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12.01.2011

13:59 Uhr

Fußball DFL

Termin-Reform spaltet Fußball-Deutschland

Reinhard Rauball übt harsche Kritik an der Vergabe der WM 2022 an Katar. DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus dagegen hat keinen Zweifel an der Umsetzung der Bundesliga-Reform.

Ist skeptisch: DFL-Präsident Reinhard Rauball. Foto: SID Images/Firo SID

Ist skeptisch: DFL-Präsident Reinhard Rauball. Foto: SID Images/Firo

Die von Rudi Völler angeregte Reform des Bundesliga-Spielkalenders vor dem Hintergrund einer Winter-WM 2022 in Katar sorgt im deutschen Fußball für eine hitzige Diskussion. Sogar innerhalb der Deutschen Fußball Liga (DFL) gehen die Meinungen über eine Saison von Februar bis November weit auseinander. Für DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach wäre die Umsetzung eine "Revolution".

DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus hält eine Reform des Bundesliga-Spielplans für machbar. "Ich glaube, dass es keine unüberbrückbare Aufgabe wäre. Wenn man die Möglichkeit hat, Prozesse zu optimieren, können wir über alles reden", sagte Hieronymus dem Sport-Informations-Dienst (SID). An so viel Flexibilität glaubt Leverkusens Trainer Jupp Heynckes anscheinend nicht: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die DFL das macht, aber möglich ist alles."

Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball verwies auf die Probleme einer Terminumwälzung. "Wann soll der Terminkalender umgestellt werden? Was geschieht mit dem Afrika-Cup im Januar, dem Asien-Cup? Was mit der EM, soll die in den Winter rücken? Was machen wir mit der 3. Liga?", fragte Rauball im Interview mit der Süddeutschen Zeitung - und fuhr fort: "Wie wirkt sich so eine Änderung auf das Urlaubsverhalten der Fans aus? Soll künftig im Sommer durchgespielt werden? Wer kauft eine Dauerkarte, wenn er drei, vier Spiele gar nicht sehen kann?"

Bayer Leverkusens Sportdirektor Völler hatte die Diskussion angestoßen. "Lasst uns doch versuchen, im Kalenderjahr zu spielen. Einfach mal darüber nachdenken. Katar ist da eine Chance", sagte der ehemalige Teamchef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Für Niersbach käme das einer Revolution gleich: "Was Rudi vorschlägt, wäre eine Revolution - und zwar nicht eine kleine. Es geht ja um über Jahrzehnte eingespielte Abläufe."

Völler will Sommerpause verkürzen

Völler spricht sich generell dafür aus, die Sommerpause zu verkürzen und ansonsten die schönste Zeit des Jahres für den Spielbetrieb zu nutzen. "Da kann man vier Wochen Pause machen. Aber du musst doch den Mai nutzen können. Der und der September, das sind die besten Monate. Es gibt keine schöneren Monate, um zu kicken. Von 34 Spieltagen frierst du doch - gefühlt - an 20", argumentiert der Weltmeister von 1990.

Bei den Verantwortlichen der Bundesligaklubs gehen die Meinungen über eine mögliche Reform auseinander. "In den schönsten Monaten des Jahres macht unser Fußball Pause - das ist nicht gut", sagte Manager Dieter Hoeneß vom VfL Wolfsburg der Bild-Zeitung. Skeptisch äußerten sich unter anderem Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer und Manager Ernst Tanner von 1 899 Hoffenheim.

Auch Trainer Jürgen Klopp vom Tabellenführer Borussia Dortmund ist von Völlers Vorstoß nicht angetan. "Ich bin seit 38 Jahren dabei und habe immer dann gekickt, wenn angepfiffen wurde. Aber Urlaub und Vorbereitung von Dezember bis Januar wären zu knapp bemessen", sagte Klopp am Mittwoch.

Klopp ist skeptisch

Er glaubt nicht an eine Umsetzung - dazu müsste sich nach Ansicht des BVB-Trainers noch "Kaiser" Franz Beckenbauer für die Reform stark machen: "Nur weil Rudi das gesagt hat, wird die Wahrscheinlichkeit ja nicht größer, dass das auch so eintritt. Vielleicht, wenn der Franz noch nachlegt..."

Nachgelegt haben Niersbach und Rauball bei der Kritik am Weltverband Fifa und dem Präsidenten Joseph S. Blatter. "Es ist unverständlich, dass eine so zentrale Frage wie der Zeitpunkt einer WM im Nachhinein erörtert werden muss", sagte Niersbach. Rauball stellte sogar die Zukunft von Blatter infrage. Die Fifa wäre "außerordentlich gut beraten, sich das nächste Mal mit den fünf großen Ligen in Europa zusammenzusetzen, bevor sie Entscheide trifft, die von diesen Ligen nicht mitgetragen werden", sagte Rauball: "Sollte dieser Ratschlag wieder mit Füßen getreten werden", müsse "darüber nachgedacht werden, ob die Uefa nicht einen eigenen Kandidaten für die nächste Fifa-Präsidentschaftswahl stellt."

© SID

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