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21.01.2011

08:22 Uhr

Fußball Italien

Merkel mit erster Bude für Milan

In seinem dritten Pflichtspieleinsatz hat der deutsche U19-Nationalspieler Alexander Merkel sein erstes Tor für den AC Mailand erzielt. Merkel traf beim 3:0-Erfolg gegen Bari.

Jubelt nach seinem ersten Tor für Milan mit den Teamkollegen: Alexander Merkel (l.). Foto: SID Images/AFP/Olivier Morin SID

Jubelt nach seinem ersten Tor für Milan mit den Teamkollegen: Alexander Merkel (l.). Foto: SID Images/AFP/Olivier Morin

Ibrahimovic, Merkel, Robinho - beim Studium der Torschützen des AC Mailand kam mancher Fußball-Fan ins Stocken. Denn in die Weltstars fügte sich ein deutsches Talent ein, von dem bis vor wenigen Tagen selbst eingefleischte Fans noch nichts gehört hatten. Doch nun verzaubert das "Baby-Genie" (Corriere dello Sport) Alexander Merkel ganz Mailand.

Die Karriereleiter erklimmt der 18-Jährige im Eiltempo. Kurzeinsatz in der Champions League, Debüt in der Serie A, nun beim 3:0 (2:0) im Pokal-Achtelfinale gegen AS Bari das erste Pflichtspiel-Tor, dazu eine sehenswerte Vorlage. Alles innerhalb von sechs Wochen.

Merkel selbst spielte seine Leistung herunter. Er sei "überglücklich", erklärte er nach seinem großen Tag, müsse natürlich den Kollegen danken und habe bei dem Assist "Robinho einfach nur den Ball geben müssen".

Funktionäre voll des Lobes

Die Funktionäre und meisten Medien waren dagegen voll des Lobes. "Merkel bringt Schwung. Er ist ein Trumpf in der Hand von Trainer Allegri", konstatierte Tuttosport, der Corriere dello Sport schrieb unter einem großen Foto mit Merkels Torjubel: "Er hat viel Potenzial, und wir werden noch viel von ihm hören."

Derweil gab Milans Vize-Präsident Adriano Galliani zu Protokoll, er sei "glücklich, denn es ist schon eine Weile her, dass Spieler aus einem Jugendteam in einem Pflichtspiel getroffen haben". Gleichzeitig stellte er klar, dass der deutsche Spielmacher auf keinen Fall abgegeben werde, "denn er ist wichtig für die Mannschaft". Coach Massimiliano Allegri lobte: "Merkel ist ein talentierter Spieler, und er verbessert sich ständig."

Mit seinem dritten Pflichtspiel-Einsatz hat sich der deutsche U19-Nationalspieler also wieder ein Stück näher an die Stammelf des italienischen Tabellenführers gespielt. Dabei ist er auf der Homepage nicht einmal im Kader aufgeführt. 27 Spieler des Profikaders werden dort auf Fotos vorgestellt, der "blondeste Milan-Spieler seit Karl-Heinz Schnelliger" (FAZ) fehlt.

Keine Gedanken über Zukunft

Über die Zukunft will sich Merkel, der in Kasachstan geboren wurde und im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern in den Westerwald übersiedelte, keine großen Gedanken machen. "Mal schauen, was noch alles so kommt", sagte er nach seinem Premieren-Treffer zum 2:0 kurz vor der Pause.

Schließlich gibt es auch Beobachter, die ihn noch kritisch sehen. Die Gazzetta dello Sport urteilte am Freitag, der junge Deutsche müsse noch "ein kleines bisschen aggressiver" werden, Allegri werde "noch viel Arbeit" mit ihm haben. Schon nach den ersten Auftritten hatten manche Medien Merkel für "irgendwie zu leicht" (Tuttosport) oder "noch zu zart" (Corriere della Sera) befunden.

Aufstieg zum Profi ist Formsache

All das scheint den Mittelfeldspieler, der 2008 vom VfB Stuttgart den großen Sprung ins Ausland wagte, weil er die Chance seines Lebens sah, nicht aufhalten zu können. Sein Vertrag läuft noch bis 2013, Gallianis Worten zufolge ist der Aufstieg zum Profi Formsache.

Offen ist nur, für welches Nationalteam er in absehbarer Zukunft auflaufen wird, für Deutschland oder für Kasachstan. "An erster Stelle steht Deutschland. Aber was in der Zukunft liegt, wird man dann sehen", erklärt er stets. Doch wer sich im Star-Ensemble um Ibrahimovic und Robinho durchsetzt, den hat Bundestrainer Joachim Löw längst auf dem Zettel.

© SID

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