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19.01.2011

11:19 Uhr

Fußball Fifa

Fifa plant Spielkalender-Revolution

Adieu Sommerpause, hallo Blockveranstaltungen: Fifa und Uefa planen offenbar, den bisherigen Spielkalender komplett umzukrempeln. Ligabetrieb und Länderspiele sollen künftig voneinander getrennt laufen, große Turniere sollen zu Jahresbeginn stattfinden. Die Maßnahme wird heiß diskutiert, denn die Vereine fürchten Einnahmeneinbrüche.

Bei der Fifa laufen Planungen für einen neuen Spielkalender. Foto: SID Images/pixathlon SID

Bei der Fifa laufen Planungen für einen neuen Spielkalender. Foto: SID Images/pixathlon

Welt- und Europameisterschaften im Frühjahr, exklusive Zeitfenster für Klub- und Länderspiele: Der Weltfußball steht möglicherweise vor einer Spielplan-Revolution. Fifa-Boss Joseph S. Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini planen angeblich eine Umstellung des internationalen Terminplans mit weitreichenden Folgen für Vereine und Nationalmannschaften, die terminlich künftig streng voneinander getrennt werden sollen. Das berichtete die Sport-Bild unter Bezugnahme auf ein von Platini entworfenes Modell.

Demnach soll im Klub-Fußball nicht mehr von August bis Mai, sondern von Februar bis November durchgespielt werden. Eine WM oder EM würde gleich zu Beginn des Jahres im Februar/März statt wie bisher im Sommer ausgetragen. Diese Terminierung wäre ein Affront gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC), weil alle vier Jahre die Winterspiele in diesen Zeitraum fallen.

Die sieben Monate danach sollen komplett für den Vereinsfußball reserviert sein. Der deutsche Meister zum Beispiel würde nicht mehr im Mai, sondern im Oktober gekürt werden. Ab November sind wieder die Nationalmannschaften an der Reihe, die dann sechs Wochen lang Qualifikationsbegegnungen oder Testspiele bestreiten könnten. Ihren vierwöchigen Urlaub erhalten die Spieler Ende Dezember und Anfang Januar. Danach beginnt eine einmonatige Vorbereitung der Nationalteams auf das nächste Turnier.

Rauball fordert Mitspracherecht

Liga-Präsident Reinhard Rauball reagierte zurückhaltend: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein derartiger Beschluss bereits gefasst ist, ohne die großen Profiligen einbezogen zu haben. Ansonsten bleiben wir bei unserer Position. Es darf keine Denkverbote, aber auch keine Schnellschüsse geben."

Rauball verwies darauf, dass eine komplette Umstellung des Spielkalenders eine "sehr komplexe Angelegenheit" sei, bei der alle Aspekte "bis ins Detail beleuchtet" werden müssten. Zudem forderte er ein Mitspracherecht. "Wir legen insbesondere großen Wert darauf, dass die Meinung der fünf großen europäischen Profiligen gehört wird. Die Bundesliga wird sich in dieser Hinsicht außerdem eng mit dem DFB abstimmen", sagte Rauball.

Das Modell, das dem Europäischen Klub-Verband ECA mit dem Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge bis März offiziell vorgestellt werden soll, beruht auf einem Vorschlag von Platini aus dem Jahr 1998. Damals sei es "am Widerstand der Spanier und Italiener gescheitert, die wegen der Hitze nicht im Sommer spielen wollten", sagte Platini.

Plan wird frühestens im Jahr 2015 umgesetzt

Vor dem Hintergrund einer möglichen Winter-WM 2022 in Katar nehmen Platini und Blatter aber offensichtlich einen neuen Anlauf, vorgestellt werden soll der revolutionäre Plan erst im Sommer. Die endgültige Entscheidung über eine Spielkalender-Reform würde das 24-köpfige Exekutivkomitee der Fifa treffen. Sollte es dafür stimmen, würde der Plan frühestens im Jahr 2015 umgesetzt.

Blatter und IOC-Präsident Jacques Rogge waren zuletzt wegen der Terminierung der WM 2022 aneinandergeraten. Nach einer Aussprache sieht Rogge nun Blatter in der Pflicht. "Die Fifa soll sich entscheiden. Zuerst haben sie für Juni und Juli geplant und wollten die Stadien herunterkühlen, dann kam ein Einwand von Franz Beckenbauer, und ein späterer Termin war im Gespräch. Aber Ende Oktober, November erwies sich das Klima als zu heiß, darum rückte der Winter in den Blickpunkt." Wenn die Fifa endgültig entschieden habe, will sich Rogge mit Blatter zusammensetzen.

In Deutschland hatte die von Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler angeregte Reform, die Bundesliga von Februar bis November spielen zu lassen, bereits zu hitzigen Diskussionen geführt. Kritiker befürchten Einnahmeverluste, da die Fans in den Urlaub fahren und weniger Fußball im Fernsehen schauen würden. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) muss sich jedoch bei der Erstellung ihres Spielplans an die Termine des Weltverbandes Fifa und der Europäischen Fußball-Union Uefa halten.

© SID

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