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31.01.2007

15:05 Uhr

Felix Magath muss "Auf Wiedersehen" bei FC Bayern sagen. Foto: dpa Quelle: dpa

Felix Magath muss "Auf Wiedersehen" bei FC Bayern sagen. Foto: dpa

Bei Bayern München ist nach dem blamablen Fehlstart ins neue Jahr Panik ausgebrochen: Der Rekordmeister hat die Konsequenzen aus den schwachen Auftritten in den ersten beiden Spielen der Bundesliga-Rückrunde gezogen und Trainer Felix Magath mit sofortiger Wirkung entlassen.

Nachfolger Magaths wird dessen Vorgänger Ottmar Hitzfeld, der die Bayern 2001 zum Champions-League-Triumph geführt hatte. Bereits am Donnerstagmittag wird der 58-Jährige vorgestellt und sein erstes Training leiten. Am Freitag in Nürnberg wird er beim 175. Derby erstmals seit dem 22. Mai 2004 auf der Bayern-Bank Platz nehmen.

Hitzfeld: Am Mittwoch hat Uli Hoeneß angerufen

"Ich hatte gehofft, dass Bayern wieder in die Spur zurückkommt. Das hat gegen Bochum nicht geklappt. Am Mittwochnachmittag hat Uli Hoeneß dann angerufen. In der Winterpause hatte ich schon überlegt, nach Dortmund zu gehen, mich dann aber dagegen entschieden. Die Bayern sind nun aber eine ganz andere Herausforderung, vor allem mit der Champions League gegen Real Madrid. Da braucht man als Trainer nicht lange zu überlegen", sagte Premiere-Experte Hitzfeld seinem Haussender und fügte dann noch hinzu: "Ich habe aber bewusst nur für vier Monate unterschrieben, da ich mir nicht vorstellen kann, noch mal ein längerfristiges Engagement anzunehmen."

Zuvor hatte Magath, der morgens noch das Training geleitet hatte, seinen Hut nehmen müssen. "Wir bedauern diesen Schritt", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge über Magaths Demission: "Felix Magath hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Dennoch müssen wir als Klub-Verantwortliche die aktuellen Entwicklungen sehen und darauf reagieren. Die Sorge um die Qualifikation für die Champions League hat uns zu der Entscheidung veranlasst."

Die branchenüblichen Konsequenzen

Einen Tag nach dem enttäuschenden 0:0 gegen den Aufsteiger VfL Bochum und fünf Tage nach dem 2:3 bei Borussia Dortmund zogen die Verantwortlichen um Rummenigge und Manager Uli Hoeneß die branchenüblichen Konsequenzen - und gaben Magath den Laufpass. "Natürlich ist dies keine schöne Situation", sagte Magath, "ich hatte hier zweieinhalb schöne und erfolgreiche Jahre, auf die ich stolz bin. Aber es war mir immer klar, dass dies ein Engagement auf Zeit ist."

Magath war seit 1. Juli 2004 in München tätig und gewann mit dem Klub zweimal das Double. Sein Vertrag lief noch bis Juni 2008, doch die Trennung vom Ex-Nationalspieler zeichnete sich schon seit einigen Wochen ab. Hinter den Kulissen wurde bereits gemunkelt, der Verein sei sich mit seinem Trainer über einen Abschied zum Saisonende bereits einig, über Nachfolger wie etwa den Franzosen Gerard Houllier (Olympique Lyon) soll für die neue Saison intern schon diskutiert worden sein.

Hitzfeld und sein früherer Co-Trainer Michael Henke werden nun sofort übernehmen und haben eine schwere Aufgabe vor sich. 15 Spieler aus dem aktuellen Kader haben bereits unter dem 58-Jährigen bei den Bayern trainiert und würden wieder auf den Übungsleiter treffen, dem die Bosse es 2004 nicht mehr zutrauten, den Klub zu weiteren Erfolgen zu führen.

Der "General" hatte in sechs Jahren vier Meisterschaften und zwei DFB-Pokale sowie 2001 die Champions League und den Weltpokal gewonnen. In den vergangenen zweieinhalb Jahren seit seinem Abschied hat Hitzfeld, der zuletzt als Experte bei Premiere arbeitete, wiederholt Angebote abgelehnt. Unter anderem wollte er das Amt des Bundestrainers 2004 nach dem Rücktritt von DFB-Teamchef Rudi Völler nicht übernehmen, auch bei Borussia Dortmund sagte er zuletzt ab. Im Gespräch war er auch beim Hamburger SV. Waren es zunächst persönliche Gründe, hatte der Erfolgscoach zuletzt offensichtlich auf das passende Angebot gewartet - das jetzt kam.

Kritik an Magath von der Mannschaft

Die Kritik an Magath wurde im Kreise der Spieler zuletzt immer größer, die Risse im Verhältnis zum Trainer schienen nur notdürftig gekittet. Symptomatisch dabei die Aussage von Kapitän Oliver Kahn vor der Partie zum Rückrundenauftakt bei Borussia Dortmund (2:3), die Beziehung der Mannschaft zum Trainer sei "wieder okay".

Magath, der die Erwartungen in der Champions League nie erfüllen konnte, musste sich unter anderem von Präsident Franz Beckenbauer öffentlich vorwerfen lassen, dass seine Elf vor allem spielerisch den Ansprüchen nicht genüge. Zu Saisonbeginn stimmten die Ergebnisse noch, die Bayern zogen souverän ins Achtelfinale der Champions League ein und waren im Pokal in der Runde der letzten 16.

Doch nach dem Pokal-Aus bei Alemannia Aachen (2:4) und weiteren unansehnlichen Spielen in der Bundesliga sowie dem Absturz auf Rang vier sahen sich die Bosse nun zum Handeln gezwungen. Zumal Magath das Rennen um die Titelverteidigung nach dem Bochum-Spiel verloren gab. "Ich habe schon vor dem Spiel nicht mehr vom Titel gesprochen und tue es auch jetzt nicht. Wir dürfen den Kontakt nach oben nicht verlieren. Es geht um die Plätze zwei und drei", sagte er.

© SID

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