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21.04.2015

08:44 Uhr

Führerschein-Affäre

Zeugen verpfeifen Marco Reus

Erneut ermittelt die Staatsanwaltschaft Dortmund gegen BVB-Profi Marco Reus. Wegen Fahrens ohne Führerscheins zahlte er eine saftige Geldstrafe. Zeugen sagen nun, er soll weit öfter am Steuer gesessen haben.

Marco Reus ist wegen Fahrens ohne Führerschein erneut ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. dpa

Fußballprofi unter Verdacht

Marco Reus ist wegen Fahrens ohne Führerschein erneut ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

DortmundDie Dortmunder Staatsanwaltschaft ermittelt erneut gegen Fußball-Nationalspieler Marco Reus wegen des Verdachts auf Fahren ohne Führerschein. Es werde geprüft, ob der 25-jährige Profi von Borussia Dortmund noch häufiger als bislang bekannt ohne Fahrerlaubnis am Steuer gesessen hatte, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Dienstag.

Reus hatte vergangenes Jahr wegen Fahrens ohne Führerschein in sechs Fällen einen Strafbefehl in Höhe von 540.000 Euro erhalten. Die Strafe war im Dezember rechtskräftig geworden. Es hätten sich daraufhin zahlreiche Zeugen gemeldet, die den Dortmunder Profi auch an weiteren Tagen hinter dem Steuer eines Autos gesehen haben wollen, sagte die Sprecherin. Die Angaben dieser Zeugen bezogen sich demnach auf mehrere Jahre. Die aktuellen Ermittlungen laufen laut Staatsanwaltschaft bereits seit Dezember 2014.

Ermittelt wurde im vergangenen Jahr auch, weil Reus bei einer Polizei-Kontrolle einen gefälschten niederländischen Führerschein vorgezeigt haben soll. Weil diese Ermittlungen schließlich eingestellt wurden, kamen Vorwürfe auf, wonach es bei der Dortmunder Justiz womöglich einen „Promi-Bonus“ gegeben habe.

Teure Strafbefehle für Fußball-Promis

Marco Reus

Marco Reus muss einen Strafbefehl über 540.000 Euro bezahlen, weil er ohne Führerschein gefahren ist. Auch andere Stars kosteten Konflikte mit dem Gesetz ein hübsches Sümmchen ...

Stefan Effenberg

2003 beantwortete Stefan Effenberg in einer Polizeikontrolle die Aufforderung, Führerschein und Fahrzeugpapiere vorzuzeigen mit einem eloquenten „Arschloch“ in Richtung des Beamten. Die Folge: 90.000 Euro Strafe, entschied das Amtsgericht Braunschweig.

Quelle: Bild

Tomasz Hajto

Nach seiner Fußballerkarriere verdiente sich der Ex-Schalker Tomasz Hajto ein Zubrot – als Zigarettenschmuggler. 2003 bedeutete das eine Strafe von 180.000 Euro wegen Hehlerei.

Patrick Ebert und Kevin-Prince Boateng

2009 demolierten Patrick Ebert und Kevin-Prince Boateng, zu dieser Zeit beide in Diensten von Hertha BSC Berlin, in der Hauptstadt insgesamt zwölf Autos. Beide akzeptierten anschließend einen Strafbefehl über je 56.000 Euro.

Christian Lell

2010 akzeptierte Christian Lell einen Strafbefehl über 42.000 Euro. Er verhinderte so, dass er vor Gericht musste: In der berühmten Disco „P1“ soll der damalige Bayern-Spieler einen Kellner geschlagen haben.

Thorsten Legat

Noch in D-Mark musste Thorsten Legat zahlen. 1997 akzeptierte der kernige Abwehrspieler nach einer Straßenschlägerei einen Vergleich über 90.000 D-Mark (ca. 46.000 Euro).

Gerald Asamoah

Reuevoll zeigte sich im März 2014 Gerald Asamoah: „Auch als Star kann man nicht machen was man will“. Der Ex-Schalker hatte sein Auto vor einen Baum gefahren – mit 1,4 Promille im Blut. Neben dem Blechschaden wurden für den Schalker 17.100 Euro fällig.

Der CDU-Abgeordnete Peter Biesenbach richtete eine entsprechende Anfrage an Justizminister Thomas Kutschaty (SPD). Er wollte wissen, warum die falschen Papiere nicht zur Anklage gekommen sind und warum nicht ermittelt wurde, ob es mehr Fahrten ohne Führerschein gab.

Reus, der die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wegen einer Verletzung verpasst hatte, verlängerte im Vorjahr seinen Vertrag bei den Dortmundern bis zum Jahr 2019. Neben den finanziellen Zugeständnissen des BVB dürfte auch die solidarische Haltung der Clubspitze in der Führerschein-Affäre den Ausschlag zugunsten der Borussia gegeben haben. Clubchef Hans-Joachim Watzke und der zum Saisonende scheidende Trainer Jürgen Klopp hatten dem Sünder demonstrativ den Rücken gestärkt.

Reus war 2012 für 17 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zum BVB gewechselt. In den bisherigen drei Spielzeiten entwickelte sich der Offensivstar zum Leistungsträger und Publikumsliebling. Pikant: Die Höhe des Strafbefehls hatte sich aus insgesamt 90 Tagessätzen zu je 6000 Euro errechnet. Ab 91 Tagessätzen hätte Reus als vorbestraft gegolten.

Kommentare (4)

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Herr Thomas Ungläubig

21.04.2015, 10:47 Uhr

Das Denunziantentum funktioniert in diesem Spießerland noch immer bestens. Stasi 2.0 :–(

Herr John Harris

21.04.2015, 11:56 Uhr

O.k., der junge Mann hat Mist gebaut. Da werfe doch bitte den ersten Stein derjenige, der in jungen Jahren nie mal Unsinn veranstaltet hat. Dafür hat er dann ja auch reichlich bezahlt. Er ist (so weit bekannt) nicht betrunken gefahren und im Prinzip auch fahrtüchtig; natürlich darf er formell nicht Auto fahren.

Einen Promi-"Bonus" kann ich nicht erkennen, doch wohl eher einen Malus, wenn er mehr als eine Million Mark bezahlt hat. Er mag zwar viel verdienen, aber das dann auch nur noch bis die Knie nicht mehr wollen.

Dass man so ein Thema nicht endlich abhaken kann ist mir unbegreiflich, immer muss irgendein neunmal Kluger wieder nachtreten. Ach ja: "In Belgien wurde der Führerschein erst 1977 eingeführt" (http://tinyurl.com/qxetnlt)

Herr Peter Petersen

21.04.2015, 13:43 Uhr

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