 sicherte sich der Wettanbieter für fünf Jahre die Namensrechte an der 1., 3. und 4. türkischen Fußball-Liga. Spor Toto überweist jedes Jahr 22,5 Millionen US-Dollar.

T-Mobile Ekstraklasa

Sponsor war von 2004 bis 2005 der Mobilfunkanbieter Idea, der später in Orange umbenannt wurde. Deshalb trug die höchste polnische Fußballliga von September 2005 bis Mai 2008 den Titel Orange Ekstraklasa. Seit 2011 engagiert sich T-Mobile als Geldgeber und Namenssponsor. 

Erwirbt die Allianz mit dem Bundesliga-Deal weitere Rechte?
Fitschen: Neben dem Liganamen wird die Allianz auf den Trikotärmeln präsent sein. Vertragsbestandteil ist zudem, dass die Allianz etwa auf Banden werben und mit ihrem Logo verstärkt in Erscheinung treten wird. Zudem besteht die Möglichkeit, in allen zwölf Stadien rund um die Spiele bestimmte Marketing-Aktionen durchzuführen. Für die Allianz ist es vor allem wichtig, die Marke zu emotionalisieren – und uns hilft es bei dem Ziel, den Event-Charakter, den der Frauenfußball haben soll, weiter herauszuarbeiten.

Die Herren sträuben sich gegen diesen Weg der Zentralvermarktung...
Fitschen: Für den Frauenfußball ist das aus meiner Sicht der richtige Weg. Wir möchten ja mit der Liga in der Öffentlichkeit präsent sein – und da erhoffen wir uns von so einem starken Partner wie der Allianz natürlich auch kommunikative Unterstützung. Wir haben diese Idee sehr genau mit den Vereinen abgestimmt. Die sind durchweg begeistert – nicht nur von den frischen finanziellen Flüssen, sondern auch davon, mit einem derart renommierten Unternehmen assoziiert zu werden.

Schaut man sich nur Zuschauerzahlen in der Bundesliga an, dann ist die große Begeisterung von 2011 aber schon wieder abgeflaut. Es kommen nicht sehr viel mehr Fans als vor der WM…
Jones: Nehmen wir das Pokalendspiel oder ein Länderspiel: Beides ist etwas Besonderes und hat Eventcharakter. Die Fans reisen aus ganz Deutschland an, zum Länderspiel gegen Japan waren es im Juni in München 46.000. Fans für die Bundesliga kann ich dagegen nur lokal oder regional gewinnen. Da müssen wir auch in Zukunft realistisch bleiben. Es wird Topspiele wie das zwischen Wolfsburg und dem FC Bayern in dieser Saison mit über 8000 Fans geben. Es wird aber auch immer wieder Partien geben, bei denen nur 300 oder 400 Zuschauer sind. Da bringt es nichts, wenn wir irgendwelche utopischen Visionen haben. 

1000 Tage nach dem Ende der Heim-WM 2011 ist die Aufmerksamkeit für den Frauenfußball also nicht wieder geschwunden?
Fitschen: Nein, denn die WM war ein außergewöhnliches Event und uns war klar, dass wir dieses Level nicht halten können. Aber insgesamt ist die Aufmerksamkeit schon größer als vor der WM – vor allem in den Medien, wo viel umfangreicher berichtet wird. Und die Spielerinnen und die Trainerin haben einen höheren Bekanntheitsgrad. Das zeigt, dass der Frauenfußball eine gestiegene öffentliche Wahrnehmung hat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×