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16.01.2008

11:53 Uhr

Fußball International

Schäfer: "In Kamerun bin ich noch ein Volksheld"

Trainer und Afrika-Experte Winfried Schäfer hat im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) die Chancen der drei deutschen Trainer beim Afrika Cup eingeschätzt. Berti Vogts und Nigeria traut er am meisten zu.

Kurz vor Beginn des Afrika Cups in Ghana hat Winfried Schäfer dem Sport-Informations-Dienst (sid) gegenüber seine Prognose für den Ausgang des Turniers auf dem schwarzen Kontinent abgegeben. Der frühere Nationaltrainer Kameruns geht auch auf die Chancen der der drei deutschen Übungsleiter ein.

sid: "Herr Schäfer, am 20. Januar startet der Afrika Cup in Ghana. Sie haben bislang das Turnier als einziger deutscher Trainer gewonnen, 2002 mit Kamerun. Diesmal wollen gleich drei Fußballlehrer in ihre Fußstapfen treten. Wer kann es schaffen?"

Winfried Schäfer: "Berti Vogts mit Nigeria kann es schaffen, natürlich. Aber diese Mannschaft ist nicht so stark wie Ghana oder die Elfenbeinküste. Otto Pfister als Trainer von Kamerun ist von der Mannschaft nicht akzeptiert. Eigentlich sollte Horst Köppel kommen. Aber so ist das, dort entscheidet am Ende der Sportminister. Dass Ulli Stielike fehlt, ist schade. Reinhard Fabisch trainiert mit Benin einen absoluten Außenseiter. Diesen Deal habe ich übrigens eingefädelt..."

sid: "Wie bitte?"

Schäfer: "Ja. Vor drei Monaten wollte der Verband Benins mich haben. Ich habe aber abgelehnt, bin ja jetzt in den Emiraten bei Al Ain. Aber dann hat der deutsche Botschafter in Benin mich gefragt, ob ich einen anderen guten deutschen Trainer benennen kann. Da habe ich Reinhard gefragt, und sie haben ihn genommen. Ich freue mich für ihn."

sid: "Mit der WM 2010 im Hinterkopf blickt die Fußballwelt in diesem Jahr stärker auf die Afrika-Meisterschaft als je zuvor. Wird es ein Vorgeschmack auf die erste WM auf dem Kontinent?"

Schäfer: "Es ist klasse, dass dieses Turnier in Ghana stattfindet. Ghana ist englisch geprägt. Die Organisation ist dort besser als im französischsprachigen Teil Afrikas. Wo die Franzosen ihre Finger im Spiel haben, ist es in Afrika immer schwierig. Das war auch in Kamerun so. Jetzt könnte es eine echte Top-Veranstaltung werden."

sid: "Was bedeutet die Kontinentalmeisterschaft für den afrikanischen Fußball?"

Schäfer: "Für Afrika ist dieses Turnier fast wichtiger als die WM-Qualifikation, das ist eine wahre Prestigeangelegenheit. Als wir damals den Pokal geholt haben, waren fast 1,2 Millionen Menschen auf den Straßen und haben gefeiert. Man könnte sagen, in Kamerun bin ich immer noch ein Volksheld."

sid: "Afrikanischer Fußball ist technisch und läuferisch zwar weltklasse, aber undiszipliniert und bisweilen brutal. Was antworten sie Kritikern, die immer noch die alten Vorurteile herauskramen?"

Schäfer: "Es ist überragend, dass so viele Afrikaner in den Topligen Europas spielen. Die besten Spieler der Welt kommen nicht nur aus Brasilien, sondern inzwischen auch aus Afrika. Die sind alle Straßenfußballer. Sie werden im Ausland geschult, sonst überleben die dort gar nicht, und tragen das dann zurück nach Hause. In Afrika herrscht nun absoluter Siegeswille. Früher wurde bei Rückstanden nur noch getreten - die Zeiten sind vorbei."

sid: "Dann bitte eine Prognose. Erleben wir 2010 den ersten afrikanischen Weltmeister?"

Schäfer: "Wenn sie es schaffen, eine richtig gute, professionelle Vorbereitung zu absolvieren, werden 2010 endlich zwei afrikanische Mannschaften im Halbfinale stehen. Wenn man ihre Spielfreude in die richtigen Bahnen lenkt, sind sie ganz stark."

sid: "Zurück zum Afrika-Cup. Wer sind die Topfavoriten?"

Schäfer: "Der Gastgeber ist immer einer der Favoriten, Ghana hat eine gute Mannschaft. Michael Essien ist überragend, ein unglaublicher Powermann. Auch die Elfenbeinküste gehört dazu. Und Nigeria. Auch Ägypten ist als Titelverteidiger zu den Favoriten zu zählen. Die waren letztens hier und haben richtig gut gespielt."

© SID

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