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24.03.2011

08:25 Uhr

Fußball Bundesliga

Viele WM-Fahrer sind des Trainers Aus

VonThomas Mersch

Trainerwechsel bei Fußball-Bundesligisten gibt es in dieser Saison vor allem dort, wo ein Klub viele Spieler für die WM in Südafrika abstellen musste. Das zeigt eine Studie der TU München. Die Wissenschaftler fordern deshalb Kompensationen, die deutlich über die derzeit von der Fifa gezahlten Beträge hinausgehen.

Bayern-Trainer Louis van Gaal mit seinem bei der WM in Südafrika überragenden, in der Bundesliga-Saison im Mittelmaß versunkenen Mittelfeldstar Bastian Schweinsteiger. Quelle: Reuters

Bayern-Trainer Louis van Gaal mit seinem bei der WM in Südafrika überragenden, in der Bundesliga-Saison im Mittelmaß versunkenen Mittelfeldstar Bastian Schweinsteiger.

KölnDer Einsatz seiner Stars bei der Fußball-Weltmeisterschaft hat sich für den FC Bayern München auf den ersten Blick gelohnt. Die Marktwerte der WM-Stars schnellten nach Südafrika in Einzelfällen beträchtlich nach oben: Bei Thomas Müller um 150 Prozent auf 20 Millionen Euro und Bastian Schweinsteiger um 111 Prozent auf 40 Millionen. Und 590.000 Euro erhielt der deutsche Rekordmeister auch noch vom Weltverband Fifa dafür, dass 13 Spieler für die Endrunde in Südafrika im vergangenen Sommer abgestellt wurden - nur der FC Barcelona bekam mit gut 650.000 Euro mehr Fifa-Geld.

Doch Südafrikas Schattenseite holt die deutschen Klubs massiv ein: Für die hohe Belastung der Spieler büßen nun insbesondere die Vereinstrainer, urteilen Wissenschaftler der Technischen Universität (TU) München in einer gerade veröffentlichten Studie. Die aktuelle Welle von Trainerentlassungen sei eine Spätfolge der WM-Abstellungen in Südafrika. Grund: Der ausgelaugte Kader gefährde die Saisonziele der Spitzenklubs.

Bayern-Trainer Louis van Gaal hat das jüngst den Job gekostet. In der Champions League und im DFB-Pokal ist das Team gescheitert, in der Bundesliga liegen die Bayern nur auf Rang vier und drohen damit gar ihr Minimalziel zu verfehlen: die Qualifikation für die Champions League in der kommenden Spielrunde. Der negative WM-Effekt trifft nicht nur die Bayern. Die Bundesliga-Klubs mit den meisten Südafrika-Teilnehmern haben ihren Trainer bereits entlassen. So trennten sich Wolfsburg und Stuttgart während der Saison jeweils bereits von zwei Übungsleitern - in Wolfsburg (9 WM-Teilnehmer) wurden Steve McClaren und Pierre Littbarski gefeuert. Stuttgart (6) setzte Christian Gross und Jens Keller vor die Tür. In Hamburg (8) scheiterte Armin Veh, beim FC Schalke 04 (6) Felix Magath. Ganz anders Hannovers Überraschungstrainer Mirko Slomka, zurzeit absolut obenauf. Er konnte Südafrika sogar entspannt vor Ort genießen, sah sich zusammen mit Fans einige Spiele ein.

Den möglichen Zusammenhang zwischen Trainerentlassungen und der Zahl der WM-Teilnehmer im Kader haben Martin Lames, Inhaber des Lehrstuhls für Trainingswissenschaft und Sportinformatik, und sein Kollege Otto Kolbinger genauer untersucht. Sie stellten fest: Klubs, die ihren Trainer gefeuert haben, mussten im Schnitt 6,0 WM-Abstellungen leisten. In Vereinen, die am Coach festhalten, waren es dagegen nur 1,9 Spieler. So hatten Kaiserslautern und St. Pauli keine WM-Teilnehmer, gefolgt von Freiburg und Mainz (1) sowie Dortmund und Nürnberg (2). Die Trainer sitzen hier fest im Sattel. "Die Klubs gehören teilweise sogar zu den Überraschungsmannschaften der Saison", sagt Lames.

Kommentare (1)

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24.03.2011, 12:49 Uhr

Mit kommen glatt die Krokodilstränen bei so viel Mitleid für den FC Bayern. Wie kann man derartige Schlüsse ziehen, wenn dieses Phänomen international überhaupt nicht zu beobachten ist? Und wenn schon ein finanzieller Ausgleich gefordert wird, dann bitte aber auch in Gegenrichtung: Der gestiegene Marktwert sollte im Verkaufsfall anteilig dem nationalen Verband zukommen. Grundsätzlich:Für derartige Pseudowissenschaft sollte sich das Handelsblatt eigentlich zu schade sein!

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