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28.03.2016

15:39 Uhr

Freundschaftsspiel Frankreich-Russland

Französische Fußballer wollen Terror trotzen

Die französische Nationalelf kehrt am Dienstag erstmals seit den Terroranschlägen im November wieder ins Pariser Stade de France zurück. Böse Erinnerungen werden wach, doch sie sollen die Freude am Sport nicht besiegen.

Am13. November versuchte sich Antonio Rüdiger gegen den französischen Blaise Matuidi durchzusetzen. Von den Massakern außerhalb des Stadions wissen die Spieler während des Spiels noch nichts. dpa

Das Schockspiel

Am13. November versuchte sich Antonio Rüdiger gegen den französischen Blaise Matuidi durchzusetzen. Von den Massakern außerhalb des Stadions wissen die Spieler während des Spiels noch nichts.

Saint-DenisDie Szene haben vielen Fußballfans noch im Kopf: Das dumpfe Explosionsgeräusch und der irritierte Blick des französischen Verteidigers Patrice Évra, der gerade den Ball hat. Zu diesem Zeitpunkt wissen die Spieler an jenem 13. November noch nicht, dass sich wenige Meter vom Stade de France gerade ein Attentäter in die Luft gesprengt hat. Am Dienstag kehrt Frankreichs Nationalmannschaft erstmals seit den Pariser Terroranschlägen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zurück in ihr Stadion.

Zweieinhalb Monate vor der Europameisterschaft ist das Freundschaftsspiel gegen Russland für die EM-Gastgeber auch eine Gelegenheit, Sicherheits-Bedenken entgegenzutreten. Die Anschläge von Brüssel in der vergangenen Woche haben die Frage nach dem Schutz des Turniers noch stärker in den Vordergrund gerückt. „Die schönste, die stärkste Antwort auf den Terrorismus (...) ist das Leben“, sagte Premierminister Manuel Valls am Sonntag im Sender France 2. Frankreich sei in der Lage, die Sicherheit zu gewährleisten.

Angreifer Olivier Giroud machte klar, dass der Gang auf den Rasen am Dienstagabend Erinnerungen auslösen wird: „Bevor wir Sportler sind, sind wir menschliche Wesen. Das wird uns berühren, zurückzukehren.“ Frankreichs Trainer Didier Deschamps sagte im Vorfeld: „Niemand wird vergessen können, was passiert ist, aber wir dürfen nicht mit Furcht und Angst dorthin gehen.“ - „Das Stade de France ist unser Stadion.“

Verteidiger Christophe Jallet erklärte nach Angaben des Magazins „France Football“, es gebe keine Furcht im Team. „Wir werden unsere Gefühle beiseite lassen müssen“, so die Devise - für die Spieler ist es die letzte Chance, bei einem Länderspiel zu glänzen, bevor Deschamps Mitte Mai seinen vorläufigen EM-Kader bekanntgibt.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Am 13. November hatten drei Selbstmordattentäter im Umfeld des Stade de France ihre Bomben gezündet, während drinnen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich spielte (0:2). Ziel der Männer war es nach Angaben der Behörden eigentlich, ins Stadion zu gelangen. Die deutsche Elf verbrachte die Nacht in den Kabinen, die Franzosen verließen das Gebäude erst gegen 3.00 Uhr morgens.

Nun wird das Stadion wie schon bei einem Rugby-Spiel im Februar streng abgeschirmt. Alle Besucher müssen sich auf zwei Kontrollen einstellen, nach einem Bericht von RMC Sport werden neben den privaten Sicherheitsleuten gut 400 Polizisten im Einsatz sein. Laurent Simonin von der Polizeipräfektur sagte dem Sender, zusätzlich würden Scharfschützen positioniert, außerdem sei ein Team der Polizei-Spezialeinheit RAID im Stadion in Bereitschaft.

Sportlich erhoffen die Franzosen sich von der Partie Rückenwind vor der EM im eigenen Land, die das Viertelfinal-Aus bei der WM in Brasilien vergessen machen soll. Die Zwischenbilanz ist solide: Bei ihren letzten sieben Spielen kassierte die Équipe tricolore nur eine Niederlage gegen England, und diese Partie war vier Tage nach der Schreckensnacht von Saint-Denis nicht aussagekräftig. Erst am Freitag bezwangen sie die Niederlande verdient mit 3:2.

Vor dem Turnier stehen für die Franzosen noch zwei Freundschaftsspiele auf dem Programm, gegen Kamerun und Schottland. Am 10. Juni laufen die Männer in Blau dann wieder im Stade de France auf - für das EM-Eröffnungsspiel gegen Rumänien. Offen ist aber immer noch, ob der skandalumwitterte Top-Torjäger Karim Benzema bei der EM ein Comeback geben darf - eine Entscheidung soll bis zum 15. April fallen. Benzema hatte verletzt auch schon am 13. November gefehlt.

Anders als Blaise Matuidi. Der Mittelfeldspieler traf sich vor einigen Tagen auf Einladung der Sportzeitung „L'Équipe“ mit dem Sicherheitsmann, der damals einem Attentäter den Zugang verweigert hatte. Er sei ein bisschen traumatisiert, wie alle Spieler, erzählte der Spieler da. „Aber wir müssen zeigen, dass wir stärker sind als das.“

Von

dpa

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