Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.12.2015

12:00 Uhr

Fußball-EM 2016

Deutsche Fans kritisieren Ticket-Vergabe

Wer bei der EM 2016 im Stadion dabei sein will, braucht Glück. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Deutsche Fans müssen Mitglied im Fanclub Nationalmannschaft sein. Sie wehren sich dagegen – und kritisieren den DFB.

Wer bei der Fußball-EM 2016 die Spiele der deutschen Elf sehen will, muss Mitglied im Fanclub Nationalmannschaft sein. dpa

Traurige Fans

Wer bei der Fußball-EM 2016 die Spiele der deutschen Elf sehen will, muss Mitglied im Fanclub Nationalmannschaft sein.

ParisZwei Tage nach der Gruppenauslosung beginnt am Montag die nächste Verkaufsphase für Eintrittskarten zu Spielen der Fußball-EM 2016 in Frankreich. In den Verkauf gehen insgesamt 800 000 Tickets, die für Fans der teilnehmenden Mannschaften reserviert sind.

Rund 20 Prozent der Eintrittskarten pro Spiel bekommt der Deutsche Fußball-Bund wie jeder andere EM-Teilnehmer für seine Fans von der Uefa. Die genaue Ticketzahl für deutsche Fans hängt also davon ab, in welchen Arenen die Elf von Bundestrainer Joachim Löw im kommenden Sommer spielen wird. Ins riesige Stade de France in St. Denis passen rund 80.000 Besucher, in die Arena in Toulouse nur 33.000 Fans.

Für Kritik sorgt die Vergabe-Praxis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Um Karten bewerben können sich nämlich in dieser Verkaufsphase nur Mitglieder des Fanclubs Nationalmannschaft. Der Beitritt kostet einen Jahresbeitrag von 30 Euro und eine Aufnahmegebühr von 10 Euro. Der Verband begründet dies mit Sicherheitsmaßnahmen und einem Treuebonus für Fans, die das Löw-Team regelmäßig zu Auswärtsspielen begleiten. Auch bei anderen Nationen wie England und Frankreich gibt es diese Verkaufspraxis an einen ausgewählten Personenkreis.

Viele Fans wehren sich dagegen. Nach Informationen des kicker sollen einige bereits die Generaldirektion der Europäischen Kommission informiert haben. DFB-Pressesprecher Jens Grittner verteidigt die Vergabepraxis gegenüber dem SID: „Einen gerechten und für jedermann zufriedenstellenden Verteilungsmodus zu finden, ist schwierig. Denn die Nachfrage übersteigt nun mal bei weitem das Angebot.“

In diesen Stadien wird die Fußball-EM 2016 ausgetragen

Bordeaux (vier Gruppenspiele, ein Viertelfinale)

Stade de Bordeaux - Fassungsvermögen: 42.000 - Spielstätte von Girondins Bordeaux - Kosten: 184 Millionen Euro

Lens (vier Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade Félix Bollaert-Delelis - Fassungsvermögen: 35.000 - Spielstätte von RC Lens - Kosten: 70 Millionen Euro

Lille (vier Gruppenspiele, ein Achtel-, ein Viertelfinale)

Stade Pierre Mauroy - Fassungsvermögen: 50.000 - Spielstätte von OSC Lille - Eröffnet: August 2012 - Kosten: 425 Millionen Euro

Lyon (vier Gruppenspiele, ein Achtel- und ein Halbfinale)

Stade de Lyon - Fassungsvermögen: 58.000 - Spielstätte von Olympique Lyon - Kosten: 405 Millionen Euro

Marseille (vier Gruppenspiele, ein Viertel- und ein Halbfinale)

Stade Velodrome - Fassungsvermögen: 67.000 - Spielstätte von Olympique Marseille - Umbauarbeiten abgeschlossen: Herbst 2014 - Kosten: 267 Millionen Euro

Nizza (drei Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade de Nice - Fassungsvermögen 35.000 - Spielstätte von OGC Nizza. Eröffnet: September 2013 - Kosten: 245 Millionen Euro

Paris (vier Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Parc des Princes (Prinzenpark) - Fassungsvermögen: 45.000 - Spielstätte von Paris St.Germain - Renovierungskosten: 95 Millionen Euro

Saint Denis (Eröffnungsspiel, drei Gruppenspiele, ein Achtel-, ein Viertelfinale plus Endspiel)

Stade de France - Fassungsvermögen: 80.000 - Spielstätte der Französischen Nationalmannschaft - Renovierungskosten: keine Angaben

Saint Etienne (drei Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade Geoffroy Guichard - Fassungsvermögen: 42.000 - Spielstätte von AS St. Étienne - Kosten: 58 Millionen Euro

Toulouse (drei Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade de Toulouse - Fassungsvermögen bei UEFA-Wettbewerben: 33.000 - Spielstätte des FC Toulouse - Abschluss der Renovierungen: Sommer 2015 - Kosten: 35 Millionen Euro

Neben Einzelkarten können auch wieder sogenannte Follow-Your-Team-Tickets bestellt werden, die im Erfolgsfall den Besuch aller Spiele bis zum Finale ermöglichen.

Besondere Eile ist noch nicht geboten. Das Online-Ticketportal der UEFA und des DFB ist von Montag um 12.00 Uhr bis zum 18. Januar geöffnet. Der Zeitpunkt der Bewerbung ist nicht maßgeblich für die Erfolgschancen. Da die Nachfrage wieder höher als das Angebot sein dürfte, werden die Tickets unter den Bewerbern per Los vergeben. Tickets gibt es in vier Preiskategorien. Die günstigste Karte für die Vorrunde kostet 25 Euro, das teuerste Final-Ticket 895 Euro.

In der ersten Verkaufsphase gingen im Sommer für die eine Million verfügbaren Tickets 11,264 Millionen Anträge aus 209 Ländern ein - obwohl die Paarungen noch gar nicht feststehen. Allein das Finale am 10. Juli in St. Denis war mit 1,2 Millionen Kartenwünschen total überbucht.

Wer nicht Mitglied des Fanclubs Nationalmannschaft werden will, kann erst wieder im März an EM-Karten kommen. Dann veranstaltet die UEFA eine große Tausch- und Ticketbörse. Bei dieser können nur Ticketbesitzer aus der ersten allgemeinen Verkaufsphase ihre Karten zum Normalpreis anbieten oder tauschen. Dann könnten auch wieder Tickets für deutsche Spiele auf den Markt kommen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×