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22.01.2011

13:02 Uhr

Fußball National

Affäre um St. Pauli weitet sich aus

St. Pauli rutscht immer tiefer in den Wettskandal. Laut Wettpate Marijo C. sollen Spieler in der 2. Liga drei Partien manipuliert haben. Die Gesamtzahl steigt so auf sechs Spiele.

Der ehemalige St.-Pauli-Spieler Rene Schnitzler hatte den Stein ins Rollen gebracht. Foto: SID Images/publicaddress SID

Der ehemalige St.-Pauli-Spieler Rene Schnitzler hatte den Stein ins Rollen gebracht. Foto: SID Images/publicaddress

Im Fußball-Wettskandal gerät Bundesligist FC St. Pauli immer stärker in Erklärungsnot. Laut Aussage des Wettpaten Marijo C. sollen drei Begegnungen der Hamburger von Spielern des Teams in der 2. Liga manipuliert gewesen sein. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Da seit den Enthüllungen des ehemaligen St.-Pauli-Profis Rene Schnitzler bereits Verdachtsmomente bei fünf Spielen bestehen, erhöht sich die Gesamtzahl umstrittener Spiele des FC St. Pauli auf sechs. Alle Spiele fanden 2008 statt. Neu hinzugekommen ist durch die Aussage von Marijo C. das Heimspiel gegen Alemannia Aachen am 11. Mai 2008 (0:2).

Ferner nannte Marijo C. die Auswärtsspiele beim FSV Mainz 05 am 18. Mai (1:5) und am 23. November 2008 (2:2). Das geht nach Spiegel-Informationen aus dem Protokoll eines Verhörs vom 2. Dezember 2010 hervor, bei dem Marijo C. im Bochumer Polizeipräsidium sechseinhalb Stunden lang über seine kriminellen Machenschaften bei Fußballwetten redete.



Marijo C. weist auf fünf manipulierte Spiele hin

Den Stein ins Rollen gebracht hatte der frühere Zweitliga-Profi Rene Schnitzler, der Anfang November 2010 in einem Gespräch mit dem Magazin Stern zugab, von einem Wettpaten insgesamt mehr als 100 000 Euro Bestechungsgeld angenommen zu haben. Dafür habe er 2008 fünf Spiele seines damaligen Vereins St. Pauli manipulieren sollen. Es handelt sich neben den Auswärtsspielen beim FSV Mainz 05 noch um Zweitliga-Spiele gegen Hansa Rostock, den FC Augsburg und den MSV Duisburg. Schnitzler bestreitet, die Spiele manipuliert zu haben. Er habe das Geld im Kasino verspielt, behauptet der Ex-Profi.

Marijo C. behauptete, dass gleich fünf Spieler des FC St. Pauli in die Schiebungen involviert gewesen seien. Er selbst habe sich an zwei der drei vermeintlich manipulierten Begegnungen beteiligt - in zwei Fällen mit Wetteinsätzen, in einem Fall mit Bestechungsgeld in Höhe von 50 000 Euro.

Am 24. Februar soll vor dem Landgericht Bochum der Prozess gegen Marijo C. und weitere fünf Mitglieder einer Bande mutmaßlicher Fußball-Wettbetrüger beginnen. Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bochum, die am 29. Dezember fertiggestellt wurde und insgesamt 287 Seiten umfasst, soll Marijo C. von Juni 2008 bis zu seiner Verhaftung im November 2009 europaweit 46 Fußballspiele verschoben haben und sein Insiderwissen über die gekauften Begegnungen beim Wetten genutzt haben.

Allein auf einem Wettkonto in London, das die Fahnder entdeckten, sollen drei der Beschuldigten in knapp einem Jahr 32 Mill. Euro umgesetzt haben. Mutmaßlicher Gewinn laut der Anklageschrift: 3,5 Mill. Euro.

© SID

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