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29.05.2017

22:51 Uhr

Fußball-Bundesliga

Wolfsburg schafft mit Ach und Krach den Klassenerhalt

Abstiegskampf trifft Aufstiegskampf: Mit Motivation, Torchancen und Fan-Unterstützung machte Eintracht Braunschweig den Gegner nervös. Beinahe hätte der VfL Wolfsburg ein Eigentor geschossen – dennoch siegte er am Ende.

Bundesliga-Relegation am Montag in Braunschweig: Die Gäste feiern mit ihrem Torschützen Vieirinha auf dem Rasen. Nach dem Spiel mussten sie allerdings vorzeitig in die Kabine. Reuters

Eintracht Braunschweig - VfL Wolfsburg

Bundesliga-Relegation am Montag in Braunschweig: Die Gäste feiern mit ihrem Torschützen Vieirinha auf dem Rasen. Nach dem Spiel mussten sie allerdings vorzeitig in die Kabine.

Braunschweig20 Jahre nach dem Bundesliga-Aufstieg hat der VfL Wolfsburg mit einem Kraftakt den Abstieg in die Zweitklassigkeit verhindert. Am Ende einer völlig verkorksten Saison rettete der strauchelende VW-Club in der Relegation gegen Eintracht Braunschweig mit einigem Glück die Klasse. Dem 1:0-Hinspielsieg ließen die Wolfsburger im zweiten Duell am Montagabend einen weiteren 1:0 (0:0)-Erfolg folgen. Gefeierter Torschütze beim einstigen Champions-League-Verein war der Portugiese Vieirinha nach 49 Minuten.

Trotz einer hoch motivierten Vorstellung, mehrerer Topchancen und der großen Unterstützung der eigenen Fans verpassten die Braunschweiger den vierten Aufstieg in die Fußball-Bundesliga nach 1974, 1981 und 2013. Für den ganz großen Coup fehlte ihnen in den beiden Niedersachsen-Derbys vor allem die Konsequenz im Abschluss.

Ihre geballte Power legten die Braunschweiger in dieses sportliche Schicksalsspiel, das 50 Jahre nach der ersten Meisterschaft den Aufstieg bringen sollte. Sie erkämpften sich gegen die Wolfsburger Millionen-Truppe in der ersten Halbzeit Gelegenheit um Gelegenheit und sorgten dafür, dass die Nervosität im Team des VW-Clubs schon in der ersten Halbzeit immens gestiegen war. Doch ein Weitschuss-Treffer von Vieirinha kurz nach der Pause beendete vor 23.000 Zuschauern den Sturmlauf und zugleich alle Braunschweiger Hoffnungen. Acht Minuten vor dem Ende sah Verteidiger Maximilian Sauer obendrein Gelb-Rot.

Bundesliga-Relegation: Löwenstadt gegen Wolfsrudel

Rivalität

Braunschweig gegen Wolfsburg. Zwei Fußballwelten treffen aufeinander, aber auch zwei Städte, die nur rund 40 Kilometer voneinander entfernt sind. Was trennt Wolfsburg und Braunschweig? Und was haben die Städte gemeinsam? Ein Überblick.

Braunschweig

Wer sich in beiden Städten umhört, merkt schnell, dass weder die Wolfsburger noch die Braunschweiger die Rivalität zu hoch hängen wollen. Für Braunschweiger gibt es sowieso nur ein Derby - das gegen Hannover. Die ganze Stadt wünscht sich, dass es 50 Jahre nach dem Meistertitel in Braunschweig wieder etwas zu feiern gibt.

Wolfsburg

In Wolfsburg ist man vor allem die ewige Diskussion über die Diskrepanz zwischen Tradition und Kommerz leid. Dort zählt nur, dass 20 Jahre nach dem Aufstieg nicht der Gang in die Zweitklassigkeit ansteht.

Schulden

Im Schnitt hat jeder Braunschweiger rund 280 Euro Schulden. Der Durchschnitts-Wolfsburger ist dagegen schuldenfrei. Woran das liegt? Natürlich am größten Arbeitgeber in Wolfsburg, an Volkswagen. Lange Zeit sprudelten die Steuerzahlungen kräftig, inzwischen hat der VW-Abgasskandal in beiden Städten Dellen hinterlassen.

Wirtschaftskraft

Die wirtschaftliche Leistung Wolfsburgs gemessen am Bruttoinlandsprodukt lag zuletzt bei rund 16,8 Millionen Euro, in Braunschweig bei rund 10,7 Millionen Euro. Und auch bei der Arbeitslosenquote sieht es in Wolfsburg (5,1 Prozent) leicht besser aus als in Braunschweig (5,9 Prozent).

Welfen

Braunschweig ist stolz auf seine lange Geschichte, ab dem 12. Jahrhundert stieg die Stadt zur Residenz der Welfen auf, Heinrich der Löwe baute sie aus. In der „Löwenstadt“ bezeugen heute noch viele Sehenswürdigkeiten die Welfendynastie.

Käfer

Wolfsburg ist dagegen mit 78 Jahren eine junge Stadt, die Gründung geht auf die Entstehung des Volkswagenwerkes zurück. 1938 wurde Wolfsburg als „Stadt des Kraft-durch-Freude-Wagens“ gebildet, das Auto ist wurde als „Käfer“ bekannt. Seit 1945 trägt die Stadt den Namen Wolfsburg.

Grizzlys

Wenn der VfL kein Spiel hat, fühlen sich die Wolfsburger auf dem Eis am wohlsten. Die Heimspiele der Grizzlys, die dieses Jahr knapp den Meistertitel verpassten, verfolgen im Schnitt 2500 Zuschauer.

Lions

In Braunschweig liefern die American Footballer sportliche Erfolge: Die Spiele der Lions, die aktuell Deutscher Meister und Eurobowl-Sieger sind, verfolgen im Schnitt rund 3700 Zuschauer. Den erfolgreichen Abstiegskampf der Basketball-Löwen unterstützten durchschnittlich 2500 Fans.

Nadelöhr

Ja, zum Beispiel den täglichen Nerv im Stau. Viele Menschen haben denselben Arbeitsweg, das Kreuz Wolfsburg/Königslutter von der A2 auf die A39 ist für sie das tägliche Nadelöhr. Fast 11 000 Braunschweiger fahren morgens nach Wolfsburg, ein Großteil davon zu Volkswagen, dem größten Arbeitgeber der Region. In die andere Richtung pendeln täglich rund 2400 Menschen.

Nach einer ersten Wolfsburger Chance von Daniel Didavi, die Braunschweigs Torwart Jasmin Fejzic parierte (3.), übernahmen die zweikampf- und willensstarken Braunschweiger das Kommando. Der erste gefährliche Angriff folgte nach 13 Minuten. Über Salim Khelifi und Sauer kam der Ball zu Christoffer Nyman, der den Ball aus acht Metern freistehend nicht platziert genug aufs Wolfsburger Tor bekam.

Nur eine Minute später hätten die Gäste den Braunschweigern fast durch ein Eigentor einen Hilfsdienst erwiesen. Philipp Wollscheid köpfte den Ball zurück auf Koen Casteels - nichts ahnend, dass der Keeper bereits aus seinem Tor herausgelaufen war. Im letzten Moment bekam der Belgier den Ball noch zu fassen.

Die Wolfsburger, immer verunsicherter, ließen sich mehr und mehr in die eigene Hälfte drängen. Ideen im Spielaufbau fehlten völlig, die konzeptlos geschlagenen hohen Bälle auf Mario Gomez endeten häufig im Nichts. Die Eintracht spielte fast in einer Art Powerplay-Modus, versuchte die spielerisch im direkten Vergleich limitierten Mittel durch umso größeren Einsatz wettzumachen.

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