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13.01.2010

09:21 Uhr

Fußball Bundesliga

Holzhäuser - Eine Persönlichkeit der Liga wird 60

Er ist ein Mann mit Einfluss und er feiert heute seinen 60. Geburtstag: Wolfgang Holzhäuser gilt als Querdenker, der sich jedoch nie verstellt.

Ein Mann der Bundesliga: Wolfgang Holzhäuser. Foto: Bongarts/Getty Images SID

Ein Mann der Bundesliga: Wolfgang Holzhäuser. Foto: Bongarts/Getty Images

Für Wolfgang Holzhäuser könnten die Rahmenbedingungen zu seinem 60. Geburtstag nicht besser sein. Wenn der Sprecher der Geschäftsführung von Bundesligist Bayer Leverkusen heute in der Premium Lounge der Bayarena "zur fröhlichen Begehung eines runden Geburtstags" einlädt, dann grüßt sein Klub zwei Tage vor Beginn der Rückrunde als Herbstmeister und Tabellenführer.

"Das ist natürlich schon angenehm, aber noch haben wir nichts gewonnen. Es liegen noch harte Wochen vor der Mannschaft, aber wir haben uns eine gute Ausgangsposition erarbeitet", sagte der Jubilar beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt/Main dem Sport-Informations-Dienst (SID). Im Ligaverband hatte sich der gebürtige Hesse aus Crumstadt viele Jahre sehr stark engagiert, war nach dem Tod von Werner Hackmann 2007 sogar für einige Monate zum kommissarischen Ligaverbands-Präsidenten aufgestiegen. Aber Holzhäusers Hang, mit seinen Aussagen auch schon mal zu provozieren, war in der Liga nicht jedermanns Sache. Wie sagte Kölns Manager Michael Meier bei der Verabschiedung des Bayer-Chefs als Liga-Präsident auf der Vollversammlung der Lizenzvereine im August 2007: "Sie sind schon ein Mensch, der eine gewisse Widerborstigkeit an den Tag legt."

"Lieber Querdenker als Querkopf"

So will der staatliche geprüfte Betriebswirt Holzhäuser, der seit 1998 in Diensten des Werksklubs steht, auch in Zukunft verfahren und seine Rolle als Querdenker im deutschen Profi-Fußball ausfüllen. "Solange ich als Querdenker bezeichnet werde, ist das kein Problem. Schlimmer wäre es, wenn ich als Querkopf eingestuft würde. Ich werde weiter meine Meinung vertreten, auch wenn sie nicht allen passt", äußerte "Holzi", wie sie unterm Bayer-Kreuz in vertrauter Runde gerne rufen.

Seit 1. Juli 2004, nach dem Ausscheiden des langjährigen Bayer-Machers Reiner Calmund, fungiert er als alleiniger Geschäftsführer der Bayer 04 Fußball Gmbh. Schwierige finanzielle Zeiten musste der Champions-League-Finalist von 2002 bewältigen, der doch einige Jahre deutlich über seine Verhältnisse gelebt hatte. Holzhäuser setzte den Rotstift an, die Mannschaft wurde umgebaut, deutlich verjüngt und vor allem preiswerter. Dabei allerdings nicht unbedingt schlechter. Den hoffnungsvollen Ansätzen in der vergangenen Saison, als Bayer in der ersten Halbserie auch Tabellenführer war, folgte der Einbruch unter Trainer Bruno Labbadia in der Rückrunde. Im Pokalfinale zog Bayer im vergangenen Jahr gegen Werder Bremen ebenfalls den Kürzeren. Statt des unerfahrenen Fußballlehrers Labbadia kam in Jupp Heynckes (64) nun der älteste derzeitige Bundesliga-Coach nach Leverkusen. Holzhäuer: "Heynckes ist natürlich einer der Garanten für den Erfolg. Er hat hervorragende Arbeit geleistet."

"Völler und ich ergänzen uns glänzend"

Zweiter wichtiger Eckpfeiler im Bayer-Erfolgskonzept ist für den einstigen Ligasekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Sportchef Rudi Völler: "Er respektiert meine Führungsrolle und ich seine sportliche Kompetenz, dabei ergänzen wir uns glänzend." Inzwischen tummeln sich bei Bayer einige der talentiertesten deutschen Spieler, die auf dem Sprung in die A-Nationalmannschaft stehen. Die Rheinländer haben eine tolle Perspektive für die nächsten Jahre, auch wenn natürlich die Gefahr besteht, dass die besten Bayer-Profis wie schon in der Vergangenheit von großen Klubs weggekauft werden. Doch auch diese Entwicklung haben Holzhäuser und seine leitenden Mitarbeiter einkalkuliert. Die Scouting-Abteilung des Klubs gehört sicherlich zu den besten in Europa, nur so konnten hochtalentierte Spieler aus der ganzen Welt in jungen Jahren und für relativ geringe Ablöse verpflichtet werden.

Reicht es diesmal zur langersehnten Meisterschaft? "Wir wollen uns dauerhaft in der Spitze der Bundesliga etablieren", sagt Holzhäuser, der nicht nur in Beine, sondern auch in Steine investiert hat. Das Fassungsvermögen der Bayarena wurde durch einen Neubau von 22 500 auf 30 210 Zuschauer erhöht. Die Kosten für die Stadion-Erweiterung, die gegenüber ursprünglichen Planungen höher ausfielen, belasteten zusätzlich den Werksklub. Aber auch das bekam der Bayer-Boss, der 23 Jahre in DFB-Diensten gestanden hatte, in den Griff. Seit Anfang der Saison spielt die Mannschaft im neuen Schmuckkästchen Bayarena.

© SID

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