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04.01.2011

10:40 Uhr

Fußball Bundesliga

Pauli-Profi Schnitzler nahm über 100 000 Euro an

Paukenschlag im deutschen Fußball: In einem Interview hat der ehemalige Zweitliga-Spieler Rene Schnitzler zugegeben, in Diensten des FC St. Pauli mehr als 100 000 Euro Bestechungsgelder angenommen zu haben. Zu einer tatsächlichen Manipulation soll es allerdings nicht gekommen sein.

Rene Schnitzler (m.) hat über 100 000 Euro von einem Wettpaten angenommen. Foto: SID Images/publicaddress SID

Rene Schnitzler (m.) hat über 100 000 Euro von einem Wettpaten angenommen. Foto: SID Images/publicaddress

Der frühere Zweitliga-Profi Rene Schnitzler hat in einem Gespräch mit dem Magazin Stern zugegeben, von einem Wettpaten insgesamt über 100 000 Euro Bestechungsgeld angenommen zu haben. Dafür habe er im Jahr 2008 fünf Spiele seines damaligen Vereins FC St. Pauli manipulieren sollen. Es soll sich um die Zweitliga-Auswärtsspiele beim FSV Mainz 05 (2), Hansa Rostock, dem FC Augsburg und dem MSV Duisburg handeln. Schnitzler bestreitet, die Spiele manipuliert zu haben. In drei der betreffenden fünf Begegnungen spielte er nicht.

Schnitzler gibt an, Geld von einem Wettpaten namens "Paul" erhalten zu haben. Laut Stern-Recherche handelt es sich um den Niederländer Paul R., der in den Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft im Wettskandal und in den Geständnissen der Angeklagten vor dem Bochumer Landgericht wiederholt aufgetaucht ist. Paul R. soll eine zentrale Figur des Wettskandals sein.

Schnitzler nicht der einzige Zocker

Schnitzler erklärte, er sei spielsüchtig. "Seit ich 18 Jahre alt bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe", sagte der 25 Jahre alte Stürmer. Damit sei er jedoch nicht allein: Schnitzler behauptete im Rahmen seiner Schilderungen von Wettaktivitäten im Fußball, dass die Mehrzahl der Top-Spieler notorische Zocker seien. "Viele Profis haben gewettet wie Wahnsinnige. 70 oder 80 Prozent der Spieler einer Mannschaft setzen auf irgendwelche Partien in irgendwelchen Ligen", sagte Schnitzler, der unter anderem bei Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen und dem FC St. Pauli unter Vertrag stand.

Aus seiner Zeit bei Bayer berichtet Schnitzler, ein Nationalspieler habe den Kollegen am Flughafen vor einem Testspiel gegen Legia Warschau einen Hut hingehalten: Jeder Profi sollte 500 Euro in den Jackpot einzahlen. "Da segelten die Scheine, mehr als 5 000 Euro lagen drin. Und die hat der kassiert, dessen Koffer zuerst aufs Gepäckband fiel."

Zuletzt spielte Schnitzler beim NRW-Ligisten FC Wegberg-Beeck (5. Liga). Sein Vertrag dort wurde am 15. Dezember aufgelöst - offiziell, um ihm die Rückkehr in den Profifußball zu ermöglichen.

© SID

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