Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.02.2017

20:16 Uhr

Für Hoeneß als Chefaufseher

Mitgefühl schlägt kalte Regeln

VonThomas Schmitt

In der inzwischen von Unternehmen geprägten Fußball-Bundesliga ist Uli Hoeneß ein Vorbild, wenn es um Unternehmensführung geht. Nicht nur dieser Sachverstand macht ihn zum wertvollen Bestandteil der Liga. Ein Kommentar.

Uli Hoeneß ist bestens als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München geeignet. AFP; Files; Francois Guillot

Der richtige Mann

Uli Hoeneß ist bestens als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München geeignet.

DüsseldorfDer Spitzenfußball ist wie eine große Familie. Jeder kennt jeden, auch wenn nicht jeder jeden mag. Gelegentlich streiten sich Trainer, Manager und Spieler heftig und emotional – und wenig später vertragen sie sich wieder. Animositäten sind in der Tagesordnung. Langjährige, wirklich tiefsitzende Feindschaften sind dagegen sehr selten – anders als bei manchen eingefleischten Fans.

Es ist daher kein Wunder, dass Uli Hoeneß nach seiner Haft als Steuersünder wieder umgehend in die Fußballfamilie aufgenommen worden ist. Dass er sogar in alte Ämter beim FC Bayern zurückkehrt, hat jedoch weniger mit Solidarität zu tun, sondern mit der großen Achtung vor seiner unternehmerischen und menschlichen Leistung.

Die in der Wirtschaft geführte Debatte über gute Unternehmensführung spielt hingegen im Fußball so gut wie keine Rolle. Die meisten Vereine haben sich zwar von eher chaotisch geführten Klubs zu solide gemanagten Wirtschaftsunternehmen entwickelt. Alle profitieren zudem vom Geld großer Konzerne. Der alte Vereinsgeist geistert dennoch weiter durch viele Köpfe.

Gegen Hoeneß als Chefaufseher: Der falsche Mann für den Aufsichtsrat

Gegen Hoeneß als Chefaufseher

Der falsche Mann für den Aufsichtsrat

Uli Hoeneß ist Aufsichtsratschef der FC Bayern München AG – ein schwarzer Tag für den deutschen Fußball.

Von der emotional geprägten Fußballfamilie zu verlangen, dass sie kalte Regeln aus der Wirtschaft einfach übernimmt, ist zu viel verlangt. Es passt nicht in das Weltbild der meisten Vereinsbosse, die großen Wert auf ihre Eigenständigkeit legen. Nicht umsonst gibt es hierzulande ja noch die Regel 50 +1, dass also kein Investor die Mehrheit an einem Klub halten darf (von historischen Ausnahmen abgesehen).

Überdies wissen die Macher in den Vereinen nur zu gut, wer am längeren Hebel sitzt. Großkonzerne wie Audi, Allianz oder Telekom kaufen sich ja gerade deshalb beim FC Bayern ein, weil sie von dessen strahlendem Image profitieren wollen. Und weil sie ihre eigenen Produkte emotional über den Fußball aufladen möchten, um im zweiten Schritt Umsatz und Gewinn zu steigern.

Weil diese Geschäftsstrategie im Fußball sensationell gut aufgeht, drängen immer mehr Unternehmen in die Branche. Manche Firmen warten nur darauf, dass ein Sponsor aufhört, um an dessen Stelle zu treten. Abstrakte Debatten über gute Unternehmensführung passen da schlecht zum Geschäft, vor allem wenn das Thema den meisten Fans auch noch weitgehend egal ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×