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14.01.2010

14:57 Uhr

Fußball DFB

DFB-Arzt plädiert für intensiveres Training

DFB-Mannschaftsarzt Tim Meyer zweifelt an einer höheren Beanspruchung durch intensives Training. Vielmehr seien PR-Termine und lange Reisen große Stressfaktoren für die Spieler.

DFB-Mannschaftsarzt Tim Meyer. Foto: Bongarts/Getty Images SID

DFB-Mannschaftsarzt Tim Meyer. Foto: Bongarts/Getty Images

Intensiveres Training, weniger PR-Termine: Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer hat sich im Zuge einer perfekten Vorbereitung auf die Fußball-WM in Südafrika im kommenden Sommer für intensivere Trainingseinheiten ausgesprochen. "In Deutschland herrscht noch immer eine gewisse Angst vor Intensitäten. Dabei glaube ich nicht, dass intensivere Trainingseinheiten unbedingt zu einer höheren Beanspruchung der Spieler führen", sagte Meyer am Rande des DFB-Kongresses unter dem Titel "Aktuelle Wissenschaft für den Spitzenfußball" am Donnerstag in Frankfurt/Main.

Reisen und Medientermine sind Stressfaktoren

Gleichzeitig warnte Meyer wie zuletzt auch Schalkes Trainer Felix Magath davor, dass die zahlreichen Reisen, Medientermine sowie andere Verpflichtungen außerhalb des Trainings in der heutigen Zeit die wahren Belastungen der Nationalspieler seien. "Nicht die hohen Trainingsintensitäten, sondern die Stressfaktoren rund um den Fußball sind die Belastungsfaktoren. Vor allem für die Topspieler herrscht da eine große Beanspruchung", sagte Meyer.

Das Training soll bei Fußballern wieder an erster Stelle stehen. Bundestrainer Joachim Löw hatte zuletzt angekündigt, beim WM-Start der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am 13. Juni gegen Australien nur Spieler aufstellen zu wollen, die in einem körperlich topfitten Zustand seien. Mit Hilfe von Internist Meyer und DFB-Psychologe Hans-Dieter Hermann sollen zudem alle anderen belastenden Faktoren rechtzeitig besprochen und aus dem Weg geräumt werden. Die rein körperliche Belastbarkeit will Meyer vor allem beim anberaumten Leistungstest am 26. und 27. Januar in Sindelfingen noch einmal intensiv prüfen.

"Aus meiner Sicht bestehen die größten physischen Reserven in einer verbesserten Belastbarkeit. Hier herrschte in den letzten Jahren zu viel Sorge, dass Spieler überlastet werden könnten", sagte Meyer und bestätigte, dass die Testresultate Auswirkungen auf die Aufstellung von Löw haben könnten: "In Einzelfällen mögen die Trainer auch Einsatzentscheidungen davon abhängig machen, wie bestimmte konditionelle Komponenten ausgeprägt sind." Noch keinen Erkenntnisse hat Meyer über die Effekte der in dieser Saison erstmals verkürzten Winterpause. Der DFB-Internist kann sich aber sogar vorstellen, dass die auch im kommenden Jahr um rund drei Wochen verkürzte Pause möglicherweise keinen negativen Einfluss auf die Verletztenliste der Bundesliga haben wird.

Überlegungen, die Winterpause zu verkürzen

"Wir evaluieren derzeit, ob die verkürzte Winterpause einen Effekt hat oder nicht. Es gibt den Gedanken, dass die Spieler durch die kürzere Winterpause weniger erholt sind, aber es kann sich auch positiv auswirken, dass es dafür im Frühjahr weniger englische Wochen gibt. Der Spielplan wird so entzerrt", sagte Meyer. Bei dem zweitägigen Kongress standen insgesamt 21 Fachreferate auf der Agenda. Insgesamt verfolgten 342 angemeldete Besucher, davon 59 Ärzte von Mannschaften der 1. und 2. Liga sowie der Frauen-Bundesliga, die zahlreichen Referate über die Forschung im Profifußball.

Außerdem nahmen zehn Ärzte, zehn Fitnesstrainer und 19 Physiotherapeuten aus dem Bereich des DFB teil. Neben Trainingslehre und der psychologischen Betreuung von Fußballern stand auch die Debatte über einen Maßnahmenkatalog im Anti-Doping-Kampf auf dem Programm.

© SID

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