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29.03.2016

19:43 Uhr

Fußball-Länderspiel in München

Sicherheitspersonal auf 800 Polizisten aufgestockt

Doppelt so viele Polizisten wie üblich sollen rund um das Länderspiel Deutschland gegen Italien in München für Sicherheit sorgen. Etwa 800 Polizisten sind im Einsatz, konkrete Hinweise auf Anschläge gebe es aber keine.

Einsatzkräfte der Polizei beobachten den Stadioneingang in München. dpa

Polizisten vor der Allianz-Arena

Einsatzkräfte der Polizei beobachten den Stadioneingang in München.

MünchenRund 800 Polizisten sollen in München rund um das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Italien am Dienstagabend für Sicherheit sorgen. Das seien doppelt so viele wie bei Partien mit vergleichbarem Gewaltpotenzial unter den Fans, sagte ein Sprecher der Münchner Polizei.

Bedingt durch die Terroranschläge in Brüssel vor einer Woche sowie in Paris im Herbst sei das Personal aufgestockt worden. Der Sprecher betonte aber: „Es gibt überhaupt keine Hinweise auf terroristische Aktivitäten. Von Anschlägen will ich gar nicht sprechen.“ Es herrsche aber eine abstrakte Gefahr.

Das Freundschaftsspiel ist die zweite Begegnung der DFB-Elf nach der Absage von Hannover im Herbst infolge der Terroranschläge von Paris. Am Samstag hatte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw in Berlin gegen England (2:3) gespielt – ohne größere Zwischenfälle.

Die Schauplätze des Terrors in Paris im November 2015

Das Bataclan

Der Musikclub am Boulevard Voltaire gehört zu den bekanntesten Konzerthallen der Stadt. Ein Sichtschutz versperrt am Sonntag den Blick auf den Eingang des Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert. Auf der Anzeigetafel wird noch für das Konzert der US-Rockband „Eagles of Death Metal“ geworben, bei dem mindestens 80 Menschen getötet wurden. Journalisten aus aller Welt stehen aufgereiht an den Absperrgittern, ein Meer aus Teelichtern, Blumen und kleinen Zetteln erinnert an die Opfer. Auf dem Pflasterstein liegt auch ein Notenblatt von John Lennons „Imagine“, umrahmt von herzförmig gelegten Kerzen. „Hier wird nichts mehr so sein, wie es war“, sagt Hermano, ein italienischer Tänzer. Er kenne das „Bataclan“ von seinen Abenden, er hat Tränen in den Augen.

Rue Alibert

Eine kleine Kreuzung im 11. Arrondissement, fünf Straßen kommen hier zusammen, graue fünfstöckige Häuser ohne größeren Charme. Vor zwei kleinen Bars, zwei Schauplätzen des Terrors, dieselbe Szenerie: Blumen, Kerzen, Zettel. Der metallene Rollladen des beliebten Le Petit Cambodge ist verschlossen, gleich gegenüber stecken Rosen in den Einschusslöchern des Cafés Le Carillon, einer weiteren stark frequentierte Bar. Die Speisekarte hängt noch an der Türe. Es drückt eine schwere Stille auf den Platz, auf dem am Sonntagmittag Dutzende Menschen zusammengekommen sind. „Das Leben wird weitergehen, aber es wird nicht wiederzuerkennen sein“, sagt Alain (48), der in der Straße wohnt.

Rue de la Fontaine-au-Roi

Nur wenige Schritte sind es von der Rue Alibert zur nächsten Kreuzung, an der der Terror seine Spuren hinterlassen hat. Auch vor dem Café Bonne Bière und dem gegenüberliegenden Restaurant Bar Cosa in der Nähe des beliebten Kanal Saint-Martin haben sich Trauernde und Neugierige versammelt, sie lesen die Zettel, die Mut machen sollen. „Trotzdem keine Angst“, heißt es da und „Wir gehen nicht unter“. Im Bonne Bière stehen noch Gläser auf den Tischen, vor der Bar Cosa verdeckt feiner Sand die teils noch immer deutlichen Blutspuren. Der Blumenhändler an der Kreuzung verpackt hektisch einzelne Rosen. „Natürlich ist mehr los als sonst“, sagt er.

Stade de France

Der Bereich, in denen zwei Bomben gezündet wurden, ist weiter abgesperrt. Polizisten bewachen die etwa 150 Meter der Avenue Jules Rimet entlang der Eingänge C bis G. Vor der Brasserie gegenüber von Tor D liegen noch zusammengekehrte Trümmer. Berichten zufolge wollte mindestens einer der insgesamt drei Attentäter seine Bombe eigentlich im Stadion zünden. Aber auch so wirkt die Nähe zum Stade de France, das am Freitag mit fast 80 000 Menschen gefüllt war, zwei Tage später noch beklemmend. Nur ein paar Meter sind es zum Finalort der EM 2016. Dort, wo am Freitagabend Fans teilweise Schutz auf dem Rasen suchten, herrscht am Sonntag Leere.

Der Münchner Polizeisprecher kündigte akribische Kontrollen vor dem Einlass ab 18.45 Uhr an. „Die Leute sollten eine gehörige Portion Gelassenheit mitbringen.“ Je größer die Taschen, desto länger dauerten die Kontrollen.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter rief die Polizei dazu auf, erst gar keine Taschen mitzunehmen und die Ausweise bereit zu halten. Der Einlass sei trotz der Maßnahmen nicht vorverlegt worden, sagte der Sprecher. Nach seinen Angaben waren bis zum Mittag gut 60 000 Karten verkauft und 11 000 noch zu haben.

Von

dpa

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