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19.01.2007

11:07 Uhr

Fußball DFB

DFB-Chef Zwanziger unterstützt Johansson

Eine Woche vor der Wahl zum Präsidenten der europäischen Fußball-Union (Uefa) hat sich DFB-Boss Theo Zwanziger für den schwedischen Amtsinhaber Lennart Johansson ausgesprochen.

DFB-Boss Theo Zwanziger hat eine Woche vor der mit Spannung erwarteten Wahl zum Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa) dem schwedischen Amtsinhaber Lennart Johansson sein Vertrauen ausgesprochen. "Wir sind der festen Überzeugung, dass er nach wie vor aufgrund seiner erwiesenen Leistung der beste Mann für diesen Posten bei der Uefa ist, und das unabhängig vom Lebensalter. Zudem hat Herr Johansson auch wieder die geistige und körperliche Frische, um dieses Amt auszuüben", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Unterstützung nicht nur aus Dankbarkeit

Dass der größte Sportfachverband der Welt dem 77-jährigen Johansson, der sich dem 26 Jahre jüngeren französischen Herausforderer Michel Platini stellt, das Vertrauen ausspricht, habe nichts mit purer Dankbarkeit zu tun. "Das ist völliger Quatsch. Der Uefa-Präsident muss Vertrauen in die politischen Ebenen vermitteln, und aufgrund seiner hervorragenden Kontakte und mit seiner ausgleichenden Art ist Johansson gerade in dieser Hinsicht derzeit unverzichtbar, um die Uefa in schwierigen Zeiten in einem ruhigen Fahrwasser zu halten", argumentierte Zwanziger, gab fairerweise aber zu: "Richtig ist, dass uns Johansson bei der WM-Vergabe 2006 unglaublich unterstützt hat. Wir wären Verräter, wenn wir das uns entgegengebrachte Vertrauen nicht zurückzahlen würden."

Für den DFB-Präsidenten sind auch die verbalen Attacken Platinis gegen Johansson nicht gerechtfertigt. Der frühere französische Superstar hatte unter anderem kritisiert, dass sein Widersacher zu wenig in der Uefa-Zentrale in Nyon sei und damit unterstellt, dass der Uefa-Präsident seinen Job nicht vernünftig mache. "Dieser Vorwurf ist nicht haltbar. Dass Johansson nicht permanent in der Uefa-Zentrale weilt, ist sogar ein Vorteil. Denn das operative Geschäft wird satzungsgemäß vom Generalsekretär Lars-Christer Olsson, einem ausgewiesenen Fachmann, geführt, der die Fäden in der Hand hält und seine Sache sehr gut macht. Zudem sind an allen Schaltstellen kompetente Leute am Werk, die einen außerordentlichen guten Job machen", so Zwanziger.

Erfahrung und Ansehen gefordert

Deshalb sei es Johanssons vordringlichste Aufgabe als Präsident, "eine politische Rolle zu spielen - und zwar mit Erfahrung und Ansehen und nicht mit Hektik und Aktionismus. Diese Kriterien erfüllt er hundertprozentig". Es sei sogar im Sinne des DFB, dass der Schwede nicht in das Tagesgeschäft in der Uefa-Zentrale eingreife: "Wir wollen gar nicht, dass der Präsident den zweiten Generalsekretär spielt, das gäbe nur Konflikte."

Auch die anhaltenden Diskussionen über das Alter des Amtsinhabers hält Zwanziger für überflüssig: "Es gibt genug Beispiele, die belegen, dass ältere Menschen sehr wohl Leistung bringen können. Es gibt viele Persönlichkeiten jenseits der 80, die für die Gesellschaft noch eine Menge einbringen. Deshalb wäre es Unsinn, nur wegen des Alters einen verdienstvollen Mann aus seinem Amt zu drängen." Dass beim DFB selbst andere Gesetze (Altersobergrenze 70 Jahre) gelten, würde dieser Meinung nicht widersprechen.

Dass Platini in Weltverbands-Präsident Joseph Blatter ebenfalls einen mächtigen Fürsprecher im Rücken hat, ist für den 61-jährigen Zwanziger nicht zwingend ein Vorteil für den Franzosen. "Blatter sieht die Dinge mit einem lachenden und weinenden Auge. Zum einen hat er ähnliche Situationen wie Johansson selbst schon einmal duchgemacht, zum anderen hegt er aus diversen Gründen Sympatien für Platini. Man darf Blatters Äußerungen aber nicht überinterpretieren, er wird eine demokratische Entscheidung respektieren."

"Unser Einfluss international muss sicherlich wieder aufgebaut werden"

Dass der DFB selbst in den nächsten Jahren an Einfluss auf internationaler Ebene verliert, da der frühere DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder in zwei Jahren aus dem Amt scheidet, glaubt Zwanziger nicht: "Unser Einfluss international muss sicherlich wieder aufgebaut werden, dass dauert eine gewisse Zeit. Aber es besteht überhaupt kein Grund zur Sorge. Franz Beckenbauer, auf internationalem Parkett der angesehenste Fußball-Fachmann überhaupt, wird in die Fifa-Exekutive kommen und in seiner neuen Funktion dann auch an den Sitzungen der Uefa-Exekutive teilnehmen. Somit sind wir mit zwei überaus erfahrenen Leuten international vertreten."

Er selbst werde sich ebenfalls nach und nach stärker auf internationaler Ebene einbringen, zudem habe die EU-Ratspräsidentschaft weitere Vorteile für den deutschen Fußball.

© SID

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