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10.03.2006

13:30 Uhr

Fußball

Calmund: Gerüchte „Quatsch“ - Graul verklagt Bayer

Die Finanz-Affäre um den wegen dubioser Bargeldzahlung unter Untreue-Verdacht geratenen früheren Bundesligamanager Reiner Calmund und Bayer 04 Leverkusen wird immer rätselhafter.

Spielerberater dpa

Volker Graul schaut 1999 in Cottbus dem Treiben auf dem Spielfeld zu.

dpa KöLN. Die Finanz-Affäre um den wegen dubioser Bargeldzahlung unter Untreue-Verdacht geratenen früheren Bundesligamanager Reiner Calmund und Bayer 04 Leverkusen wird immer rätselhafter.

Überraschend gab Calmund bekannt, dass er auf Geheiß der Bayer AG aus eigener Tasche zusätzlich 350 000 Euro an den Spielerberater Volker Graul gezahlt habe. Der 54-Jährige wies auf einer zweistündigen Pressekonferenz in Köln zudem den Verdacht zurück, dass das an Graul gezahlte Geld möglicherweise zur Manipulation des Bundesligaspiels der damals abstiegsbedrohten Leverkusener am 4. Mai 2003 gegen Arminia Bielefeld verwandt wurde.

"Das ist völliger Quatsch", sagte er. Auch der in Borgholzhausen lebende Graul wies solche Mutmaßungen zurück. "Das Geld habe ich ausschließlich zweckgebunden für den Erwerb von Spieleroptionen verwendet", hieß es in einer Erklärung des Spielervermittlers. Calmund kündigte an, zur Aufklärung des Falles beitragen und als WM-Botschafter Nordrhein-Westfalens im Amt bleiben zu wollen. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Ermittlungen aufgenommen. "Ich hoffe, dass er die Dinge bald aufklären kann", sagte Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und fügte an: "Ein Angeklagter muss nicht unbedingt der Täter sein."

Bisher war nur bekannt gewesen, dass auf Veranlassung von Calmund an Graul für die Vermittlung von fünf Spieleroptionen im Juni 2 003 580 000 Euro in bar ausgezahlt wurden. Da dieser aber verlangte, dass auch die Steuern von den Leverkusenern übernommen werden müssen, bat ein nicht genannter Verantwortlicher der Bayer AG Calmund telefonisch, den Betrag von 350 000 Euro vorzustrecken. "Bayer wollte diesen Steuerausgleich nicht direkt zahlen. Da bat man mich: 'Gib du ihm das Geld'", berichtete Calmund. Der ehemalige Bayer-Manager lieh sich die Summe beim Schweizer Vermögensberater Greinemann und zahlte im Juli 2004 das Geld an den Spielervermittler Graul.

Im November 2004 soll Bayer ihm dann mitgeteilt haben, dass diese Angelegenheit seine Privatsache sei. "Das hat mich meine Abfindung und ein Jahresgehalt gekostet", erklärte Calmund. "Wenn ich keinen Fernsehjob gehabt hätte, hätte man mir das Wasser abgestellt und die Mäuse hätten in meinem Kühlschrank Klimmzüge gemacht." Auf einen Rechtsstreit verzichtete Calmund aus Mangel an Erfolgschancen. "Wenn man diese Zahlung sieht, erscheint der Vorwurf der Untreue paradox", sagte sein Rechtsanwalt Stefan Seitz, auf dessen Anraten Calmund in die Offensive gegangen ist.

Spielervermittler Graul bestätigte den Erhalt der 350 000 Euro. Er sei jedoch mit Herrn Calmund so verblieben, "dass mir zunächst ein Betrag von 350 000 Euro als Darlehen seinerseits zur Verfügung gestellt wird und ich dieses zurückzahle, sobald ich meine Ansprüche gegenüber Bayer 04 durchgesetzt habe". Bei der Summe handele es sich nur um einen Teilbetrag seiner Forderung an Bayer, da der ausgehandelte Betrag zum Ausgleich des Steuernachteils 579 000 Euro betrage. "Eine entsprechende Klage wird von meinen Anwälten vorbereitet", kündigte Graul an.

Derweil wollten Calmund und sein Anwalt zur Sachaufklärung des Falls beitragen, wozu auch die Offenlegung der Spieleroptions-Geschäfte von Graul für Bayer 04 im Jahr 2003 gehört. Namen wollten sie zunächst jedoch nicht nennen. "Ich werde diesen Ehrenkodex aber nicht so lange hochhalten wie Helmut Kohl und Beugehaft bei Wasser und Brot abwarten", sagte Calmund.

Nach seiner Aussage hat Graul die Provision für fünf Spieleroptionen bekommen. Dies waren Kandidaten, mit denen der letztendlich geplatzte Weggang des Brasilianers Lucio nach der Saison 2002/2 003 kompensiert werden sollte. Nun hofft Calmund, dass die Staatsanwaltschaft Licht in das Dunkel der Affäre bringe: "Ich habe das Gefühl, dass am Ende die Absolution durch die Staatsanwaltschaft doppelt zählen wird."

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