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09.01.2008

14:42 Uhr

Fußball DFB

Hoyzer-Prozess auf Mitte März vertagt

Die Entscheidung in der vom Deutschen-Fußball-Bund (DFB) eingereichten Schadenersatzklage in Höhe von 1,8 Mill. Euro gegen Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer ist auf den 12. März vertagt worden.

Die 2. Zivilkammer des Landgerichts Berlin unter Vorsitz von Richter Michael Hirschfeld hat sich in der vom Deutschen-Fußball-Bund (DFB) eingereichten Schadenersatzklage in Höhe von 1,8 Mill. Euro gegen Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer auf den 12. März vertagt.

Zum Auftakt des mit Spannung erwarteten Prozesses, den ein halbes Dutzend Kamerateams und gut 30 Journalisten im Saal 100 verfolgten, machte die 2. Zivilkammer des Berliner Landgerichts dem DFB Hoffnung auf Erfolg.

Gericht mit Tendenz in Richtung DFB

"Wir neigen ganz vorsichtig dazu, dass man dem Beklagten auch diesen Vergleich als Schaden anrechnen muss", sagte Richter Michael Hirschfeld und bezog sich auf den Vergleich zwischen dem Hamburger SV und dem DFB, der dem Bundesligisten damals als Entschädigung für das von Hoyzer manipulierte DFB-Pokalspiel beim SC Paderborn 1,5 Mill. Euro gezahlt hatte. Diese Summe stellt den Löwenanteil der Zivilklage, die sich auf insgesamt 1,8 Mill. Euro beläuft. Allerdings sei sich die Kammer bei diesem "größten Batzen" noch uneinig, so Hirschfeld, der in der Volleyball-Bundesliga selbst als Schiedsrichter agiert.

Zuvor hatten sich beide Parteien in der Güteverhandlung nicht einigen können. Dennoch erklärten beide Seiten ihre Gesprächsbereitschaft bis zum Verkündungstermin, der für den 12. März angesetzt wurde.

"Im Wesentlichen ist es für uns sehr zufriedenstellend verlaufen. Das Gericht hat klargemacht, dass der DFB Geschädigter ist", erklärte der DFB-Vizepräsident Recht Rainer Koch. Man wolle Hoyzer jedoch nicht in den Ruin treiben. Durch die Äußerungen des Richters sei Gesprächsbereitschaft auf der Gegenseite entstanden, meinte Koch und deutete damit die Bereitschaft des DFB zu einem Vergleich an.

Hoyzer-Anwalt Hermes: DFB hat "Schaden erzeugt"

Hoyzers Rechtsanwalt Thomas Hermes beantragte dagegen eine Klageabweisung, da nach seiner Rechtsauffassung dem HSV zivilrechtlich kein Schaden entstanden wäre. "In solchen Situationen, wo kein Schaden vorliegt, kann es nicht sein, dass der DFB einen Schaden erzeugt", sagte Hermes. Der HSV hatte am 21. August 2004 die Begegnung in Paderborn mit 2:4 verloren, war damit aus dem Wettbewerb ausgeschieden und hatte Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt.

Der Restbetrag der DFB-Forderungen gegenüber Hoyzer setzt sich aus erhaltenen Bestechungsgeldern, Schiedsrichter-Honoraren, Verfahrenskosten sowie den Aufwendungen für den notwendig gewordenen außerordentlichen DFB-Bundestag am 28. April 2005 in Mainz zusammen. Bis auf den Bundestag, den der Richter "zum derzeitigem Stand" unter anderem wegen einer unzureichenden Kostendarstellung für "nicht erstattbar" hält, formulierte Hirschfeld in der von beiden Seiten gewünschten Beurteilung bei fast allen Punkten eine Tendenz in Richtung DFB.

Da Hermes diese Richtung ebenfalls erkannte, kündigte der Jurist bei einer möglichen Niederlage bereits den Weg durch weitere Instanzen an. "Entweder wir ziehen das Ding durch, oder wir einigen uns vorher mit dem DFB", erklärte Hermes.

Bei Hoyzer nichts zu holen

Der DFB hatte am 19. April 2007 die Schadenersatzklage gegen Hoyzer eingereicht, nachdem der inzwischen 28 Jahre alte Berliner wegen der Manipulations-Affäre im Rahmen des Strafverfahrens am 17. November 2005 bereits zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt worden war. Die Summe von 1,8 Mill. Euro wird Hoyzer allerdings wohl nicht zahlen können. Laut Hermes habe sein Mandant "kein Geld". Offenbar geht es dem DFB bei der Klage daher wohl darum, eine Bereicherung des Ex-Referees durch den Verkauf von Buch- oder TV-Rechten auszuschließen.

Sowohl der seit Mai 2007 im offenen Vollzug des Berliner Gefängnises Hakenfelde inhaftierte Hoyzer als auch DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger waren beim Zivilprozess nicht persönlich anwesend.

Der Hauptdrahtzieher der Betrügereien, Ante Sapina, hatte zuvor ebenfalls nach einem Vergleich im März vergangenen Jahres 1,8 Mill. Euro Schadenersatz an die Deutsche Klassenlotterie zahlen müssen.

© SID

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