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01.07.2015

03:07 Uhr

Frauenfußball-WM

Deutschland verliert das Halbfinale

VonAxel Postinett

Amerika jubelt: Die Frauen-Auswahl steht im WM-Finale. In einem kampfbetonten Spiel gegen wie entfesselt spielenden US-Fußballerinnen hatte die deutsche Elf nie eine echte Chance. Ein Stimmungsbericht aus einer Sportsbar.

Die deutsche Torhüterin Nadine Angerer im WM-Halbfinale gegen das US-Team. dpa

Frauen-WM USA - Deutschland

Die deutsche Torhüterin Nadine Angerer im WM-Halbfinale gegen das US-Team.

San FranciscoElf der 18 Bildschirme in der Union Square Sportsbar sind an diesem Nachmittag in San Francisco für Fußball reserviert. Genau genommen neun für Frauenfußball, zwei für das Männerspiel Argentinien gegen Paraguay. Das Baseballspiel der Heimatmannschaft San Francisco Giants läuft nur auf einem Bildschirm. Drei Hardcore-Fans starren still und verbiestert auf das Spiel, während der Rest der gut gefüllten Sportsbar bei jedem Ballbesitz der deutschen Spielerinnen gequält aufstöhnt.

Die Erwartungen sind hoch. Frauenfußball hat seine Nische in den USA gefunden und genießt den Ruf der korruptionsfreien Fifa-Zone. Mit dem US-Team kann sich jeder gefahrlos verbrüdern - vom Hollywood-Superstar Tom Hanks bis zum Vizepräsidenten Joe Biden.

Amerikanische Sportfans sind allerdings schnelle Aktionen mit schneller Belohnung gewohnt. Basketballspiele haben schon mal dreistellige Ergebnisse, und beim American Football ist praktisch jeder Spielzug ein abgeschlossenes Spiel in sich. Das Null zu Null in diesem Fußball-Halbfinale dagegen zermürbt das Publikum. Trotzdem ist zu Beginn der 2. Halbzeit praktisch kein Sitzplatz mehr frei.

Und dann gibt es mehr Action als erwünscht: Elfmeter für Deutschland - verschossen! Die Bar tobt vor Schadenfreude.

Das Spiel wird ruppiger. Gelbe Karte für Annike Krahn, Elfmeter von Carli Lloyd - und Amerika führt. Riesengejohle. Die SF Giants spielen mittlerweile alleine auf ihrem Bildschirm vor sich hin. Auf Twitter wird bereits der Sieg gefeiert.

Für das Team der US-Frauen und den Sender Fox steht viel auf dem Spiel. Erreicht das US-Team das Finale, gilt als sicher, dass die bisherige Marke von 18 Millionen Zuschauern vom Frauenfußball-Finale 1999 locker und bei weitem überschritten wird.

Kelley O'Hara locht ein zum 2:0. Der Traum der Amerikanerinnen ist zum Greifen nahe. Die deutsche Elf findet einfach kein Mittel gegen die wie entfesselt aufspielende US-Damen. Während die Fans jubeln, läuft auf dem Baseball-Bildschirm Werbung. Mal wieder, so wie alle paar Minuten. 45 Minuten ununterbrochene Spannung, das ist für Amerikas Sportfans völlig ungewohnt.

Nach 90 Minuten hat Amerika neue Heldinnen. Und kommenden Sonntag geht es gegen Japan oder England. Das deutsche Team spielt zuvor um den dritten Platz. Im Grunde ist der für sie so undankbar wie der zweite.

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