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19.12.2015

11:58 Uhr

Fußball-Bundesliga 2015

Milliardengeschäft blüht, Bayern glänzt

VonThomas Schmitt

FC Bayern dominiert die Bundesliga - wirtschaftlich wie sportlich. Borussia Dortmund ist erster Jäger. Die Bilanz zur Hälfte der Saison ist herausragend. Doch das ist keine Garantie, dass dies so bleibt. Ein Kommentar.

"Weihnachtsbär": Maskottchen Berni mit Vereinslogo wartet im Centro in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) bei der Eröffnung eines neuen Fanshops des FC Bayern auf Käufer. dpa

Fanartikel des FC Bayern München

"Weihnachtsbär": Maskottchen Berni mit Vereinslogo wartet im Centro in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) bei der Eröffnung eines neuen Fanshops des FC Bayern auf Käufer.

DüsseldorfHalbzeit der Bundesliga-Saison 2015/16: Volle Stadien, gesunde Vereine, glückliche Sponsoren und spannende Spiele. Doch Fußball ist mehr als die liebste Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Der Sport ist ein Wachstumsmotor für die Wirtschaft, er schafft Arbeitsplätze und kurbelt die Konjunktur für alle möglichen Dienstleister an. Auch in dieser Saison.

Rund zwei Milliarden Euro fließen allein bis zur Halbzeit in die Kassen der 18 Bundesliga-Klubs. Nur ein Bruchteil der Umsätze kommt inzwischen von den Zuschauern auf den Rängen selbst. Ein Grund: Die Preise sind im Vergleich England recht moderat – 30 Euro kostet ein Durchschnittsticket. 

Das große Geld verdient die Bundesliga indirekt – über Fernsehrechte, national wie international. Auch hier laufen die Deutschen den Engländern inzwischen weit abgeschlagen hinterher. Kein Wunder also, dass die Diskussion darüber in den vergangenen Wochen derart hochkochte. Um des schönen Image für Investoren willen schweigen die Streithähne nun vorerst.

Bundesliga: Gewinner und Verlierer der Hinrunde

Top 5

Robert Lewandowski: Der Pole schrieb am 22. September Fußball-Geschichte. Beim Stand von 0:1 gegen den VfL Wolfsburg wurde er nach der Pause eingewechselt und schoss fünf Tore in neun Minuten. Auch dank der bislang 15 Treffer des Weltklasse-Stürmers ist der FC Bayern München Herbstmeister.
Quelle: dpa

Top 4

André Schubert: Vom Interimscoach zur Dauerlösung. Der Nachfolger von Lucien Favre führte Schlusslicht Borussia Mönchengladbach mit sechs Siegen und insgesamt zehn ungeschlagenen Spielen wieder nach oben - und wurde mit einem Vertrag bis 2017 belohnt. Somit erledigte sich die Personalsuche von Manager Max Eberl von selbst.

Top 3

SV Darmstadt 98: Ein Stadion wie aus den 70er Jahren, aber eine Mannschaft mit Herz. Der Aufsteiger überraschte nach seinem Durchmarsch vom der 3. Liga und stand kein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz. Highlight für die Fans: Das 1:0 der aufblühenden „Lilien“ beim Erzrivalen Eintracht Frankfurt.

Top 2

Leroy Sané: Der neue Liebling des FC Schalke 04 - und Aufsteiger der Liga. Der 19-jährige Wirbelwind feierte beim 0:2 in Frankreich sein Debüt im Nationalteam - was angesichts der tragischen Umstände in der Nacht des Terrors von Paris unterging. Für die „Königsblauen“ ist er Gold und sicher mal ganz viel Geld wert: sein Vertrag läuft bis 2018.

Top 1

Pierre-Emerick Aubameyang: Als erster Bundesliga-Profi erzielte er in den ersten acht Begegnungen immer mindestens einen Treffer. 18 Tore in den ersten 16 Spielen - der Gabuner von Borussia Dortmund ist in der Form seines Lebens. Und nicht nur auf dem Rasen pfeilschnell unterwegs: privat fährt er einen goldfarbenen Lamborghini.

Flop 5

Alexander Zorniger: „Alternativlos“ sei seine Spielweise, sagte der Trainer des VfB Stuttgart immer wieder. Am Ende war sie nur erfolglos. Die Schwaben kamen nicht aus dem Tabellenkeller. Nach nur zehn Punkten aus 13 Spielen wurde der selbstbewusste Offensivfreund am 24. November vor die Tür gesetzt.

Flop 4

Lucien Favre: Sein überstürzter Abgang in Mönchengladbach am 20. September überraschte alle. Nach fünf Pleiten zum Saisonauftakt bot der Trainer seinen Rücktritt an, die Vereinsführung lehnte ab - und der Schweizer ging doch. „Bis ins Mark“, so Manager Max Eberl, traf den Champions-League-Teilnehmer diese Entscheidung.

Flop 3

1899 Hoffenheim: Stürzte nach dem Abgang von 41-Millionen-Euro-Juwel Roberto Firmino (zum FC Liverpool) ab. Konzepttrainer Markus Gisdol musste gehen, Feuerwehrmann Huub Stevens kam - und brauchte erstmal sechs Spiele für den ersten Sieg. Für den wenig geliebten Club von Milliardär Dietmar Hopp heißt es: Abstiegskampf - und wenig Mitleid

Flop 2

André Schürrle: Der Weltmeister ist jetzt bald ein Jahr beim VfL Wolfsburg - und immer noch nicht richtig angekommen. Die Ablöse von geschätzten 32 Millionen Euro lastet schwer auf dem früheren Chelsea-Profi. Zuletzt gab es sogar Pfiffe für den Flügelflitzer, der sich immer wieder verdribbelt und dem noch kein Liga-Tor gelang.

Flop 1

Die Schiedsrichter: Immer wieder spielentscheidende Fehler. Da nutzte auch die Einführung der Torkamera nichts. Die Unparteiischen um den künftigen EM-Referee Felix Brych, nach Bekunden des DFB-Verantwortlichen Herbert Fandel „die Besten der Welt“, haben im Wintertrainingslager auf Mallorca einiges aufzuarbeiten.

Eine Milliarde Euro pro Saison aus Fernsehrechten gilt inzwischen in der Liga als das Minimum für die nächsten Jahre. Solch ein TV-Deal – mit wem auch immer – würde das Bundesliga-Wachstum weiter befeuern. Derart viel Geld werden Fernsehanbieter aber nur locker machen, wenn sie diese Investitionen über Fans, Sponsoren und Werbung refinanzieren können.

Die Folge im Milliarden-Spiel Fußball wird also sein: Da die Arenen einer natürlichen Begrenzung unterliegen, wird das Stadionerlebnis medial immer häufiger ins Wohnzimmer verlegt. Und kostet da auch fünf, zehn, 20 oder 50 Euro im Monat – abhängig davon, welche ihrer Lieblinge die Fans sehen wollen und wie zeitnah zum Spiel sie sich das wünschen.

Für die Wirtschaft ist das sehr attraktiv, denn sie kann Millionen Fußballfans noch gezielter umgarnen. Einzelne Vereine und TV-Anstalten weiten ihre Medien-Abteilungen und Angebote dementsprechend auch bereits seit Jahren systematisch aus. Der Trend bedeutet andererseits: Alte Gewohnheiten müssen sich ändern.

Geschenkpapier mit dem Vereinslogo von Borussia Dortmund steht in einem Regal der BVB-FanWelt in Dortmund zum Verkauf. dpa

Gute Borussia

Geschenkpapier mit dem Vereinslogo von Borussia Dortmund steht in einem Regal der BVB-FanWelt in Dortmund zum Verkauf.

Wachstum im Fußballgeschäft braucht Exklusivität. Die für jedermann verfügbare, sogenannte freie Fußball-Berichterstattung, etwa die legendäre ARD-Sportschau, wird bei solchen Milliarden-Deals wohl hintendran stehen müssen. Es sei denn die Anstalten setzen massiv Gebührengelder ein. Was sehr fragwürdig wäre.

 

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