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12.01.2007

09:36 Uhr

Fußball

Beckham mit „größtem Vertrag der Geschichte“

Von den Galaktischen zu Galaxy. Fußball-Star David Beckham wechselt zwar erst im Sommer von Real Madrid zu Los Angeles Galaxy in die amerikanische Major League Soccer (MLS), doch die Vorfreude auf den Superstar ist bereits riesig.

David Beckham wechselt aus Madrid in die USA. Quelle: Reuters

David Beckham wechselt aus Madrid in die USA. Quelle: Reuters

dpa LONDON/LOS ANGELES. Jeden Morgen, wenn David Beckham in den nächsten fünf Jahren unter kalifornischer Sonne aufwacht, hat er über Nacht im Schlaf so viel verdient wie manch ein anderer im ganzen Jahr: 35 352 Euro.

Denn der Fußball-Superstar wird bei den Los Angeles Galaxy den „größten Vertrag der Geschichte“ („The Times“) unterschreiben. Der Kontrakt bringt ihm bis 2012 umgerechnet rund 194 Mill. Euro (250 Mill. Dollar) ein. Um den Wechsel zu ermöglichen hat die amerikanische Profiliga MLS extra ihre Statuten geändert, die bislang eine Gehalts-Obergrenze vorsahen. Nun darf jedes Team einen „Star-Spieler“ verpflichten. Los Angeles muss aber nur einen kleinen Teil von Beckhams Gehalt übernehmen.

Wie die britische „Times“ aufschlüsselt, erhält der bei Real Madrid als „Galaktischer“ bejubelte Mittelfeldspieler von Galaxy ein Spielergehalt von „nur“ zehn Mill. Dollar - immerhin fünf Mal so viel wie der Rest der Mannschaft zusammen. Beckham kassiert zukünftig an jedem verkauften Trikot, Poster und Fanschal mit. Diese Merchandising-Einnahmen werden auf jährlich zehn Mill. Dollar geschätzt, die gleiche Summe soll durch seinen Anteil am Jahresgewinn der LA Galaxy reinkommen. Da Beckham seine Imagerechte behält - bei Real musste er 50 Prozent abtreten - fließen sämtliche Einnahmen seiner privaten Werbeverträge in die eigene Tasche. Sponsoren wie Adidas, Motorola und Pepsi lassen es sich derzeit im Jahr über 20 Mill. Dollar kosten, um mit Beckham werben zu dürfen.

Trotz der beeindruckenden Zahlen betont der Ex-Kapitän der englischen Nationalmannschaft, finanzielle Gründe seien für seinen Wechsel nicht ausschlaggebend gewesen: „Auf der ganzen Welt ist Fußball groß, nur in Amerika nicht“, sagte Beckham. „Das möchte ich ändern.“ In Los Angeles hat der 31-Jährige bereits eine eigene Fußballschule für Kinder. „Ich wollte nicht erst mit 34 Jahren nach Amerika gehen, wenn alle Leute gesagt hätten „Er kommt nur des Geldes wegen“, sondern ich möchte eine Mannschaft aufbauen, die viel Potenzial hat.“

Diese Mannschaft wird von einem Landsmann trainiert, der bis 1996 für Ipswich in der Premier League noch selbst gegen Beckham kickte: dem in Watford geborenen Frank Yallop. „Für mich wird ein Traum wahr, David Beckham trainieren zu können. Er ist ein fantastischer Fußballer“, meinte Yallop und kündigte an: „Wir werden ihm den Ball so oft zuspielen müssen, wie wir nur können.“ Auch der Manager ist eine schillernde Persönlichkeit. Alexi Lalas wurde mit seinem langen roten Ziegenbart bei der WM 1994 im eigenen Land weltberühmt und wechselte anschließend als erster US-Fußballer in die italienische Serie A.

In der Major League Soccer ist schon die „Beckham-Mania“ ausgebrochen. „Er ist eine kulturelle Ikone. Selbst Leute, die nicht wissen, was für ein großartiger Fußballer er ist, kennen ihn. Sei es auf Grund seines Aussehens oder wegen seiner Frau“, sagte Lalas. „Beckham wird einen größeren Einfluss auf den Fußball in Amerika haben, als es je ein anderer Athlet auf den Sport in der ganzen Welt hatte“, prognostizierte gar Timothy Leiweke, Präsident der Anschutz Entertainment Group, dem Eigentümer der Los Angeles Galaxy.

In Beckham hat die amerikanische Fußball-Liga wieder einen Superstar. Ähnlich prominent wie der 31-Jährige waren zuletzt Franz Beckenbauer und Pele, die Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre in der North American Soccer League, dem Vorgänger der MLS spielten „Das ist großartig für Los Angeles und die MLS. Aber ich befürchte, dass viele Teams jetzt gleich zu Beginn gegen Galaxy spielen wollen, um Beckham aus dem Weg zu gehen“, meinte John Ellinger, Trainer von Real Salt Lake. Die MLS startet am 7. April in ihre 13. Saison.

Real Madrid trauert derweil mehr Beckhams Werbemillionen hinterher als seinem fußballerischen Talent. Die Finanzexperten des spanischen Rekordmeisters rechneten nach Presseberichten vom Freitag vor, dass der Club einen beträchtlichen Teil der Einnahmen von rund 290 Mill. Euro im vergangenen Geschäftsjahr der weltweiten Anziehungskraft des 31-jährigen „Spice Boy“ zu verdanken hatte. „Real kann es sich nicht leisten, auf ihn zu verzichten, denn er ist eine Ikone und als Profi ein Vorbild für die Mannschaft“, schrieb Emilio Contreras in „Marca“. „Hollywood hat nun den Star, der dort noch fehlte“, meinte das Sportblatt.

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