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24.01.2017

12:15 Uhr

Friedhelm Funkel im Interview

„Ich bin authentisch geblieben“

Wenn einer weiß, wie's geht, dann er: Kein Trainer ist so oft aus der 2. Liga in die Bundesliga aufgestiegen wie Friedhelm Funkel. Mit 63 Jahren ist der in Krefeld lebende gebürtige Neusser noch kein bisschen müde.

Weit mehr als 1000 Spiele als Trainer oder Spieler, fünfmal in die Bundesliga aufgestiegen und mit 63 Jahren immer noch up to date. Friedhelm Funkel ist seit fast einem Jahr Trainer von Fortuna Düsseldorf – seinem zehnten Club als Chefcoach. Und Schluss soll noch lange nicht sein: Sein Vertrag läuft bis 30. Juni 2018. dpa

Friedhelm Funkel

Weit mehr als 1000 Spiele als Trainer oder Spieler, fünfmal in die Bundesliga aufgestiegen und mit 63 Jahren immer noch up to date. Friedhelm Funkel ist seit fast einem Jahr Trainer von Fortuna Düsseldorf – seinem zehnten Club als Chefcoach. Und Schluss soll noch lange nicht sein: Sein Vertrag läuft bis 30. Juni 2018.

DüsseldorfMit fünf Bundesliga-Aufstiegen sind Sie der Rekordhalter unter den Trainern. Kommt im Sommer ein weiterer mit Fortuna Düsseldorf hinzu?
Stadt und Stadion sind absolut reif für die Bundesliga. Da wollen wir auch mittelfristig wieder hin. Die Sehnsucht ist groß in Düsseldorf. Diese Sehnsucht zu erfüllen, ist mein Wunsch. Das macht hier mit den Leuten einfach totalen Spaß. Nur in diesem Jahr kann man das einfach nicht erwarten, nachdem die letzten drei Jahre katastrophal waren. Es ging jedes Jahr ein Stückchen weiter nach unten. Jetzt müssen wie uns in diesem Jahr erstmal stabilisieren. Da sind wir gut dabei.

Wer macht dann in diesem Jahr den Aufstieg perfekt?
Hannover 96 und der VfB Stuttgart marschieren nicht so leicht durch die Liga, wie sie gedacht haben. Auch weil Braunschweig ein ganz ernster Konkurrent ist. Aber Hannover mit dieser überragenden Offensivqualität und Stuttgart werden es direkt machen und dann Braunschweig. Ich glaube nicht, dass Braunschweig so einbrechen wird, dass Heidenheim oder Union Berlin noch heranrücken.

Sie kennen sich in beiden Ligen bestens aus. Was macht den Reiz der 2. Liga aus?
Das Besondere an unserer 2. Liga sind die Stadien. Wir haben hier tolle Arenen, auch weil viele Traditionsclubs abgestiegen sind. Aber selbst die kleinen Clubs haben alle neue Stadien. Auch in Heidenheim und Sandhausen. Das macht einfach Spaß, dort überall zu spielen. Man spielt auch nicht mehr nur vor 3000 oder 4000 Zuschauern. Die 2. Liga ist anspruchsvoller geworden und kein Sammelbecken mehr für Spieler, die ihre Karriere ausklingen lassen. Die jungen Spieler sehen diese Liga als Sprungbrett.

Mit Ihren 63 Jahren und Ihrem 64 Jahre alten Kollegen Peter Hermann sind Sie die Trainer-Dinos der 2. Liga. In puncto Berufserfahrung kann Ihnen niemand das Wasser reichen?
Peter und ich haben soviel Erfahrung und versuchen, das den Spielern auch zu vermitteln. Die Spieler wissen, dass sie uns nichts vormachen können. Wir sind auch immer noch Fußballer. Wir kicken im Training bei den Übungen im Kreis immer noch mit, weil wir noch fit sind. Dadurch hat man eine ganz natürliche Autorität. Sportchef Erich Rutemöller, Peter Hermann und ich haben fast 200 Jahre auf dem Buckel. Da gehen wir ganz locker mit um. Mit allen Bundesliga- und Zweitligaspielen als Spieler und als Trainer gibt es keinen, der mehr als ich hat. Das eine gigantische Zahl, ich habe als Trainer fast 500 Erstligaspiele. Da bin ich auch vorn im Ranking.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? In Zeiten, in denen viele junge Trainer den Markt überschwemmen, waren Sie nie lange ohne Job.
Das Erfolgsgeheimnis heißt Spaß und Freude. Ich spiele seit dem achten Lebensjahr Fußball, damals auf der Wiese zwischen den Häuserblocks mit Teppichstangen als Toren. Wenn man dann über Jahrzehnte sein Hobby zum Beruf machen kann, was kann einem Besseres passieren? Ich habe alles immer sehr realistisch und nüchtern gesehen. Ich habe mir keine Traumschlösser gebaut. Ich bin insgesamt sehr authentisch geblieben, das ist das Erfolgsrezept. Ich habe immer einen guten Draht zur Mannschaft gehabt, darum war ich auch bei vielen Vereinen solange.

Wie haben Sie sich in mehr als 25 Jahren Trainerleben verändert?
Ich bin gelassener geworden, das bringt die Berufserfahrung mit. Früher war ich nicht immer so. Da habe ich manchmal tagelang nicht geschlafen, wenn ich jemandem sagen musste, du spielst nicht. Heute mache ich das direkter. Aber wenn Spieler wie unser Alexander Madlung mal so hart kritisiert werden, dass es ins Persönliche geht, dann stelle ich mich davor und sag' das auch den Journalisten und spreche es offen an. Davor darf man keine Angst haben, in meinem Alter ohnehin nicht. Was soll mir noch passieren?

Von

dpa

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