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01.02.2008

12:47 Uhr

Fußball Bundesliga

Hellmich: "Es ist ein steiniger Weg"

Sein Ziel, den MSV Duisburg in der Bundesliga zu etablieren, hat Walter Hellmich noch im Visier. In einem sid-Interview sprach der Aufsichtsratsvorsitzende über die Situation.

Vor der Saison versprach Walter Hellmich den Fans in der Aufstiegseuphorie, den MSV Duisburg in der Bundesliga zu etablieren. Nach der Hinrunde sind die "Zebras" nun Tabellenletzter. Doch der Aufsichtsratsvorsitzende hat den Mut noch nicht verloren. In einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) sprach Hellmich über den Saisonverlauf und seine Aussichten für die Zukunft.

sid: "Sie haben in dieser Saison mit den Brasilianern Ailton und Roque Junior nicht gerade Glück gehabt. Waren die Verpflichtungen ein Fehler?"

Hellmich: "Der MSV Duisburg ist nicht Bayern, Schalke oder Bremen. Ailton wäre zu seiner besten Zeit von uns nicht zu bezahlen gewesen. Wir hatten aber die Hoffnung, dass er uns weiterhelfen kann. Wir wussten aber auch, dass er nicht mehr der Ailton von vor vier Jahren ist. Wir wussten, dass wir ein Risiko eingehen, das in die Hose gehen kann. Wir haben es bewusst auf uns genommen."

sid: "Sind Sie denn auch menschlich von ihm enttäuscht?"

Hellmich: "Nein. Er ist ein netter Kerl. Wir haben viel mit ihm gesprochen. Er hat immer wieder Besserung gelobt, die ist leider ausgeblieben."

sid: "Und wie sieht es bei Roque Junior aus?"

Hellmich: "Da sind wir schon enttäuscht. Er hätte früher sagen müssen, dass es nicht mehr geht."

sid: "Für Transfers wird in Zukunft auch der neue Sportdirektor Bruno Hübner verantwortlich sein. Warum war dieser Posten beim MSV über viele Jahre nicht besetzt?"

Hellmich. "Die Suche war schwierig. Wir mussten den richtigen Mann finden. Ich kann doch nicht jemanden einstellen, von dem ich nicht zu einhundert Prozent überzeugt bin. Jürgen Kohler hat damals gesagt, er könne den Trainer- und den Sportdirektorposten bekleiden. Wir haben es versucht, es hat nicht zum Erfolg geführt."

sid: "Warum ist Bruno Hübner der richtige Mann?"

Hellmich: "Er hat mit dem SV Wehen Wiesbaden einen kleinen Verein von unten nach oben geführt. Er passt zu uns. Wir sind ein Arbeiterverein, der sich in der Bundesliga etablieren will. Wir können hier niemanden gebrauchen, der größenwahnsinnig ist."

sid: "Nach dem ersten Aufstieg haben sie gesagt, der MSV wolle sich als dritte Kraft im Ruhrgebiet hinter Schalke und Dortmund etablieren. Wie sieht die Zielsetzung heute aus?"

Hellmich: "Das muss auch weiter unser Ziel ein. Wir wollen dauerhaft in der ersten Liga spielen. Dann habe ich auch kein Problem damit, wenn Bochum Achter wird und wir Neunter."

sid: "Vor dem Rückrundenstart sind sie Tabellenletzter. Was muss sich ändern, damit sich der MSV dauerhaft im Oberhaus etablieren kann?"

Hellmich: "Wir müssen weiter hart arbeiten, damit der sportliche Erfolg kommt. Davon hängt alles ab. Aber es ist ein steiniger Weg."

sid: "Sind denn die finanziellen Voraussetzungen gegeben?"

Hellmich: "Ja, wir haben Eigenkapital. Das können nicht viele Vereine behaupten. Man muss doch auch sehen, wo wir herkommen. Als ich anfing, waren wir in der zweiten Liga und fast zahlungsunfähig."

sid: "Jetzt wurde die neue Europäische Klub-Vereinigung gegründet. Befürchten sie als Chef eines kleinen Vereins, dass die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer wird?"

Hellmich: "Die Schere geht weiter auseinander. Das ist klar. Ich empfinde deshalb aber keinen Neid. Wir müssen einfach weiter arbeiten, damit wir uns im Mittelfeld festsetzen und näher an die Top-Klubs heranrücken können."

sid: "Es ist über sie zu lesen, dass sie der letzte Patriarch der Liga seien. Was sagen sie dazu?"

Hellmich: "Das ist dummes Zeug. Jeder, der mich kennt, weiß, dass jeder mit mir reden kann. Als Chef muss man natürlich auch Entscheidungen treffen. Dadurch nehme ich viel Verantwortung auf mich. Dafür stecke ich auch Prügel ein und bekomme ab und an ein Lob. Aber insgesamt machen wir alles im Team. Daher bin ich auch als Unternehmer so erfolgreich. Menschlichkeit wird auch in meiner Firma ganz groß geschrieben."

sid: "Ihre Firma ist an vielen neuen Stadien beteiligt. An welchen Projekten arbeiten sie momentan?"

Hellmich: "Die Stadien in Aachen und St. Pauli befinden sich im Bau. Vorher waren es Wehen, Schalke und natürlich Duisburg. Hinzu kommen zehn bis fünfzehn Stadien in Europa."

sid: "Der MSV bleibt drin, weil ....?"

Hellmich: "... wir uns mit Kampf, Herz und Leidenschaft gegen den Abstieg stemmen werden."

sid: "Was würde denn ein Abstieg bedeuten?"

Hellmich: "Das wäre natürlich ein Rückschlag. Aber auch den würden wir wegstecken. Nach unserem letzten Abstieg sind wir als einziger Klub sofort wieder aufgestiegen. Wir haben eine Verpflichtung gegenüber der Stadt und den Menschen hier."

sid: "Im Laufe der Hinrunde gab es aber auch kritische Äußerungen einiger Fans gegen ihre Person. Wie gehen sie damit um?

Hellmich: "Damit muss man leben, auch wenn es weh tut. Aber es ist nur eine kleine Gruppe der Anhänger. Und mir abzusprechen, dass ich nicht alles für den Verein mache, ist absurd."

© SID

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