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11.01.2011

08:10 Uhr

Fußball International

Sidka genießt die gelebte Integration

Der frühere Bundesliga-Coach Wolfgang Sidka ist der Hoffnungsträger der irakischen Nationalmannschaft. Sein Team trifft zu Beginn des Asien-Cups heute auf den Erzrivalen Iran.

Der Hoffnungsträger der irakischen Nationalmannschaft: Wolfgang Sidka. Foto: SID Images/AFP/Karim Jaafar SID

Der Hoffnungsträger der irakischen Nationalmannschaft: Wolfgang Sidka. Foto: SID Images/AFP/Karim Jaafar

Wolfgang Sidka genießt es, Zeuge gelebter Integration zu sein. Der frühere Bundesligaprofi ist seit Sommer 2010 Trainer der irakischen Nationalmannschaft und weiß die Vorzüge seines Jobs zu schätzen. "Wer von meinen Spielern Schiite, Kurde oder Sunnit ist, erkennt man im Eifer des Spiels gar nicht mehr. Das sind einfach nur Jungs, die heiß auf den Ball sind", erklärt Sidka, der heute beim Asien-Cup in Doha mit seinem Team auf den Erzrivalen Iran trifft. Beide Nationen trugen zwischen 1980 und 1988 einen erbitterten Krieg aus.

Die Bedeutung des Turniers im Allgemeinen und des Auftaktspiels im Besonderen machte ein Telefonanruf von Nuri Al-Maliki bei Sidka deutlich. Der irakische Ministerpräsident wünschte dem 56-Jährigen für die Mission Titelverteidigung im Emirat Katar viel Glück. Der Verband erhofft sich vom Titel einen Schub für die von Konflikten gebeutelte Region, ein Erlebnis, "wie in Deutschland damals 1954", sagt Sidka.

Anruf vom irakischen Ministerpräsidenten

Der einstige Profi von Werder Bremen, Hertha BSC Berlin und 1 860 München (insgesamt 333 Bundesligaspiele) hat sich inzwischen gut eingelebt in seiner Wahlheimat. 350 Kilometer von der Hauptstadt Bagdad entfernt lebt er in Arbil. Sidka ist an fremde Kulturen gewöhnt. Seit zehn Jahren arbeitet er mit Unterbrechungen als Coach in Ländern des Orients - allein zweimal als Nationalcoach Bahrains, dazu als Vereinstrainer in Katar.

Auf die Rückkehr in den deutschen Profi-Fußball wartete Sidka bislang vergeblich. Woran das liegt, kann sich der frühere Mittelfeldspieler denken. In der Heimat gelte man als verbrannt und nicht genug informiert über den Status Quo, wenn man aus Regionen wie Arabien zurück nach Deutschland käme.

Beim Asien-Cup hofft Sidka jetzt auf den durchschlagenden Erfolg seiner "Löwen von Mesopotamien". "Die Stimmung im Team ist gut. Wir haben uns zu einer starken Einheit entwickelt. Wir haben jetzt den besten Kader zusammen", sagte Sidka, dessen Mannschaft nach dem brisanten Auftakt gegen den Iran in der Vorrunde noch auf die Vereinigten Arabischen Emirate (15. Januar) und Nordkorea (19. Januar) trifft.

Irak in der Favoritenrolle

Sidka weiß um die Favoritenstellung des Titelverteidigers, mahnt aber: "Das Feld ist sehr eng zusammen. Da kann es Überraschungen geben. Für mich können zehn der 16 teilnehmenden Mannschaften den Pokal gewinnen." Turniere wie die Westasiatische Meisterschaft im Oktober in Jordanien und den Golfstaaten Cup im Dezember im Jemen haben Sidkas Spieler jeweils mit Platz vier abgeschlossen.

Bereits seit dem 30. Dezember ist der irakische Tross in Doha. Rund 60 Spieler hatte Sidka zuvor getestet, bevor er seine Wunsch-Mannschaft gefunden hatte. Als unumstrittener Star des Teams gilt Younis Mahmoud. Der 27 Jahre alte Angreifer ist der Kapitän, spielt in Doha für Al Gharafa und hat schon 2007 das Finale von Jakarta entschieden. "Ein Tor ist für mich wie ein Geschenk. Es öffnet mich für ein gutes Spiel", sagte Mahmoud.

Ersatz-Spielführer Nashat Akram setzt bei der Mission Titelverteidigung auch auf die Qualitäten seines Coaches: "Sidka ist ein guter Trainer für uns. Wir sind gut vorbereitet. Es wird nicht leicht, uns zu schlagen.

© SID

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